Kohlekraft kraftlos http://www.focus.de/finanzen/news/kohle_did_15494.html

  

 

Urteil heizt Diskussion über Kohlekraft an

Eon-Projekt ruft Politiker und Umweltschützer auf den Plan

Die Zukunft des im Bau befindlichen Kohlekraftwerks in Datteln beschäftigt jetzt den Landtag. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hatte den Bebauungsplan für das Milliarden-Projekt des Energiekonzerns Eon aufgehoben.

 

 
Christa Thoben (CDU), NRW-Wirtschaftsministerin; Rechte: dpa 

Christa Thoben

Die SPD forderte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) am Dienstag (08.09.09) auf, im Wirtschaftsausschuss des Parlaments "schnell und umfassend für Klarheit zu sorgen, welche Bedeutung die Entscheidung des OVG Münster für das Energie- und Industrieland Nordrhein-Westfalen hat". Das Gericht hatte den Bebauungsplan für das weit fortgeschrittene Milliardenprojekt von Eon in der vergangenen Woche für unwirksam erklärt.

Thoben sagte, sie bedauere die Entscheidung des Gerichts zutiefst: "Da ist über eine Milliarde Euro bereits verbaut worden." Das Gericht hatte unter anderem geurteilt, der Standort des Kraftwerks verstoße gegen die Landesplanung. Dem widersprach Thoben. Der Standort sei seit dem Jahr 2004 mit entsprechenden Erläuterungen im Gebietsentwicklungsplan enthalten, sagte sie. Zu den Folgen der Gerichtsentscheidung könne sie noch nichts sagen, da noch keine schriftliche Urteilsbegründung vorliege.

 

BUND beantragt Baustopp

Neubau des Eon-Kraftwerks in Datteln; Rechte: dpa 

Eon-Baustelle in Datteln

Derweil hat der Landwirt aus Waltrop, der erfolgreich gegen den Bebauungsplan geklagt und am Donnerstag (03.09.09) vom OVG Recht bekommen hatte, weitere Unterstützung erhalten: Der Umweltverband BUND hat einen Baustopp des Eon-Kraftwerks in Datteln beantragt. Das teilte der BUND am Montag (07.09.09) mit. Die Umweltschützer reichten den Antrag bei der Bezirksregierung Münster ein. "Im Vorbescheid der Bezirksregierung wird ausdrücklich darauf hingewiesen", so der BUND, "dass der jetzt vom OVG aufgehobene Bebauungsplan eine Voraussetzung für die Erteilung der Kraftwerksgenehmigung ist."

 
Die Bezirksregierung bestätigte den Eingang eines entsprechenden Antrags auf einen Baustopp. Sie habe mit der Prüfung des Antrags begonnen, so die Behörde. Wann eine Entscheidung getroffen werde, sei noch nicht absehbar.

Zuvor hatten schon die Grünen in NRW wissen lassen, sie würden es "sehr begrüßen", wenn der Bau des Eon-Kraftwerks endgültig gestoppt würde und "wieder eine geplante Dreckschleuder verhindert werden könnte." Statt Kohlekraft müssten die erneuerbaren Energien konsequent ausgebaut werden.

 

Keine Folgen für Kohlekraftwerk in Lünen erwartet

Die Betreiber des im Bau befindlichen Kohlekraftwerks in Lünen befürchten durch das OVG-Urteil gegen den Bebauungsplan des Eon-Kraftwerks Datteln keine Auswirkungen auf ihr Projekt. Dies teilte das Energieunternehmen Trianel am Dienstag (08.09.09) in Aachen mit: "Anders als in Datteln gibt es in Lünen einen gültigen Bebauungsplan, der rechtskräftig ist." Dieser Plan sei auch nicht beklagt. Für den Stummhafen in Lünen bestehe bereits seit über 20 Jahren ein Bebauungsplan, der das Gebiet ausdrücklich als Industriegebiet festsetze und Anlagen der Schwerindustrie und Kraftwerke zulasse. Im Regionalplan Dortmund/Unna/Hamm sei das Gebiet ebenfalls als Gewerbe- und Industriegebiet mit der ausdrücklichen Option ausgewiesen, Kraftwerke zu errichten.

Das Kraftwerk in Lünen wird seit 2008 gebaut. Es soll im Oktober 2012 endgültig fertig werden.

 

Lobbyarbeit soll Bürgerproteste dämpfen

Angesichts teils massiver Proteste von Bürgern gegen Kraftwerke und andere große Industrievorhaben in NRW wollen die Landesregierung, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände die "Akzeptanz" in der Bevölkerung verbessern. Widerstand gibt es zum Beispiel auch seit Jahren gegen eine Kohlenmonoxid-Pipeline des Bayer-Konzerns im Rheinland.
 

Unter der Überschrift "Pro Industrie" müssten Politik und Wirtschaft gemeinsam für die Umsetzung von industriellen Großprojekten werben. Das teilte die Landesregierung am Dienstag (08.09.09) nach einem Treffen des sogenannten "Branchendialogs NRW" mit. Konflikte müssten vor Ort von allen Beteiligten "offen angepackt und ausgetragen werden". Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften können sich demnach einen landesweiten "Tag der Technik" und eine "Informationskampagne" zum Industriestandort NRW vorstellen.

 http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/wirtschaftsbranche/eon/kraftwerk_datteln/090908.jhtml?stdComments=1&rubrikenstyle=wirtschaft

 

10. Mai 2007, 10:17 Uhr
Deutsche Kohlekraftwerke sind Dreckschleudern

Eine Studie im Auftrag der Umweltstiftung WWF hat deutschen Kohlekraftwerken eine glatte Sechs erteilt: Zehn der dreißig dreckigsten Kohlekraftwerke der EU stehen in Deutschland. Allein vier davon gehören dem Energiekonzern RWE.

 

Die Braunkohlekraftwerke des Energieversorgers RWE: Frimmersdorf (oben links), Weisweiler (oben rechts), Neurath (unten links) und Niederaußem (unten rechts). Sie belegen die Plätze 5, 6, 7 und 3 im EU-Ranking der 30 schädlichsten Kohlekraftwerke© Federico Gambarini/DPA

Deutsche Kohlekraftwerke gehören nach den Berechnungen von Umweltschützern zu den klimaschädlichsten Stromlieferanten in der Europäischen Union. Nach einer veröffentlichten Studie des Öko-Instituts im Auftrag des WWF stehen von den 30 größten Dreckschleudern in der EU allein zehn in der Bundesrepublik.

RWE hat die ineffizientesten Kohlekraftwerke

Der WWF ordnete die dreißig Kohlekraftwerke dann nach ihrer Effizienz - als Richtmaß galt dabei der CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Die Analyse basiert auf Emissionsdaten von 2006, die im Rahmen des Emissionshandels erhoben wurden.

Im eigenen Land führend ist nach diesen Angaben mit dem dritten Platz auf der EU-Negativ-Rangliste das vom Energieversorger RWE betriebene Braunkohlekraftwerk Niederaußem im Rheinland. Die ebenfalls in Nordrhein-Westfalen angesiedelten RWE-Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf, Weisweiler und Neurath belegen die Plätze fünf, sechs und sieben.

"Wir haben damit begonnen, unseren Kraftwerkspark zu erneuern", sagt Lothar Lambert, Pressesprecher von RWE. "In Niederaußem haben wir damit begonnen."Bis zum Jahr 2012 will RWE laut Lambert alle seine alten Kohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen abschalten - davon betroffen wären die vier im Ranking geführten Kraftwerke Niederaußem, Frimmersdorf, Weisweiler und Neurath.

Zwei Vattenfall-Braunkohleanlagen im brandenburgischen Jänschwalde und im sächsischen Boxberg stehen auf Platz vier beziehungsweise zehn der EU-Liste.

Zehn Prozent der CO2-Emissionen gehen aufs Konto der "Dreckigen Dreißig"

Negativ-Spitzenreiter in Europa ist laut WWF das Kraftwerk Agios Dimitrios in Griechenland. Pro Kilowattstunde erzeugten Stroms bläst es nach der Studie rund 1.350 Gramm Kohlendioxid (CO2) in die Luft. Die restlichen vier der zehn zu den "Dreckigen Dreißig" gehörenden Anlagen in der EU seien in Deutschland die Braunkohlekraftwerke Schwarze Pumpe in Brandenburg (Rang 14) und Lippendorf in Sachsen (Rang 16) sowie die Steinkohlekraftwerke Scholven bei Gelsenkirchen (Rang 20) und Mannheim (Rang 28). Die Analyse basiert nach Angaben des WWF auf den Emissionsdaten von 2006, die im Rahmen des Emissionshandels erhoben werden.

"Die neuen Daten unterstreichen, dass EU-Umweltkommissar Stavros Dimas mit seiner Kritik an Deutschlands Energiepolitik absolut richtig liegt", sagte Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimapolitik beim WWF Deutschland. Dimas hatte Deutschland vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke gewarnt.

Die Untersuchung habe gezeigt, dass im vergangenen Jahr 393 Millionen Tonnen Kohlendioxid, das entspricht zehn Prozent der europäischen CO2-Emissionen, auf das Konto der "Dreckigen Dreißig" gegangen sind. Der WWF forderte die Bundesregierung auf, vor diesem Hintergrund endlich die Privilegien und Subventionen für die klimaschädliche Kohle zu streichen.

http://www.stern.de/wissen/natur/umweltstudie-deutsche-kohlekraftwerke-sind-dreckschleudern-588795.html

 

 

Kraftwerk Doerpen: Hocheffizient übertreiben

Das Adjektiv “effizient” stammt vom lateinischen “efficiens” ab, und es bedeutet laut Duden einfach nur “bewirkend”. In der Umgangssprache nennt man etwas “effizient”, wenn es wirtschaftlich ist, wenn Aufwand und Nutzen also in einem vorteilhaften Verhältnis stehen. Im niedersächsischen Dörpen hat der Schweizer Energieversorger BKW den Neubau eines Kohlekraftwerkes mit 900 Megawatt Leistung beantragt – dagegen regt sich massiver Widerstand. In der örtlichen Ems-Zeitung schaltete der Investor kürzlich eine großflächige Annonce, darin versprach er:

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Umweltverträglich? Laut Internetseite der Firma BKW soll die Anlage pro Jahr mehr als 4,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Trotzdem heißt es in der Anzeige weiter, man habe vor,
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Hocheffizient? Das klingt prima. Doch eine Nachfrage beim Investor ergibt, dass der (elektrische) Wirkungsgrad der Anlage bei lediglich 46 Prozent liegen werde – das ist heutzutage bei neuen Kohlekraftwerken schlicht Stand der Technik. Und bedeutet im Klartext, dass weniger als die Hälfte der in der zugeführten Kohle enthaltenen “Primärenergie” in Strom umgewandelt wird, 54 Prozent verpuffen ungenutzt.

Der BKW-Sprecher räumt zudem ein, dass der Wirkungsgrad durch den Eigenstrombedarf des Kraftwerks (wofür eine Kapazität von 70 MW eingeplant sei) noch sinken könne. Man hoffe aber, dass eine nahegelegene Papierfabrik einen Teil der anfallenden Wärme abnehme – damit seien dann bis zu 55 Prozent Gesamtwirkungsgrad möglich.

Doch ist dies alles andere als sicher. Und die Bezeichnung “hocheffizient” erscheint selbst dann noch reichlich übertrieben. Zwar ist der Begriff rechtlich nicht geschützt. Aber einen Anhaltspunkt gibt die EU-Richtlinie 2004/8/EG: Laut ihrem Artikel 12 gelten Kraft-Wärme-Erzeugungs-Anlagen als “hocheffizient”, wenn ihr Gesamtwirkungsgrad bei mehr als 70 Prozent liegt. Moderne Gaskraftwerke erreichen dies spielend (sie kommen auf bis zu 90 Prozent), das Doerpener Kohlekraftwerk aber läge weit darunter. “Hocheffizient” ist das Projekt nicht für den Klimaschutz, sondern die Unternehmensbilanz des Investors.

Der Klima-Lügendetektor

 

 Aufstand gegen ein Kohlekraftwerk

Demonstrationen und Morddrohungen: Im emsländischen Dörpen eskaliert der Streit um den Bau eines Kraftwerks. Jetzt bekommen die Kohle-Gegner prominente Unterstützung.
 
 
 
Eine Bürgerinitiative hat mehr als 7000 Unterschriften gegen ein geplantes Kohlekraftwerk gesammelt. - Foto: ddp

Der Tagesspiegel, 13.8.2009

 

 

 

Die kleine Gemeinde Dörpen, gerade einmal 4200 Einwohner, gibt sich beschaulich: Der Touristikverein wirbt mit Radtouren entlang der Ems, Ausflügen zur Meyer-Werft nach Papenburg und Tretboot-Fahren auf dem Heeder See.

Doch die Idylle täuscht: Seit mehr als einem Jahr rasseln Gegner und Befürworter eines geplanten Steinkohlekraftwerks in Dörpen aneinander. Es wird mit harten Bandagen gekämpft, fast täglich liefern sie sich in der Lokalpresse ihre Scharmützel. Ende Juli goss Aloys Wobben, Chef von Enercon, einem der weltweit führenden Windrad-Hersteller aus Aurich in Ostfriesland, erneut Öl ins Feuer. Er werde in der Region nur dann investieren, wenn Dörpen kein Kohlekraftwerk baue.

Die Ankündigung Wobbens wirft ein Schlaglicht auf die Debatte über den zukünftigen Strommix in Deutschland. Was in Dörpen diskutiert wird, sind Grundsatzfragen, mit denen sich Deutschland in den nächsten Jahren ausführlich beschäftigen wird: Welcher Energieträger garantiert die meisten Arbeitsplätze? Welcher trägt am stärksten zum Klimaschutz bei?

Aloys Wobben ließ die Bombe, sein Junktim, am Rande einer Podiumsdiskussion platzen: Falls das Kraftwerk in Dörpen realisiert werde, verzichte er auf sein Rotorblattwerk in Haren, das etwa 20 Kilometer von Dörpen entfernt liegt. Bis zu 1000 Arbeitsplätze will das ostfriesische Unternehmen dort schaffen – für das strukturschwache Emsland ist das ein Lottogewinn. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk in Dörpen soll 100 Jobs schaffen, mit Zulieferern wären es etwa 300. Ob sich Wobben, ein bekannter Einzelgänger, nur in einer Laune zu der Aussage hingerissen fühlte, ist unklar – zurzeit nimmt Enercon keine Stellung dazu.

In Haren ist man schockiert und will dringend mit dem Enercon-Chef sprechen. Von "schwerwiegenden Folgen" spricht der Pressesprecher der Kleinstadt. Mehr mag er nicht sagen. CDU-Landrat Hermann Bröring, der ein entschiedener Befürworter des Kraftwerks ist, gibt sich ebenfalls irritiert. "Das Emsland unterstützt sowohl den Ausbau der regenerativen Energie, wie an der Windenergieleistung von 550 Megawatt deutlich zu sehen ist, als auch der konventionellen Energie als Übergangstechnologie", sagt er. Er sehe keinen Konflikt zwischen Dörpen und Haren. "Das sind zwei unterschiedliche Themenfelder."

Bei der Dörpener Bürgerinitiative (BI) "Saubere Energie" reibt man sich angesichts der prominenten Unterstützung aus dem benachbarten Landkreis die Hände. "Das zeigt: Kohle und erneuerbare Energien sind einfach nicht kompatibel", sagt BI-Sprecher Jan Deters-Meissner. Mit riesigem Aufwand versuchen der Sozialarbeiter und die rund 320 BI-Mitglieder zurzeit die Verabschiedung des Bauplans durch den Gemeinderat zu verhindern. Sie organisieren Widerstand in den Nachbargemeinden und sogar in den Niederlanden. Sie haben einen Protestsong komponiert und laden zu Podiumsdiskussionen ein.  Erst vergangene Woche initiierten sie zusammen mit dem Online-Kampagnen-Netzwerk campact die "Fragt-uns"-Aktion. Unter dem Motto "Deutschland schreibt Dörpen" sammeln sie Unterschriften für eine Bürgerbefragung zum Kraftwerksbau.

In den vergangenen Wochen ist der Ton rabiater geworden. Sogar Morddrohungen wurden ausgesprochen: Im Juli erhielten die CDU-Abgeordneten des Dörpener Gemeinderats, allesamt Kraftwerks-Unterstützer, einen anonymen Brief. In ihm wurden sie aufgefordert, die Bauplanungen für das Kraftwerk einzustellen – ansonsten könnten sie "ihr Testament machen". Die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Die Bürgerinitiative distanziert sich von dem Schreiben.

Wenige Tage später ging bei den CDU-lern allerdings ein zweiter Brief ein – offenbar war dem Verfasser die Sache nicht mehr geheuer: Das erste Schreiben solle man bitte nicht als Morddrohung interpretieren, lediglich als "Weckruf".

Selbst die Kirche, die im tiefkatholischen Emsland noch immer eine ernst zu nehmende Institution ist, hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Der örtliche Pfarrer Gerrit Weusthof, bekannt für seine unverblümte, offene Art, hatte im Frühjahr Bürgermeister Heinrich Wacker Wortbruch vorgeworfen, weil der seine Haltung zum Kraftwerk geändert habe. Die kirchliche Kritik konnte Wacker offensichtlich nicht ertragen – im Frühjahr legte er sein Amt nieder.

Trotz der Aufruhr in Dörpen hält der Investor an den Kraftwerkplänen fest. "Wir haben es in Dörpen mit Fundamentalopposition zu tun", sagt ein Sprecher des Schweizer Investors BKW FMB Energie, "aber Dörpen ist einer der besten und attraktivsten Standorte für ein Kraftwerk in Deutschland". Die Infrastruktur mit Ems und der Autobahn A31 sei perfekt. Rund eine Milliarde Euro will der Versorger zusammen mit dem deutschen Stromkonzern EnBW in das 900-Megawatt-Kraftwerk investieren. BKW wolle mit dem neuen Kraftwerk auch die Klimabilanz Deutschlands verbessern, schließlich baue das Unternehmen eine hocheffiziente Anlage mit hohem Wirkungsgrad und könne diese später mit einer Kohleabscheidungsanlage nachrüsten. "Außerdem leistet das Kraftwerk einen Beitrag zur Deckung der Stromlücke, die Deutschland droht."

Ob die Energie allerdings tatsächlich so gefragt ist, wie BKW hofft, ist unklar. Die Schweizer hatten bei ihren Planungen vor allem auf Nordland als Großabnehmer für die Abwärme und möglichen Koinvestor gesetzt. Nordland, eine Tochter des finnischen Papierkonzerns UPM, ist eine der größten Feinpapierfabriken Europas und der wichtigste Arbeitgeber der Gemeinde. Die Finnen machten allerdings Anfang des Jahres einen Rückzieher: Eine Kooperation sei für sie nicht rentabel.
 

 

Kohlekraftwerk in Emden wird nicht gebaut

Emden (ddp-nrd). Das umstrittene Kohlekraftwerk in Emden wird nicht gebaut. Wie ein Sprecher des dänischen Energie-Konzerns Dong Energy am Montag sagte, sei beschlossen worden, «kein konkretes Projekt in Emden zu realisieren». Zur Begründung, warum das Projekt fallen gelassen wurde, sagte er lediglich: «Es war eine Kombination von mehreren Sachen, die für uns entscheidend war.» Die Kraftwerksgegner in Emden werteten unterdessen den Rückzug von Dong als «Riesenerfolg».

«Ich kann noch gar nicht fassen, dass unser Protest plötzlich erfolgreich gewesen sein soll», sagte die Sprecherin der Bürgerinitiative «Saubere Luft Ostfriesland», Susanne Gersema. Über ein Jahr hätten die Bürger und der Gemeinderat mit dem Konzern gestritten. Der nun erfolgte Rückzug zeige, dass neue Kohlekraftwerke eine «veraltete, heute nicht mehr wirtschaftlich zu betreibende Technologie zur Stromerzeugung» sind. Der Landschaft in Ostfriesland blieben so nun rund neun Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich erspart.

Dong hatte in Emden geplant, ab 2015 ein Kohlekraftwerk zu errichten. Zuletzt war der Baubeginn für das Projekt nach hinten verschoben worden. Zudem hatte man Zugeständnisse zum Einbau einer sogenannten CCS-Anlage gemacht, die das schädliche Kohlenstoffdioxid beseitigt. Der Unternehmenssprecher machte am Montag klar, dass es sich bei dem Standort Emden immer nur um «eine Optionsmöglichkeit» gehandelt habe.

Zu den Vorhaben von Dong Energy gehört auch der Bau eines Steinkohlekraftwerks mit zwei Blöcken mit jeweils 800 Megawatt Leistung am Industriehafen Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Das rund zwei Milliarden Euro teure Projekt soll 2012 ans Netz gehen und vorrangig Kohle verstromen, die auf dem Seeweg importiert wird. Die Bürgerinitiative forderte, auch diese Pläne fallen zu lassen.

(ddp), 12.10.2009

Bürgerinitiative gegen BoA- Erweiterung
Niederaußem e.V

http://www.bi-bigben.de/

 

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