Ministerpräsident Wulff widerlegt Kostenargument der Netzbetreiber!!

 

Wortmeldung von MP Wulff in der Bundesratssitzung vom 19. September 2008

Berlin. Auszug aus dem Plenarprotokoll 847.Sitzung

Zum Schluss möchte ich mich noch mit dem Kostenargument der Netzbetreiber auseinandersetzen. Dieses Argument müssen wir sehr ernst nehmen, weil Strom in Deutschland zu teuer ist. Aber selbst dann, wenn 30 % der etwa 1 000 km neuen Freileitungen durch Erdkabel ersetzt würden, wären die Strompreise nur mit 0,004 Cent pro Kilowattstunde belastet!! Bei dieser Kostenabschätzung wurden die vierfachen Mehrkosten gegenüber Freileitungen unterstellt. Im Einzelfall – dies zeigt das Beispiel einer niedersächsischen Pilottrasse – geht es konkret geplant mit dem Faktor 2,7 noch deutlich günstiger. Die Kosten werden nach derzeitiger Rechtslage über 40 Jahre abgeschrieben und auf den gesamten Stromverbrauch umgelegt. Also ist dies zu vernachlässigen. Aufgewogen wird es durch die beschleunigte Fertigstellung, durch geringere Stromverluste bei der Erdverkabelung und eine größere Wirtschaftlichkeit in der Unterhaltung der Trasse.

 
 
 
 
Die Mehrkosten der Erdverkabelung ins rechte Licht gerückt
 
Vor geraumer Zeit haben wir die unten aufgeführte Berechung hinsichtlich der Mehrkosten für Erdverlegung durchgeführt, wenn diese auf die Bürger umgelegt werden würde (näheres siehe unten).
Diese Berechnung wurde nun von Frau Dr. Prall aus Hamburg bestätigt. Sie errechnete, dass bei 100 km Erdverlegung für einen 4-Personen-Haushalt Mehrkosten in Höhe von 3 Cent/Monat entstehen würden.
Und das soll wirtschaftlich nicht vertretbar sein?
 
 
Berechnung der Interessengemeinschaft Vorsicht-Hochspannung:
Aus unterschiedlichsten Kreisen ist immer wieder zu hören, dass eine Erdverlegung angeblich mit immensen Mehrkosten verbunden ist. Doch kann man hier wirklich von „immensen“ Mehrkosten sprechen?
Urteilen sie selbst:
In Deutschland sind im Zuge des Netzausbaues insgesamt 850 km zusätzliche Freileitungen geplant. Umgerechnet wären das 0,025 Cent pro kwh.
 
Die „Oswald-Studie“ kommt (obwohl die Angaben recht einseitig gegen Erdverkabelung festgelegt wurden) zu Mehrkosten für das Erdkabel vom 1,6 fachen bis zum 5,4 fachen (nur betriebswirtschaftliche Aspekte wurden berücksichtigt). 
 
Beim 1,6 fachen müßten für 850 km Netzausbau 0,04 Cent pro kwh veranschlagt werden, also nur 0,015 Cent pro kwh zusätzlich.
 
Beim 5,4 fachen kostet der Netzausbau 0,135 Cent pro kwh, also nur 0,11 Cent pro kwh zusätzlich.
 
Bei einem 4-Personen-Haushalt geht man von ca. 3.500 kwh pro Jahr aus. Die Mehrkosten pro Jahr betragen also 0,53 Euro bei der günstigen Variante oder 3,85 Euro bei der ungünstigen Variante.
Die Mehrkosten in Folge der verstärkten Windenergieeinspeisung werden mit 13 Euro pro Jahr angegeben. Betrachtet man diese Relationen, kann man nur zu dem Schluss gelangen, dass neue Stromleitungen als Erdkabel auszuführen sind.
Branchenkenner gehen davon aus, dass die Strompreise aufgrund der Regulierungbehörde um bis zu 2 Cent (also um 70 Euro pro 4-Personen-Haushalt pro Jahr) fallen werden. 70 Euro wurden regelmäßig den Kunden zu viel in Rechnung gestellt und jetzt sprechen die Netzbetreiber/Energieversorger davon, dass ein Erdkabel zu teuer ist????
 
Zu guter Letzt:
Das Abschalten von Stand-by-Geräten spart im Jahr ebenfalls 70 Euro pro Jahr ein. Wie sehen dagegen die Mehrkosten für das Erdkabel in Höhe von 0,53 Euro bis 3,85 Euro pro Jahr aus.
 
Zumutbar würden wir sagen.
 
Vom Energieversorger zu tragen würden wir sagen.
  
!!!Es gibt keine sinnvolle Alternative zum Erdkabel!!!
 
Die Vertreter der IG Vorsicht-Hochspannung
 

  

Kostenvergleich Freileitungen – Erdkabel
 
Wie bereits erwähnt, bietet die neue HGÜ-Technologie einige einzigartige Eigenschaften, die sich besonders positiv auf die Netzsicherheit auswirken. Deshalb sollte, bevor ein strenger Kostenvergleich gezogen wird, zunächst eine Bedarfsanalyse durchgeführt werden.
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Einige der wichtigsten Punkte hierzu sind in Tabelle 2 aufgeführt.
Sind mindestens drei dieser Bedingungen gegeben, stellt ein HVDC Light®-System mit hoher Wahrscheinlichkeit eine attraktive Lösung dar. Lässt sich für eine Freileitung nur schwer eine Genehmigung
bekommen, ist dies allein schon Grund genug für eine HVDC Light®-Lösung.
 
Tabelle 2:
Ø     Übertragung von 50–1000 MW
Ø     Schnelle und präzise Regelung erforderlich
Ø     Entfernung von mehr als 100 km
Ø     Genehmigung von Freileitungen schwierig
Ø     Asynchrone Netze
Ø     Schwaches Drehstromnetz
Ø     Gefahr von dynamischer Instabilität
Ø     Spannungsqualitätsprobleme
Ø     Schwarzstartfähigkeit erforderlich
Ø     Hohe Verfügbarkeit trotz möglicher Gewitter, Stürme/Hurrikane bzw. Vereisung erforderlich
Ø     Niedriger Wartungsbedarf erforderlich
Ø     Geringer Platzbedarf erforderlich
Ø     Gefahr von niederfrequenten harmonischen Resonanzen
Ø     Rasche Spannungs- und Blindleistungsregelung zur Erhöhung der Netzsicherheit erforderlich
 
Im Folgenden werden zwei Beispiele beschrieben, die zurzeit in der Planung
sind.
 
Fall 1: 700 MW über 400 km
 
In diesem Fall werden mindestens fünf der in Tabelle 2 aufgeführten Kriterien
erfüllt:
Ø     Übertragung von 50–1000 MW
Ø     Übertragungsentfernung über 100 km
Ø     Schwierige Genehmigung von Freileitungen
Ø     Gefahr von dynamischer Instabilität
Ø     Rasche Spannungs- und Blindleistungsregelung zur Erhöhung der Netzsicherheit erwünscht
 
Ein Vergleich der direkten Investitionskosten ergibt folgende Kostenspanne:
Die direkten Investitionskosten für die HVDC Light®-Lösung einschließlich Umrichter, Kabel und deren Verlegung liegen im Bereich von 228 bis 348 Millionen Euro. Diese große Spanne ist hauptsächlich auf unterschiedliche Verlegungskosten und örtliche Marktbedingungen zurückzuführen.
Bei einer Drehstrom-Freileitung ist die Kostenspanne noch größer. Wie eine Studie von ICF Consulting aus dem Jahr 2001 zeigt, sind die Kosten von Land zu Land sehr verschieden. Nimmt man diese Daten als Grundlage, so liegen die direkten Investitionskosten für eine Drehstrom-Freileitungslösung einschließlich Installation und Unterstationen im Bereich von 108 bis 365 Millionen Euro.
Betrachtet man die direkten Investitionskosten, so ist der Preis für die Erdkabellösung zwischen 0,6- und 3,2-mal so hoch wie für eine Freileitung – ein deutlicher Unterschied zu dem ursprünglich erwarteten 5- bis 15fachen.
 
Darüber hinaus sollten noch andere Faktoren berücksichtigt werden wie:
Ø     Zusätzliche Investitionen in Einrichtungen zur Spannungs- und Blindleistungsregelung im Falle der Drehstromlösung
Ø     Verluste (beide Lösungen)
Ø     Kosten für die Genehmigung der Freileitung
Ø     Kosten für die Genehmigungs- und Bauzeit (beide Lösungen)
Ø     Höhere Übertragungskapazität im bestehenden Drehstromnetz (HGÜ-
Ø     Lösung)
Ø     Wertverlust von Immobilien
 
Werden diese Faktoren in die Bewertung mit einbezogen, gewinnt die HGÜ-Lösung deutlich an Attraktivität. Im Falle der Freileitung kommen zum Beispiel noch folgende realistische Faktoren hinzu:
Zusätzliche Blindleistungskompensation: 20,7 Millionen Euro
Wertverlust von Immobilien: 20,7 Millionen Euro
Wert der höheren Übertragungskapazität im bestehenden Drehstromnetz: 41,4 Millionen Euro
 
Berücksichtigt man diese Faktoren, erhöht sich die Kostenspanne für die Drehstromlösung auf 191 bis 448 Millionen Euro, und für das Erdkabel bleiben 228 bis 348 Millionen Euro. Die Kosten für beide Lösungen sind also durchaus vergleichbar, sodass es von örtlichen Faktoren abhängt, welche Alternative letztendlich am günstigsten ist.
 
 
Fall 2: 350 MW über 100 km
 
Eine ähnliche Berechnung für diesen Fall ergibt direkte Investitionskosten für
die HGÜ-Lösung zwischen 91 und 124 Millionen Euro, während sich die Kosten
für die Drehstrom-Freileitungslösung zwischen 33 und 75 Million Euro belaufen.
Die Kosten für die HGÜ-Lösung sind also 1,2- bis 3,75-mal höher als für eine Freileitung. Bezieht man die oben genannten zusätzlichen Faktoren mit ein, verringert sich auch hier der Kostenunterschied zwischen beiden Lösungen.
 
Fazit
 
Mit steigenden Umweltanforderungen nehmen nicht nur die Gesamtkosten für Freileitungen, sondern auch die Gefahr von erheblichen Projektverzögerungen zu. Neue HGÜ-Technologie in Form von HVDC Light® hat dazu geführt, dass die
unterirdische Energieübertragung nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich tragbar geworden ist. Dies gilt besonders, wenn mit der Investition in neue Netze gleichzeitig die Versorgungssicherheit sichergestellt werden soll. Die herkömmliche Meinung, Erdkabel seien 5- bis 15-mal so teuer wie Freileitungen, muss revidiert werden. Je nach örtlichen Gegebenheiten können die Kosten für eine unterirdische Hochspannungsleitung durchaus mit denen einer herkömmlichen Freileitung vergleichbar sein.

 Aus: ABB Technik 4/2005

 

 BWE-Studie

„Netzverstärkungs-Trassen zur Übertragung von Windenergie:
Freileitung oder Kabel?“

Erdkabel schlägt Freileitung

Studie der Uni Duisburg belegt Wirtschaftlichkeit des Erdkabels beim Netzausbau
 
Das Stromnetz in Nord-Friesland ist überlastet. 310 Megawatt verkraftet das Eon-Netz zwischen Breklum und Flensburg. Doch schon heute stehen 535 MW Leistung bereit. 2006 sollen es über 600 MW sein. Immer öfter müssen Windparks vom überlasteten Netz genommen werden – Millionenverluste für die Windstrom-Erzeuger. Entschädigungen gibt es vom Netzbetreiber jedoch nicht. Eon plant nun eine Freileitung, um das Netz auszubauen. Das wollen die betroffenen Anwohner und Gemeinden aber nicht und legten ihr Veto ein. Somit wäre der Netzausbau auf die Lange Bank geschoben. Bürgerinitiativen fordern jedoch einen Netzausbau durch Erdkabel. Damit wären auch die Gemeinden zufrieden. Zu teuer, meint Eon und spricht von drei- bis viermal so hohen Kosten. Statt zehn Millionen Euro würde die 30 Kilometer lange
Leitungsstrecke dann 35 oder 40 Millionen Euro kosten, so Eon.
 
Stimmt aber nicht, weist nun Professor Dr. Heinrich Brakelmann nach.
In seiner Studie zieht Prof. Brakelmann von der Universität Duisburg-Essen einen
Kostenvergleich zwischen Freileitungen und Erdkabeln. Zudem untersuchte Brakelmann im Auftrag des BWE die Möglichkeiten, um bestehenden Netze zu optimieren. Brakelmann ist Ingenieur und Experte auf dem Gebiet Energie-Transport und –Speicherung. Brakelmann war in der Vergangenheit als Gutachter für die Eon AG tätig.
 
Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:
1. Die Kostenstruktur von Stromleitungen ist komplex und bedarf einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung. Besonders sind Verlegekosten, Kabelkosten, Betriebskosten, Übertragungsverluste und Nutzungsdauer zu berücksichtigen.
2. Im Hochspannungsnetz (110 kV) liegen die Gesamtkosten für Erdkabel niedriger oder nicht höher als für Freileitungen.1
3. Im 220-kV-Höchstspannungsnetz sind die Kosten für Erdkabel je nach Randbedingungen niedriger oder bis zu 30 Prozent höher.
4. Im 380 kV-Höchstspannungsnetz sind Kabelsysteme derzeit noch immer teurer als Freileitungen.
5. Durch Messung von Wetterdaten (Temperatur, Windstärke, Sonneneinstrahlung) könnten die Netzbetreiber die Übertragungskapazität der bestehenden Freileitungen um 30 Prozent steigern. Mit einem Monitoring der Leitungstemperatur kann die Kapazität sogar um bis zu 100 Prozent gesteigert werden. Die Genehmigung für Erdkabel dauert 1-2 Jahre, für eine Freileitung 5-8 Jahre. In dieser Zeit entstehen den Windenergieanlagenbetreibern ökonomische Verluste, die höher sein können, als die Netzausbaumaßnahmen selbst. Wenn man auf der 30 Kilometer langen Strecke auf die allgemein übliche Ersatzleitung („Redundantes System“) verzichtet, würde Eon mit dem Erdkabel noch günstiger fahren. Der wahrscheinliche Netz-Ausfall würde 6,6 Stunden pro Jahr betragen und sei für die Windpark-Betreiber „verkraftbar“, so der BWE.
 
Zitate Prof. Brakelmann:
„Bei allen erfassten Varianten ist ein 110 kV-Kabelsystem günstiger als ein Freileitungs-Doppelsystem.“
 
„Grundsätzliche, unüberwindliche technische Probleme bei der Verkabelung einzelner Netzverstärkungstrassen konnten in dieser Studie nicht aufgezeigt werden. In der 110 kV-Ebene führt der Wirtschaftlichkeitsvergleich unter Berücksichtigung von Arbeits- und Leistungskosten teilweise zu sehr günstigen Kabellösungen.“
 
1 Das Höchstspannungsnetz (220 u. 380 kV) ist ein Übertragungsnetz. Es verteilt die größtenteils von Großkraftwerken und teilweise von untergeordneten Netzen dezentrale eingespeiste Energie landesweit an Umspannwerke die nahe an den Verbrauchsschwerpunkten liegen. Es ist Teil des internationalen Verbundnetzes.
Das Hochspannungsnetz (110 kV) sorgt für die Grobverteilung von elektrischer Energie. Leitungen führen hier in verschiedene Regionen oder große Industriebetriebe. Das Hochspannungsnetz ist auch für die Aufnahmen und Weiterleitung von Windstrom wichtig.
 
Bundesverband WindEnergie e.V., 3. Februar 2006
 

 

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