Die 380kV - Story

Hintergrundinformationen zum Projekt der 380kV -Freileitung durch die Oststeiermark (Steiermarkleitung) - Interessantes aus Politik, Wirtschaft und aus den Reihen der Résistance

Die Grundstücksangelegenheiten

 

Um diese Leitung zu bauen, benötigt der Verbund das Recht, auf fremden Grundstücken Masten zu errichten oder fremde Grundstücke zu überspannen. In Waldgebieten geht das dann oft Einhand mit Rodungen größeren Ausmaßes.

Für diese "Grunddienstbarkeiten" hat der Verbund den Eigentümern bestimmte Beträge geboten, die einst zusammen mit der Landwirtschaftskammer über die Köpfe der Grundstücksbesitzer hinweg festgelegt wurden. Entschädigt werden nur die Nachteile in der Bewirtschaftung forstlicher oder landwirtschaftlicher Flächen. Wer "Pech" hat, im Trassenbereich wohnt, aber kein Grundstück besitzt, bekommt keinen Cent.

Mitte 2007 waren noch viele Hundert Grundstücksbesitzer unwillens, diese Vereinbarungen zu unterzeichnen. Flugs nach "Aberkennung der aufschiebenden Wirkung" machte man sich seitens des Verbunds daran, diese Leute aufzusuchen und ihnen eine letzte Frist zur Abtretung der Grunddienstbarkeiten zu stellen.

Dann begannen die Enteignungsverfahren, Motto "Willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein"

Wer nicht damit einverstanden war, dass er eine Vereinbarung unterzeichnen sollte, die ihm sämtliche zukünftigen Ansprüche aberkennt, die ein paar Euro bringt, dafür, dass in vielen Fällen der gesamte Liegenschaftsbesitz um gut ein Drittel entwertet wird, den zerrte man vor ein Tribunal, bestehend aus Verbund, Steweag-Seg, deren Rechtsanwälte, Vertretern des Wirtschaftsministeriums und Beamten der steirischen Landesregierung.

Dort pflegte man den Leuten von der ohnehin spärlichen Entschädigung für den tatsächlichlichen Schaden an Grund und Eigentum noch etwa 40 - 60 % abzuziehen, sodass der gebeutelte Kleinbauer noch ärmer aus dem Verfahren geht, als er hinein ging. Alles Rechtens, ich will hier den Hyänen der E-Lobby mit ihren Milliardengewinnen nichts unterstellen. Mögen sie gut schlafen und sich freuen, dass sie es den renitenten Oststeirern so richtig gezeigt haben.

Dass dies dazu führte, dass selbst Leute die Rahmenübereinkommen aus Vernunftsgründen unterzeichnen mussten (bei Großgrundbesitzern ging es da um richtig Geld), wird nicht verwundern. Trotzdem blieben insgesamt rund 40 Grundstückseigner über, die sich das nicht gefallen ließen, auf Geld verzichteten und den Weg der Enteignung gingen. Ein paar EURO mehr in der Tasche können halt auch kein Gewissen beruhigen und schon gar nicht den Wegfall sämtlicher Ansprüche wettmachen, wenn ein Kind im Haushalt an Leukämie erkrankt.

Blick nach Salzburg

 
Während die sterischen Politiker den Kopf in den Sand steckten oder es vorzogen, Grabenkämpfe auf der Regierungsbank auszuführen, haben in Salzburg der ÖVP Landesrat Eisl und die SPÖ Landeshauptfrau Burgstaller den Verbund an den runden Tisch geholt. In diesen Gesprächen hat man sich darauf geeinigt, eine Studie in Auftrag zu geben, welche die Machbarkeit einer (Teil-)Erdverkabelung der Salzburger 380kV - Leitung untersuchen soll. Man einigte sich darauf, dass diese Studie vom Unternehmen KEMA erstellt werden soll und dass beide Seiten (Verbund und Salzburg) das Ergebnis anerkennen würden.

Die KEMA wurde mit Daten aus dem Freileitungsprojekt versorgt und auf dieser Basis wurde die Machbarkeit einer Verkabelung untersucht. Das Angebot an APG und E-Control, sich bei dieser Studie einzubringen, wurde nicht angenommen, mehr noch, auf Einladungen dieser Art wurden von der E-Control nicht mal reagiert.

Ende Jänner war es dann so weit, das Ergebnis wurde in einer Enquete präsentiert :

http://www.salzburg.gv.at/380kv


Die Studie kommt zum Schluss, dass eine Erdverkabelung sowohl technisch machbar ist, als auch finanziell darstellbar und damit eine gültige Alternative zur Freileitung darstellt.

Zuerst war es mal still auf Seiten des Verbund. Dann hörte man von hektischen Telefonaten zwischen Verbund und Wirtschaftsministerium. Und dann - vorhersehbar - die Aussage, dass die Studie falsch sei und keine neuen Erkenntnisse brächte.

Analyse :

Welche Möglichkeiten hatte der Verbund denn ? Würde er zugeben,dass die Studie auf seriöser Basis erstellt und zutreffend sei, müsste er dies nicht nur bei der Salzburgleitung berücksichtigen. Auch in den noch anhängigen Verfahren zur Steiermarkleitung spielt es eine Rolle, da die Leitung in der Steiermark in vielen Bereichen nur deshalb genehmigungsfähig war, weil die Behörde zum Schluß kam (bzw. es der Verbund samt E-Control ihr glaubhaft machen konnte), dass es keine technisch machbaren Alternativen zur Freileitung gäbe.

Auf diesem Standpunkt musste Kaupa natürlich nun weiterhin beharren, auch wenn es noch so durchschaubar, hanebüchen und unbelegbar ist. Und unvergessen auch seine Aussage in diesem Zusammenhang :

"Wenn wir eine Leitung eingraben, dann bringen wir in ganz Europa keine Freileitung mehr durch"

Darum geht´s den Herrschaften - es kann nicht sein, was nicht sein darf.


"Wir sehen keinen Grund, die Ergebnisse der KEMA-Studie anzuzweifeln", sagten Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller, Energiereferent Landesrat Sepp Eisl und Umweltreferent Landesrat Walter Blachfellner zur Stellungnahme der Verbund-APG über die 380-kV-Leitung heute, Freitag, 1. Februar.

Wie die Studienautoren der KEMA anlässlich der Präsentation am vergangenen Montag versichert haben, hätte Verbund-APG alle für die Erstellung der Studie relevanten technischen Informationen zur Verfügung gestellt.

"Die Landesregierung geht daher davon aus, dass die KEMA-Studie inhaltlich fundiert ist", erklärte Burgstaller. "Aus Salzburger Sicht erscheint es sinnvoll, dass Verbund-APG die Experten von KEMA in die Analyse der Studie einbindet, um die heute aufgetauchten technischen Fragen zu klären", so Burgstaller weiter. Sie habe Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer als zuständiges Verbund-Vorstandmitglied daher ersucht, dass der Verbund möglichst rasch mit den Experten der KEMA Kontakt aufnehme.

"Ich hoffe, die APG setzt ihre Ankündigung gewissenhaft um, wonach die KEMA-Studie in den nächsten Tagen weiter analysiert wird und die gewonnenen Erkenntnisse transparent gemacht werden", betonte Umweltreferent Landesrat Walter Blachfellner. Für Salzburg sei die vorliegende KEMA-Studie Maßstab für die weitere Vorgangsweise, die auf Grund der Sensibilität, die dieses Thema erfordere, in enger Abstimmung zwischen allen beteiligten Partnern erfolgen soll, so die einhellige Position der Salzburger Landesregierung anlässlich der Präsentation der KEMA-Studie am vergangenen Montag.

"Wir nehmen die heutige Aussage vom Leiter des österreichischen Stromregulators E-Control, Dipl.-Ing. Walter Boltz ("... bei der von der Salzburger Landesregierung in Auftrag gegebenen Studie zur 380-kV-Leitung habe es den Anschein, dass die Verfügbarkeit und damit verbunden die Versorgungssicherheit von Kabeln nicht den technischen Standards entsprechend berechnet wurden ..."), mit Erstaunen zur Kenntnis", so Burgstaller, Eisl und Blachfellner. "Erstaunen deshalb, da die Studie bisher nur der APG zur Verfügung gestellt wurde, und weil Dipl.-Ing. Boltz auf meine Einladung, am vergangenen Montag an der Präsentation der Studie in Salzburg teilzunehmen, per E-Mail von einer Teilnahme sowie von einer 'Einmischung in die inner-salzburgische Diskussion über die Leitung oder Ratschlägen gegenüber der Behörde' Abstand genommen hatte", sagte Landesrat Eisl. Das Land erwartet sich von der E-Control, ihrer Rolle als unabhängiger Schiedsrichter gerecht zu werden und alle Bemühungen daran zu setzen, alle Partner an einen Tisch zu bekommen. (siehe dazu auch Nummer 9) der heutigen Landeskorrespondenz II, "Behauptungen der APG nicht nachvollziehbar")

Bei einem von Landeshauptfrau Burgstaller am 18. April 2007 einberufenen Spitzengespräch vereinbarten Vertreter des Landes, der Gemeinden und des Verbundes bzw. der Austrian Power Grid (APG), dass die Ergebnisse in die Antragstellung für das UVP-Verfahren für den zweiten Abschnitt der Salzburgleitung einfließen werden. Land und Gemeinden hatten bei dieser Sitzung die Erwartung formuliert, dass auch für den ersten Streckenabschnitt der Leitung die Ergebnisse der Studie relevant sind. APG-Vorstand Dr. Heinz Kaupa betonte damals das Interesse an einer Konsenslösung."

(Quelle : Wirtschaftsblatt, 2.2.2008)


Wir dürfen alle gespannt bleiben, wie lange sich die Politik noch von der Energielobby belügen lässt.....

Gefunden auf: http://starkstrom.blogspot.com/

 

Freileitungen haben ausgedient
 
 
 

 
So wird verkabelt (von links): Kay Schmidt (RWE Netzplanung), Bürgermeister Dr. Martin Hellwig, Thomas Wirp und Bauleiter Klaus-Dieter Meyer (KS Bau, Lengerich) studieren die Pläne. Am Fleetenweg ist die alte Gitterstation „Lienen 28“ (kleines Bild) demontiert und zersägt worden. Strippen in der Erde übernehmen die Aufgabe der Freileitungen.Fotos (2):
So wird verkabelt (von links): Kay Schmidt (RWE Netzplanung), Bürgermeister Dr. Martin Hellwig, Thomas Wirp und Bauleiter Klaus-Dieter Meyer (KS Bau, Lengerich) studieren die Pläne. Am Fleetenweg ist die alte Gitterstation „Lienen 28“ (kleines Bild) demontiert und zersägt worden. Strippen in der Erde übernehmen die Aufgabe der Freileitungen.Fotos (2):
(Wilhelm Schmitte)

 

 
Lienen - Die Freileitung hat ausgedient - Erdkabel übernehmen die Aufgabe. Das kostet. Rund 110000 Euro investiert RWE derzeit in die Versorgungssicherheit in der Lienener Bauerschaft Aldrup.

Kern der Maßnahme sind 1,7 Kilometer neue Stromkabel, die von dem regionalen Energieversorgungsunternehmen gelegt wurden. Sie stellen zukünftig die Stromversorgung sicher und machen damit rund zwei Kilometer Freileitung überflüssig. Nachdem die neuen Kabel an das bestehende Stromnetz angeschlossen waren, konnten die Stahl-Alu-Leitungen der Strommasten demontiert werden. Insgesamt 37 dieser hölzernen Leitungsträger sind überflüssig. Die Riesen-Stangen sind in enger Absprache mit den betroffenen Anwohnern der alten Stromtrasse abgebaut worden.
 

Als die alte Gitterstation „Lienen 28“ am Fleetenweg unmittelbar an der „Liene“ umgelegt wird, ist auch Dr. Martin Hellwig vor Ort. Für den Bürgermeister ist die Demontage der alten Freileitung eine „landschaftsästhetische Verbesserung.“



Die alte Ortsnetzstation - auf Eisenbahnschwellen im Erdreich verankert - mit dem Transformator in sechs Meter Höhe wird verschrottet. Ebenso wie die Isolatoren und die in die Jahre gekommenen Leitungen.

Mit dieser Maßnahme führt RWE nach eigenen Angaben das Engagement für die Versorgungssicherheit in der Region fort. Bereits 2009 hat das Unternehmen etwa 300000 Euro in neue Stromleitungen investiert. In Kattenvenne sind 4,4 Kilometer Stromkabel gelegt worden. Danach konnten 4,7 Kilometer Freileitung entfernt werden.

An der Ecke Kattenvenner Straße/Fleetenweg übernimmt ein unscheinbarer grauer Kasten die Funktion der alten Gitterstation. Gut vier Wochen haben Verkabelung und Demontage des 40 bis 50 Jahre alten Netzes gedauert.

Seit rund einem Jahrhundert sorgt RWE für die nötige Energie in der Region und achtet auf die zuverlässige Verteilung für den Transport von Strom und Gas.

Die Mitarbeiter kommen aus der Gegend, in der sie arbeiten und kennen daher das Netz wie ihre Westentasche. „Die Versorgungsqualität für die Einwohner der Region hat für RWE oberste Priorität“, betont Thomas Wissing, Leiter Netzbezirk Georgsmarienhütte. „Erdkabel sind auf Dauer weniger störungsanfällig“, weiß Wissing. Umstürzende Bäume und Blitze spielen damit keine Rolle mehr. Gleichzeitig können sich in Freileitungen keine Vögel mehr verfangen und verenden.

Wann es in der Gemeinde Lienen keine Freileitungen mehr geben wird, das ist noch offen. „Verkabelt wird, wo es wirtschaftlich darstellbar ist“, betont Thomas Wirp (RWE Rheinland Westfalen Netz AG) während eines Ortstermins.

 

VON WILHELM SCHMITTE, LENGERICH
 


 
09 · 04 · 10

 

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