Kreis Borken Presse

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Borkener Zeitung, 27.6.2008
 
Bürger fragen: Wie kann Hochleitung verhindert werden?
 
-job- Kreis Borken. Mit dem Thema "380-kV-Leitungen" hat sich der Kreistag am Donnerstagabend gleich in zwei Tagesordnungspunkten befasst: Zum einen stand das Thema im Mittelpunkt einer Bürgeranfrage. In der wollte eine besorgte Raesfelder Bürgerin wissen, welche Möglichkeiten der Kreis sehe, um die von vielen Bürgern und einigen Bürgerinitiativen abgelehnte Hochspannungsfreileitung von Wesel nach Meppen verhindern zu können.

Die Bürger wollen, dass die Kabel statt dessen ins Erdreich wandern. Wie berichtet, berührt oder durchschneidet die als Ersatz für ein 220-kV-Stromkabel geplante Leitung die Gemeinden Heiden, Legden, Gescher, Borken, Schöppingen, Raesfeld, Stadtlohn und Velen.
 

In seiner Antwort auf die Bürgeranfrage machte Landrat Gerd Wiesmann deutlich, dass der Kreis Borken im Planverfahren weder Antragsteller noch Genehmigungsbehörde sei. Man könne daher keinen unmittelbaren Einfluss auf die Pläne der RWE nehmen. In Gesprächen sei eine Erdverkabelung, wie sie im Übrigen auch die im Kreistag vertretenen Fraktionen unterstützten, ausdrücklich nicht ausgeschlossen worden.

Auch die FDP-Fraktion im Kreistag hatte zu diesem Thema eine Anfrage gestellt. Dabei ging es unter anderem darum, ob die RWE die Notwendigkeit einer Aufstockung der Leitung von 220 auf 380 Kilovolt überhaupt begründen müssen etwa, um auf fremden Grundstücken Baumaßnahmen zu tätigen. Wiesmann gemäß gebe es bei dem "Ob" nach den neuesten Gesetzesplänen zwar wenig Möglichkeiten, gegen solche Pläne Widerspruch einzulegen. Bei dem "Wie" des Umbaus aber bestehe Hoffnung, das ein Teil der durch den Kreis Borken führenden Trasse ins Erdreich wandere.

Laut einem aktuellen Gesetzentwurf des Bundeskabinetts gehöre die westmünsterländische Trasse zu vier Leitungen, bei denen im Rahmen eines Gesetzentwurfes eine Erdverkabelung gefördert werden könnte unter Voraussetzungen. So könnte die 380-kV-Leitung unterirdisch verlaufen, wenn bestimmte Abstände zur Wohnbebauung nicht eingehalten werden könnten. Jedoch sei die Erdverkabelung nur auf mindestens drei Kilometer langen Teilabschnitten zulässig, auf denen sie "wirtschaftlich und technisch effizient" sei. Eine komplett unterirdische Trassenführung auf dem Kreisgebiet sei, so Wiesmann, "nicht vorgesehen." Laut Landrat hat die RWE Transportnetz Strom GmbH zugesichert, dass sie bei weiteren Schritten mit allen betroffenen Gemeinden in Kontakt bleiben und sie "frühzeitig in die Planung" einbeziehen wolle.

BBVnet, 1.7.2008

Eine Folge der Windkraft

VON HANS GEORG KNAPP

Die geplante Höchstspannungsleitung, die durch den Kreis Borken führen soll, beunruhigt Bürger und Kreistag gleichermaßen. Ein neuer Gesetzesentwurf zeigt allerdings schon jetzt an: Der Ausbau kommt – es fragt sich nur, wie.

KREIS BORKEN Die geplanten Freileitungsmasten für 380000 Volt, die zwischen Wesel und Meppen im Emsland errichtet werden sollen, wecken auch im Kreistag Borken Emotionen. Die FPD-Fraktion hatte dazu eine Anfrage an die Verwaltung gerichtet, und sogleich meldete sich Hermann Horstick (CDU) zu Wort: „Gibt es einen Grund, warum Sie die Stadt Gescher vergessen haben?“, fragte er FDP-Sprecher Bernd Schöning. Dessen Fraktion hatte als betroffene Gemeinden „nur“ Raesfeld, Borken, Heiden, Velen, Stadtlohn, Legden und Schöppingen genannt. „Gescher ist doch nicht so stark betroffen, oder?“, fragte Schöning rhetorisch. „Massiv!“, tönte es ihm entgegen.

Zur Kreistagssitzung war auch Gaby Bischop gekommen, Sprecherin der Raesfelder „Initiative 380kV“. Sie tritt dafür ein, die geplante Höchstspannungsleitung als Erdkabel zu verlegen. An den Landrat richtete Bischop zwei Einwohnerfragen: Welche Möglichkeiten hätten der Kreis und seine Kommunen, bei der ausführenden RWE-Tochter die Erdverkabelung durchzusetzen? Und was hätten die Kreistagsfraktionen in dieser Hinsicht unternommen?

Kein „unmittelbarer Einfluss“

Der Kreis sei weder Antragsteller noch Genehmigungsbehörde, stellte Landrat Gerd Wiesmann klar. „Unmittelbaren Einfluss auf den Anteil der Erdverkabelung an der neuen Leitung“ könne er daher nicht nehmen. Wiesmann erinnerte allerdings an das Abstimmungsgespräch zwischen Kreis, Kommunen und RWE im Kreishaus. Dabei hätten alle Beteiligten vereinbart, die Planungen früh zu „konkretisieren“; Erdverkabelung sei dabei „nicht ausgeschlossen“ worden. Die Kreisverwaltung habe die politischen Gremien über den Sachstand informiert, fügte Wiesmann hinzu; Kreistag und Kreisausschuss blieben auf dem Laufenden.

Die Diskussion zur FDP-Anfrage fiel mager aus, da die Verwaltung bereits schriftlich Stellung bezogen hatte. Den Liberalen ging es unter anderem um die Frage, ob es für die geplante 380-Kilovolt-Leitung einen „gerechtfertigten Bedarf“ gebe. Die „RWE Transportnetz Strom GmbH“ beziehe sich auf eine „Netzstudie“ aus dem Jahr 2005, berichtete dazu die Verwaltung. Das Ergebnis: Um die wachsende Strommenge aus erneuerbaren Energien aufnehmen zu können – vor allem von Windkraftanlagen vor der Küste – sei der Ausbau vorhandener Leitungen erforderlich. Das „zweite Paket des Integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP), das das Bundeskabinett vor zwei Wochen beschlossen habe, solle diese „energiewirtschaftliche Notwendigkeit“ verbindlich feststellen. In diesem Fall könne es nur noch um das „Wie“ gehen und nicht mehr um das „Ob“. Der Gesetzesentwurf stufe den Ausbau der Borkener Trasse nämlich als „vordringlich“ ein. Erdverkabelung als Pilotprojekt sei aber nur dort zulässig, wo sie als „technisch und wirtschaftlich effizient“ gelte.

Schöning kritisierte den Gesetzesentwurf: „Wenn das, was Sie hier andeuten, so kommt, kriegen wir ein Problem.“ Denn die Wirtschaftlichkeit werde vom Energielieferanten definiert, und Erdverkabelung sei in der Regel teurer als Freileitung. Wer die Verkabelung wolle, müsse sie also selber bezahlen, prophezeite Schöning. Der Gesetzesentwurf sei noch „unklar“, gab Wiesmann zu bedenken, „man muss abwarten, was dabei herauskommt“.

Münsterländische Volkszeitung, Westfälische Nachrichten,Borkener Zeitung, 30.9.2008

Hochspannungsgeladenes Podiumsgespräch
 
-and- Raesfeld/Kreis Borken. Im Kreis formiert sich erneut der Widerstand gegen eine Stromüberlandleitung. Wie mehrfach berichtet, will das Stromversorgungsunternehmen RWE eine 380-Kilovoltleitung legen. Sie würde mehrere Gemeinden im Kreis Borken betreffen. Drei Bürgerbewegungen erheben dagegen Protest. Sie möchten das Kabel im Erdreich verschwinden sehen. Unter dem Motto "Menschen- und umweltverträglicher Stromtransport im Kreis Borken" laden die Raesfelder Initiative 380 kV, die Interessengemeinschaft hochspannungsfreies Wohnumfeld Borken sowie die Bürgerinitiative Pro Erdkabel Legden am Donnerstag (2. Oktober) nach Raesfeld zu einer Podiumsdiskussion ins Haus Epping, Weseler Straße 5, ein. Beginn ist um 19.30 Uhr, berichteten die Initiativen gestern. Wenn es nach den Plänen des Stromkonzerns RWE gehe, werde die 220.000-Volt-Stromtrasse von Wesel nach Diele (Niedersachsen) als Hochspannungsfreileitung mit 380.000 Volt und 60 Meter hohen Masten errichtet.


Die 190 Kilometer lange Trasse durchschneide nach RWE-Planungen die Landschaft, führe an Höfen, Häusern, Wohn- und Gewerbegebieten vorbei oder überquere sie. Die Gemeinden Raesfeld, Borken, Velen-Ramsdorf, Gescher, Legden und Schöppingen sind im Kreis Borken davon betroffen. Die Bürgerinitiativen argumentieren: "Freileitungen sind hässlich, gefährlich, machen krank und verschwenden Energie." Hochspannungsgeladene Fragen sollen zu dem brisanten Thema beantwortet werden.

Folgende Experten sitzen unter der Leitung von Moderator Edgar Rabe auf dem Podium: Professor Lebrecht von Klitzing, Umwelt- und Medizinphysiker, Elektro-smogexperte und Mobilfunkkritiker, Stockelsdorf; Alfons Schnelting, Leiter des Fachbereichs 61 (Stadtentwicklung, Umwelt und Bauen) bei der Stadt Borken; Oliver Krischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter Energiepolitik Bündnis 90/ Die Grünen im Landtag NRW; Klaus Warthuysen, Rechtsanwalt, Hamminkeln.
 

  Münsterlandzeitung, 2.10.2008

Aus den Augen, aus den Sinnen

REGIONALES (sy) Der Widerstand gegen eine Höchstspannungsleitung mit 380 Kilovolt (kV) quer durch das Legdener Wohngebiet Waldkrone wächst – genauso wie die Hoffnung der besorgten Anwohner, die umstrittene Leitung doch noch unter die Erde zu bekommen. „Jetzt gilt es, noch einmal möglichst viele Unterschriften zu sammeln“, drängt Andreas Völker, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Erdkabel Legden“. Er ist Anwohner der bisherigen 220-kV-Leitung, die der Stromkonzern RWE bis 2015 aufrüsten will; dahinter steht die verstärkte Stromproduktion vor der Küste, die ins Netz eingespeist werden muss (das BBV berichtete). Der gesammelte Protest dagegen soll Bundes- und Landespolitikern als Entscheidungshilfe dienen.

Im Entwurf sieht das „Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze“ Erdverkabelung in vier Pilotgebieten ausdrücklich vor; und die Trasse Wesel–Meppen, die quer durch das Wohngebiet Waldkrone führt, gehört dazu. Doch von einer durchgängigen Verkabelung ist keine Rede. Ob im Kreis Borken überhaupt ein Trassenabschnitt für Erdverkabelung in Frage kommt, steht in den Sternen. „Ab in die Erde!“, fordern Völker und seine Mitstreiter für den gesamten Abschnitt – nicht nur zugunsten der eigenen Gesundheit, sondern der gesamten Umwelt: „Am besten, die RWE verlegt die ganze Trasse und führt sie entlang der A31.“

Protestnoten an die RWE Transportnetz GmbH in Dortmund kommen nicht nur aus Legden. Im Kreis gibt es mittlerweile drei Bürgerinitiativen, die sich untereinander austauschen. Zur Legdener Gemeinschaft kommen die „Raesfelder Initiative 380 KV“ und die „Interessengemeinschaft hochspannungsfreies Wohnumfeld Borken“. Auch Hochspannungsgegner aus Gescher und Ramsdorf sammeln derzeit Unterschriften. Dass sie den Ausbau nicht stoppen können, ist allen klar – spätestens seit dem Gesetzesentwurf zum Netzausbau. Ihnen geht es nach eigenem Bekunden nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“: Eine Freileitung mit 60 Meter hohen Masten, wie von der RWE geplant, sei nicht nur eine veraltete Technik, sondern auch gefährlich.

Das Erdkabel als teurere Alternative zur Freileitung habe viele Vorteile, betonen die Bürgerinitiativen in einer gemeinsamen Erklärung: geringeren Flächenverbrauch, weniger Energieverbrauch und Wohnsiedlungen, denen Riesenmasten erspart blieben und für die der Elektrosmog sogar vermindert werde. Die Umweltschützer deuten auch auf einen wirtschaftlichen Aspekt: Der Austausch der Leitungen durch Kabel könne sich zu einem Exportschlager entwickeln. Das Bundeskabinett hat Mitte Juni den erforderlichen Gesetzesentwurf beschlossen; der Bundesrat hat ihn vor eineinhalb Wochen mehrheitlich unterstützt.

Die drei Bürgerinitiativen laden für den morgigen Donnerstag zu einer Podiumsdiskussion nach Raesfeld. Die dreht sich ab 19.30 Uhr im Saal des „Hauses Epping“ um das Thema „Menschen- und umweltverträglicher Stromtransport“. Dabei sind Experten für Umwelt, Verwaltung und Recht.

 Borkener Zeitung, 4.12.2008

Konzertiertes Handeln verabredet
Raesfeld/Kreis Borken. Die „380kV-Initiativen“ aus den Kreisen Borken und Steinfurt haben sich jetzt zu einem Arbeitstreffen in Borken getroffen, um Informationen auszutauschen und weitere Aktionen abzustimmen. Wie die Sprecherin der „Raesfelder Initiative 380 kV“, Gaby Bischop erläuterte, nahmen an der Sitzung Vertreter aus Raesfeld, Borken, Legden, Schöppingen und Metelen teil. Die Zahl der Leitungskritiker wachse. So habe sich vor kurzem in Gescher die „Gescher-Initiative 380kV“ gegründet und einen Resolutionsentwurf pro Erdverkabelung für die geplante 380.000-Volt-Überlandleitung auf der Trasse Wesel-Diele übergeben.


„Der Rat der Stadt Gescher hat die Resolution einstimmig verabschiedet“, so Bischop, die sich ein solches Ergebnis auch für Raesfeld wünscht. Über die Resolution (die BZ berichtete) wird der Planungsausschuss am kommenden Montag, 8. Dezember, beraten und der Rat der Gemeinde am 22. Dezember entscheiden.
Bis dahin sind die Initiativen aber nicht untätig. Bereits in der kommenden Woche steht ein Gespräch mit Staatssekretär Dr. Jens Baganz vom NRW-Wirtschaftsministerium im Terminkalender. In Düsseldorf wollen sich die Vertreter der Initiativen noch einmal für die Erdverkabelung stark machen. Enger Kontakt bestehe auch zum Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), betont Bischop im BZ-Gespräch: „Auch dort will man sich für Erdverkabelung einsetzen.“

Bei dem Arbeitstreffen in Borken haben sich die Teilnehmer auch mit dem Änderungsantrag des Landes Niedersachsen zum geplanten Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) des Bundes beschäftigt. Darin macht sich Niedersachsen dafür stark, dass im Gesetzestext, die „Kann-Regelung“ hinsichtlich der Erdverkabelung in den Pilotprojekten in „eine zwingende Formulierung“ geändert werde. „Erdkabeln gesetzlich eine höhere Priorität einzuräumen als Freileitungen entspricht schließlich auch den Grundsätzen der Raumordnung, eine ausgewogene Siedlungs- und Freiraumstruktur zu entwickeln und die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes sicherzustellen“, heißt es unter anderem. Auch bei Durchquerung von Landschaftsschutzgebieten solle eine Erdverkabelung zwingend angewendet werden, so eine weitere Forderung. Niedersachsen tritt auch für schärfere Abstandsregelungen zum Schutz von Mensch und Tier ein“, betont Gaby Bischop. Ebenso sprächen sich die Niedersachsen gegen die geplante Verringerung der Rechtsmittel im Genehmigungsverfahren für neue Stromleitungstrassen aus.

Die hiesigen Initiativen werden ihre Unterschriften-Sammlung bis Ende Januar verlängern.

Pressemitteilung der Initiativen, 14.12.2008

Stromtrassengegner aus dem Münsterland im Wirtschaftsministerium
 
Vertreter der 380 kV-Bürgerinitiativen aus den Kreisen Borken und Steinfurt führten am Freitag, dem 12. Dezember im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium mit Staatssekretär Dr. Jens Baganz ein Gespräch über die Erdverkabelung der Stromtrasse Wesel - Diele. Neben zwei Mitarbeitern des Staatssekretärs war auch der Landtagsabgeordnete Bernhard Schemmer anwesend.
 
Die Vertreter der Initiativen Sven Schwardmann (Borken), Clemens Ewering (Legden), Willi Fedeler (Metelen) und Gaby Bischop (Raesfeld) berichteten von dem zunehmenden Widerstand im Münsterland gegen die Planungen der RWE, 380.000 Volt als Freileitung in der bestehenden 220 kV-Trasse zu verlegen. Mittlerweile gebe es in acht Kommunen Initiativen und Menschen, die sich für die Erdverkabelung einsetzen. 4000 Unterschriften seien bereits gesammelt worden, Gemeinderäte hätten Resolutionen für eine Erdverkabelung der Trasse verabschiedet.
 
Die Freileitungsgegner verdeutlichten die Vorzüge der Erdverkabelung und plädierten für eine Trassenverschiebung an die Autobahn A 31. Dr. Baganz sicherte den Initiativen zu, mögliche Trassenverschiebungen mit der RWE zu erörtern.
Die Interessenvertreter forderten die Landesregierung zudem auf, Einfluss auf das Energieleitungsausbaugesetz zu nehmen, das zur Zeit im Bundestag beraten wird. Es könne nicht angehen, dass selbst in der nahen Wohnbebauung im Gesetzesentwurf keine verbindliche Erdverkabelung festgelegt sei.
 
Zwar sah Staatssekretär Baganz im Zusammenhang mit der Erdverkabelung noch Klärungsbedarf. Die Initiativen jedoch sprachen sich dafür aus, auch die Möglichkeit der Erdverkabelung der Gesamttrasse nach dem Prinzip der Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) zu prüfen, da diese Form des Energietransportes die geringsten Energieverluste bedeute. Derzeit werde im Rahmen des Borkum II-Windenergie-Projektes eine HGÜ-Leitung als See- und Landkabel verlegt, 75 km davon als Landkabel zur Anschlussstelle Diele. Warum, so fragten die Vertreter der Initiativen, solle nicht eine Weiterverlegung von Diele nach Wesel möglich sein?
 
Am Ende des ausführlichen und intensiven Meinungsaustausches überreichten sie dem Staatssekretär noch einen Brief für Ministerpräsident Dr. Rüttgers, in dem sie ihre Positionen zusammengefasst hatten.

 Borkener Zeitung u.a., 25.3.2009

Bürgermeister unter Strom setzen
 

 
Wollen die Bürgermeister der Gemeinden unter Druck setzen: Vertreter der Bürgerinitiativen in Borken.
Wollen die Bürgermeister der Gemeinden unter Druck setzen: Vertreter der Bürgerinitiativen in Borken.
(Foto: Andresen)

 

 
-and- Borken/Kreis Borken. Jetzt sind die Bürgermeister gefordert. Im Wahljahr sollen sie politischen Druck ausüben, damit Strom per Kabel im Erdboden versinkt statt über Hochleitungsmasten transportiert zu werden. Dies ist eine Forderung von sieben Bürgerinitiativen (BI) aus dem westlichen Münsterland nach einem Arbeitsgespräch in Borken.

Wie berichtet, wollen die Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) die bestehende Freiluftleitung von Wesel nach Diele (Niedersachsen) von 220.000 auf 380.000 Volt (380 kV) mit neuen, riesigen Masten ausbauen.
 

Dagegen wenden sich die Bürgerbewegungen entlang der Trasse, die sich innerhalb eines Jahres formiert und nach eigenen Angaben bereits mehr als 7000 Unterschriften gesammelt haben. 10.000 sollen erreicht und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) überreicht werden.

Bürger wenden sich gegen die Hochspannungsfreileitung, weil sie unter anderem die Zunahme von Elektrosmog und damit gesundheitliche Gefahren oder Beeinträchtigungen des Wohnumfeldes befürchten, wie der Rat der Gemeinde Raesfeld in einer Resolution bereits festgehalten hat.

Insgesamt fünf Gemeinden aus dem Kreis Borken haben Resolutionen verabschiedet, informierten Gaby Bischop (Raesfeld), Sven Schwardmann (Borken) und Andreas Völker (Legden) als Vertreter der Bürgerinitiativen. Weitere sind in Gescher, Schöppingen, Metelen und Steinfurt aktiv. Die Leitung, um die es geht, führt von Wesel nach Diele (Landkreis Leer) in der Nähe von Rhede an der Ems in Niedersachsen. Und weil genau dazu parallel die Autobahn 31 verläuft, fordern die Bürgervertreter die Verlegung eines Erdkabels entlang dieser Trasse. Gaby Bischop: „Das ist machbar, kostet nicht mehr als eine Aufstockung der Freileitungen und wäre die beste Lösung.“ In Niedersachsen seien Erdverkabelungen bereits Pflicht, und Diele erhalte Strom unterirdisch aus dem 70 Kilometer entfernten Emden. Bischop: „Es geht doch. Warum nicht bei uns?“ Hoffnungen werden auf ein geplantes Energieleitungsausbaugesetz gelegt, das die Erdverkabelung zur Pflicht machen soll. Und das Kürzel HGÜ lässt neuerdings aufhorchen: Geplant sind offenbar zwei Pilotprojekte nach einem erdverkabelten Verfahren namens Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ). Wesel-Diele könnte Nutznießer werden.

Mit dem Betreiber RWE sei zurzeit kein Gespräch zu führen, so die Initiativensprecher. In einem informellen Treffen mit dem Kreis Borken hatten RWE-Vertreter im Herbst 2008 Gesprächsbereitschaft signalisiert. Seitdem ist offenbar Sendepause. Gaby Bischop: „Die sollten mal in die Pötte kommen.“

Resolutionen aus Gemeinden schließt sich die SPD im Kreis Borken an. Sie fordert, dass der Kreistag in seiner Sitzung am 2. April die Erdverkabelung beschließen möge - das Thema bleibt unter Strom.

Borkener Zeitung, 28.3.2008
 

 Erdverkabelung für 380 000 Volt: CDU verhindert Resolution
-and- Kreis Borken. Die CDU-Mehrheit des Kreisausschusses (9:7 Stimmen) konnte sich im Kreisausschuss nicht einem SPD-Antrag anschließen: Die hatte eine Resolution zur Erdverkabelung einer geplanten 380.000-Volt-Stromtrasse der RWE von Wesel nach Diele (Niedersachen) gefordert. Sieben Bürgerinitiativen von Raesfeld bis Steinfurt erheben die gleiche Forderung, wie sie in Borken formulierten. Der Kreisausschuss sieht weiteren Beratungsbedarf und verwies das Anliegen an den Umweltausschuss.

 BBVNET, 31.3.2009

Ein elektrisierender „Glaubensstreit“

 KREIS BORKEN (hgk) Sie habe sich dem Thema „unbedarft“ genähert, sagte SPD-Sprecherin Ursula Schulte zum Thema Höchstspannungsleitung im Kreisausschuss. Wenn man sich aber intensiv damit beschäftige, „kann man schon nachdenklich werden“. Zwischen Wesel und dem niedersächsischen Diele (Landkreis Leer) soll die bestehende Leitungstrasse von 220 auf 380 Kilovolt aufgerüstet werden. Anwohner fürchten sich vor Elektrosmog, falls es bei den geplanten Freileitungsmasten bleibt; Bürgerinitiativen fordern deshalb, dass die Stromleitung unter der Erde verlegt wird (das BBV berichtete). „Bei dem Geld, dass die Stromversorger machen, können sie auch mehr für die Erdverkabelung ausgeben“, betonte Schulte.

Ihre Fraktion hatte beantragt, dass der Kreistag hierzu eine Resolution verabschieden solle. Es gehe darum, „die Menschen“ zu unterstützen – und die Bürgerinitiativen, die in den Kreiskommunen entlang der Trasse bereits 7000 Unterschriften gesammelt hätten. Zum „Parteienstreit“ eigne sich dieses Thema nicht, betonte Schulte.

Ihre Partei habe die Bürgerinitiativen schon immer unterstützt, unterstrich Gertrud Welper, Sprecherin der Grünen. Ihre Fraktion schließe sich daher an – zumal es nicht sein dürfe, dass es in Niedersachsen aus gesetzlichen Gründen zur Erdverkabelung komme und in Nordrhein-Westfalen nicht. Heinrich Weddeling (UWG) schloss sich Schulte und Welper an. „Es gibt gegensätzliche Gutachten über Elektrosmog“, gab Bernd Schöning (FDP) zu bedenken. „Das ist ein Glaubensstreit, der noch nicht entschieden ist – daher die unterschiedlichen Regelungen.“ Aus Sicht des Kreistages sei es jedenfalls „relativ ungefährlich“, den Antrag der Sozialdemokraten zu unterstützen. Die Trasse Wesel–Diele sei ja zur Erdverkabelung vorgesehen; dazu gebe es vier Pilotprojekte.

„Das ist mir zu oberflächlich“, widersprach Heinz-Josef Tönnes (CDU). Bisher hätten die Experten keine Erfahrung mit der Verkabelung von 380000-Volt-Leitungen – „es gibt auch Untersuchungen des BUND, die das ablehnen“. Er, Tönnes, habe dazu keine Meinung. Die Standpunkte der Fachleute seien „sehr konträr“; in Europa gebe es unterschiedliche Bestimmungen, etwa für die Sicherheitsabstände; die gesetzliche Grundlage sei bundesweit noch nicht verabschiedet. Aus Sicht seiner Fraktion seien noch viele Fragen offen; deshalb gehöre das Thema zur Beratung in den Kreisumweltausschuss.

„Ich kann das stundenlang diskutieren“, hielt ihm Schulte entgegen. „Da weiß ich hinterher auch nicht, was richtig ist.“ Auch Schöning hielt nach eigenem Bekunden wenig davon, „das Ding in den Fachausschuss zu legen“. Doch die CDU-Mehrheit setzte sich durch – und verhinderte die Resolution.

 Borkener Zeitung, 4.4.2009
 

 Fadenscheinige Begründung

Leserbrief zum BZ-Bericht "Erdverkabelung für 380.000 Volt: CDU verhindert Resolution

Die CDU-Mehrheit des Kreisausschusses hat sich gegen eine Resolution zur Erdverkabelung der geplanten 380.000-Volt-Stromtrasse der RWE von Wesel nach Diele (Niedersachen) ausgesprochen und das Anliegen an den Umweltausschuss verwiesen, weil sie weiteren Beratungsbedarf sieht. 
Das ist nicht nur bedauerlich, sondern verantwortungslos. Besonders ärgerlich ist die fadenscheinige Begründung, nicht genügend Bescheid zu wissen.
Seit über einem Jahr schlägt das Thema Wellen in unserer Region. Der Kreistag hatte sich bereits im letzten Jahr mit der Thematik beschäftigt. Die Gemeinden Raesfeld, Borken, Gescher, Legden, Schöppingen und Metelen haben sich ausführlich informiert und bereits in ihren Räten mit ihren CDU-Mehrheiten einstimmige Resolutionen für die Erdverkabelung verabschiedet. Tausende von Menschen unterstützen mit ihren Unterschriften die Bürgerinitiativen, die sich entlang der Trasse mit vielfältigen Aktionen für die Erdverkabelung einsetzen. Ihnen allen wird jegliches Verständnis für die Kreis-CDU fehlen
 
Es scheint, dass die bisherigen Stellungnahmen der CDU, die betroffenen Menschen und die Initiativen zu unterstützen, gelogen waren. Oder wurde die Resolution nur deshalb nicht unterstützt, weil sie von der SPD eingebracht worden war? Vermutlich geht es der CDU nur darum, dass sie, die nach eigenem Bekunden sich bereits auf Landesebene für die Erdverkabelung eingesetzt hat, prinzipiell keine fraktionsübergreifende Resolution mittragen will, sondern nur nach Partei- und Wahlkampfkalkül verfährt: Man darf sich das Zepter des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen. Welche weiteren Absichten hinter dieser Verzögerungs- oder Verhinderungstaktik stehen, wird sie selber wissen.
Und: Darf Landrat Wiesmann überhaupt mitstimmen, der in den verschiedensten Gremien der RWE Energy AG sitzt? Ist der Landrat in der Sache nicht befangen?
 
Ich glaube, ihnen allen ist – leider immer noch – nicht bewusst, was Freileitungen für die betroffenen Menschen bedeuten und dass es bei diesem Thema um den menschen- und umweltgerechten Stromtransport der nächsten 100 Jahre geht. Die Chance, sich für die Bürger und Bürgerinnen im Kreis Borken einzusetzen, hat die CDU im Kreisausschuss nicht wahrgenommen. Das ist beschämend!
 
Paul Wissing, 46348 Raesfeld

 Borkener Zeitung, 20.4.2009
 

Diskussion zu „Erdverkabelung“
 
-job- Kreis Borken. Zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Erdverkabelung“ laden die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn und Johannes Röring am kommenden Dienstag (28. April) nach Gescher ein. Beginn ist um 20 Uhr im Saal Tenbrock. Informationsveranstaltung

Unter dem Titel „Erdverkabelung als Alternative zur Höchstspannungsleitung Diele-Wesel“ laden die Abgeordneten dazu ein, sich über das Thema zu informieren und darüber zu diskutieren. Im Hotel Tenbrock werden unter der Moderation von Raimund Stroick (Radio WMW) Vertreter der Bundesnetzagentur, des Energieversorgers RWE, der Bürgerinitiative „Pro Erdkabel NRW“ und der Bürgermeister der vom Ausbau betroffenen Kommune Legden, Friedhelm Kleweken. über Grundlagen, Perspektiven und Möglichkeiten des Energieleitungsausbaus im Münsterland informieren. Thema sei auch, was aus ökonomischer und ökologischer Sicht realistisch und machbar erscheine und für die Region das beste Modell darstellen könne, so die beiden Bundestagsabgeordneten.
 

Anmelden kann man sich zu der Veranstaltung bis zum 24. April per E-Mail unter post@cdu-kreis-borken.de oder per Fax unter 02861/9808070.

 

Borkener Zeitung, 29.4.2009
 

Alles nur eine Frage des Geldes
 

 
Hochspannend war die Diskussion am Dienstag zum Thema „Erdkabel oder Freileitung“, zu der die Kreis-CDU eingeladen hatte. Dort tauschten Gegner und Befürworter einer unterirdischen Kabelverlegung ihre Argumente aus.
Hochspannend war die Diskussion am Dienstag zum Thema „Erdkabel oder Freileitung“, zu der die Kreis-CDU eingeladen hatte. Dort tauschten Gegner und Befürworter einer unterirdischen Kabelverlegung ihre Argumente aus.
(Foto: Barnekamp)

 

 
-job- Gescher/Kreis Borken. Luft oder Boden? Viele Euro ausgeben oder Geld sparen? Erdkabel oder Freileitung? Wie Antworten auf diese Fragen aussehen könnten, das wollten rund 150 Zuhörer am Dienstagabend im Hotel Tenbrock wissen.

Sie waren der Einladung des CDU-Kreisverbandes gefolgt und wollten wissen, was Experten zu dem Thema zu sagen haben, das seit gut einem Jahr viele Menschen bewegt - vor allem, wenn sie direkt an jener geplanten Trasse vom niedersächsischen Diele bis nach Wesel leben. Auf dieser Linie wollen die Stromkonzerne eine bisherige 220-kV-Leitung auf 380 Kilovolt „aufrüsten“. Die Trasse führt auch durch Raesfeld, Borken, Heiden, Velen, Gescher, Stadtlohn, Legden und Schöppingen.

In einem Eingangsvortrag machte Achim Zerres von der Bundesnetzagentur zunächst deutlich, dass die geplanten Stromleitungen die alten entlasten sollen. Der Bedarf sei unstrittig, die Trassenführung nicht. Aber letztere müssten die Planbehörden festlegen. Zerres machte deutlich, dass das in Kürze zu verabschiedende Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG), auf vier Pilottrassen (darunter Diele-Wesel) vorsehe, dass Erdkabel nur auf „technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten“ verlegt werden könnten. Zerres machte deutlich, dass aus seiner Sicht aber Freileitungen die erste Wahl seien.

„Sieht nicht schön aus, so eine Freileitung, aber wollen wir uns die Mehrkosten leisten?“ fragte er mit Blick auf die vierfach höheren Bau-Kosten eines Erdkabels. Letzteres habe zudem eine kürzere Lebensdauer (40 statt 80 Jahren bei Freileitung), und verursache höhere Ausfallzeiten. Zudem fehle die Erfahrung mit dem Erdkabel, das aber geringere Betriebskosten verursache. Gleichzeitig machte Zerres deutlich, dass es in Freileitungen höhere Stromverluste gebe und Erdkabelstrecken nicht die „Todesstreifen“ seien, als die sie von Gegnern wegen der Erwärmung der Kabel bezeichnet würden. Grundsätzlich gelte, so Zerres, dass sich eine Kabelverlegung ins Erdreich um so eher rechne, je höher die Strompreise steigen. Derzeit sei die Freileitung aber erste Wahl.

Auf einen Hinweis von Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken hin, warum man den Strom nicht als Gleichstrom auf die Reise durch die Höchstspannungsleitung schicke, sagte Zerres, diese Technik sei derzeit für den Zweck nicht geeignet. Einwänden des Geschäftsführers des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Jörg Sümpelmann, der Einschränkungen der Landwirtschaft über Kabelstrecken fürchtete, hielt Dr. Christoph Gehlen von der RWE Transportnetz Strom entgegen: „Normale Landwirtschaft ist auch auf der Kabeltrasse möglich“. Sümpelmann bemängelte zudem, dass Erdkabeltrassen mehr Flächen verbrauchten als Freileitungen. Auch stünden lange Genehmigungszeiten zu befürchten.

Für die Erdkabelbefürworter verwies Paul Wissing (Bürgerinitiative Pro Erdkabel NRW) darauf, dass Freileitungen Elektrosmog verursache, Kopfschmerzen auslöse und viele andere gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringe. Er monierte, dass die Grenzwerte für Elektrosmog in Deutschland im Vergleich zu andern Länder viel zu hoch seien. „Es wird auf jeden Fall besser“, kommentierte Wissing die Alternative Erdkabel. Eine mögliche Trasse, so Wissing weiter, sollte doch im Übrigen nicht entlang der jetzigen 220-kv-Leitung führen, sondern entlang der A 31, wo es weniger bebaute Fläche gebe.

Das wiederum hielt Gehlen für eine zwar denkbare, aber kaum realisierbare Möglichkeit. „Vieles spricht für die alte Trasse, sagte der RWE-Mann. Zum einen würde ein Verlauf auf der bisherigen Leitungslinie weniger Eingriffe für die Natur mit sich bringen, zum anderen müsse man bei einer komplett neuen Leitungsführung das Verfahren, etwa für neue Dienstbarkeiten, komplett neu aufrollen. Was die bisherigen Resolutionen verschiedener Kommunen pro Erdkabel gebracht haben? Da machte Kleweken deutlich, dass sich immerhin viele Politiker mit dem Thema beschäftigt hätten, wie seine Heimatkommune Legden festgestellt habe. Auf Kreisebene war die Diskussion über eine solche Resolution unlängst mit CDU-Mehrheit in den Fachausschuss vertagt worden.

Nach gut zweieinhalb Stunden zog der CDU-Landratskandidat Dr. Kai Zwicker das Fazit, dass man eine informative Veranstaltung miterlebt habe und das „deutlich was in Bewegung geraten ist.“ „Es ist ein Thema, das nicht pauschal mit Ja oder Nein zu lösen ist“, bilanzierte Zwicker.

  Borkener Zeitung, 5.5.2009
 

Erdkabel: Noch Unterschriften gesucht

Kreis Borken. Die Initiati­ven „Pro Erdkabel“ wollen am kommenden Samstag (9. Mai) in Borken, Gescher und Velen/Ramsdorf noch Unterschriften für ihr An­liegen werben, die geplante Hochspannungsleitung Die­le-Wesel statt in die Lüft unter die Erde zu legen. Wie Initiativen-Sprecherin Gaby Bischop mitteilte, sei es Ziel von „Pro Erdkabel“, 10.000 Unterschriften für ihr Anliegen zu bekommen. Die Liste mit den Unterschriften will man dem Stromkonzern RWE, der Be­zirksregierung Münster und NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben überrei­chen. Laut Bischop hat man derzeit 7000 Unterschriften zusammen. Am Wochenen­de werden zudem auch im Kreis Steinfurt Unterschrif­ten gesammelt.

   Borkener Zeitung, 12.5.2009
 

„Keine Stahlkolosse“
 
Kreis Borken. Mit ge­mischten Gefühlen ha­ben die „Bürgerinitiati­ven Pro Erdkabel NRW“ auf das jetzt vom Bun­destag verabschiedete „Gesetz zum beschleu­nigten Ausbau von Stromleitungen im Höchstspannungsbereich“ reagiert. Es sieht  - wie berichtet  -unter an­derem vor, dass auf vier Pilottrassen, unter ande­rem der von Diele nach Wesel, unter bestimmten Bedingungen Erdkabel verlegt werden können. Wie die Initiativen in ei­ner Mitteilung schrei­ben, sei der grundsätzli­che Einstieg in die Erd­verkabelung begrüßens­wert. Auch würden die Voraussetzungen für den Einsatz der Gleichstromtechnik „HGU“ geschaf­fen. Allerdings, so die Kritik der Erdkabel-Be­fürworter, bleibe das verabschiedete Gesetz hin­ter dem niedersächsi­schen Erdkabelgesetz zu­rück. Auch sei die Ver­kürzung von Rechtsweg und Genehmigungsver­fahren nicht nachvoll­ziehbar. Man werde wei­ter dafür kämpfen, dass auf der Trasse keine „Stahlkolosse“ gesetzt würden, heißt es.
 
Borkener Zeitung, 15.5.2009
 

Erdkabel: CDU jetzt doch dafür?

Neuer Antrag spricht sich gegen Leitungsmasten in Wohnbereichen aus
 
-job/pd- Kreis Borken. Die CDU-Mehrheitsfraktion im Kreistag hat ihre Meinung zum Thema „Erdverkabelung“ offenbar geändert. So jedenfalls kann man einen Antrag der Christdemokraten auffassen, den die CDU für den kommenden Umweltausschuss und. den Kreistag eingebracht hat.
Darin wird empfohlen, ­der Landrat solle sich dafür einsetzen, dass beim. geplanten Ausbau der Hochspannungstrasse Wesel-Diele „der Übertragungsnetzbetreiber aufgefordert (wird), die geschaffenen rechtlichen Möglichkeiten zum Wohle der betroffenen Anlieger auszuschöpfen. und in den betroffenen Gemein­den im Kreis Borken die Höchstspannungsleitungen mittels Erdverkabelung zu verlegen.“ Auf dem Tras­sengebiet liegen die Kommunen Borken, Gescher, Heiden, Legden, Raesfeld, Schöppingen, Stadtlohn und Velen.
Das Neue an. dem CDU-Antrag: Noch vor wenigen Wochen hatte die Mehrheitsfraktion im Kreistag einen ähnlichen Antrag in den Fachausschuss verwiesen. Damals hatte die SPD im Kreistag gefordert sich für eine Erdverkabelung der Trasse einzusetzen. Dass die CDU den Antrag erst in den Umweltaus­schuss verweist, um dann einen Antrag mit „gleichem Ziel“ einzubringen, das brachte gestern die Frakti­onschefin der Grünen im Kreistag und Landratskan­didatin Gertrud Welper mächtig auf die Palme. Sie warf in einer Pressemittei­lung CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Tönnes vor, ei­nen „durchsichtigen Ta­schenspielertrick“ aufzu­fahren, wenn er den Antrag erst ablehne, um ihn dann erneut einzubringen. Sie wirft der CDU vor, da­mit wertvolle Wochen ver­schenkt zu haben, in der bereits Gespräche mit der RWE als zuständigem Netz­betreiber hätten geführt werden können. Gleich­wohl begrüßte Welper es, dass die CDU beim Thema Erdverkabelung „zur Besin­nung gekommen“ sei. Den­noch kennzeichne auch dieser Antrag der CDU er­neut das, was „dem Kreis in zehn Jahren unter der Ägi­de von Landrat Wiesmann immer auf ein Neues widerfahren“ sei: „Wertvolle Zeit, im Interesse der Bür­ger zu handeln wird aus parteitaktischen Erwägun­gen verschenkt“, so die Grünen-Chefin.
Auch die SPD äußerte in einer ersten Stellungnahme Unverständnis über das Vorgehen der CDU. Dem CDU-Antrag sei eine „mo­natelange beharrliche Igno­ranz und weitgehendes Schweigen der Kreis-CDU gegenüber den Initiativen in den Städten und Ge­meinden“ vorausgegangen, so die SPD-Landtagsabge­ordnete Stefanie Wiegand gestern in einer Pressemit­teilung. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, schreibt die SPD-Abgeord­nete dazu, dass die CDU den SPD-Antrag zunächst abgelehnt habe - und ihn nun abgeändert vorlege.
 
 
Borkener Zeitung, 9.6.2009
 
Erdkabel ist heute Thema
Initiativen für Alternativen

-job- Kreis Borken. Ums seit langem im Kreis kon­trovers diskutierte Thema „Erdkabel oder Hochspan­nungsleitung“ geht es in der heutigen. Sitzung des Kreis-­Umweltausschusses (Be­ginn: 16 Uhr im Kreishaus). Zum einen legt die Kreis­verwaltung einen Sach­standsbericht zum Thema vor. Darin wird zusammen­gefasst, was es derzeit an Möglichkeiten gibt, den Neubau der 380-Kilovolt-Leitung von Wesel nach Diele vorzunehmen. Wie berichtet, haben sich Bür­gerinitiativen aus der Regi­on dafür ausgesprochen, die neue Stromleitung im Kreis Borken unterirdisch zu verlegen. Diese Auffas­sung vertritt auch die SPD, die in einem Antrag fordern, Landrat und Kreistag sollten sich für eine Erdver­kabelung aussprechen. Geht‘s nach der CDU, dann soll die RWE Transportnetz die „Möglichkeiten zur Erd­verkabelung im Kreis Bor­ken umfassend“ umsetzen. Die „Bürgerinitiativen Pro Erdkabel“ haben im Vorfeld auf weitere Alternativen hingewiesen So könne auch die A 31 als mögliche Trasse fürs Erdkabel dienen.

 Borkener Zeitung, 11.6.2009
 

Erdkabel: SPD sorgt für Kompromiss
 
 

 
An vielen Stellen im Kreisgebiet - wie hier in Velen-Ramsdorf - fordern Bürger, dass die Stromtrasse Wesel-Diele per Erdkabel ausgebaut wird. Für diese vorrangige Option hat sich jetzt auch der Kreisumweltausschuss ausgesprochen.Barnekamp
An vielen Stellen im Kreisgebiet - wie hier in Velen-Ramsdorf - fordern Bürger, dass die Stromtrasse Wesel-Diele per Erdkabel ausgebaut wird. Für diese vorrangige Option hat sich jetzt auch der Kreisumweltausschuss ausgesprochen.Barnekamp

 

 
-job- Kreis Borken. Am Ende stand ein Kompromiss, davor gabs heftige Diskussionen: In seiner Sitzung am Donnerstag hat sich der Kreisumweltausschuss auf einen gemeinsamen Beschluss in Sachen Erdkabel geeinigt.

Darin steht unter anderem, dass der Landrat sich dafür beim Netzbetreiber, der RWE Transportnetz, dafür einsetzen soll, dass beim Neubau der Hochspannungsleitung Wesel-Diele dem Verlegen des Kabels in die Erde Vorrang gegeben werden soll. Möglich gemacht hatte den Kompromiss die SPD, die nach einer Sitzungsunterbrechung einen von allen anwesenden Fraktionen getragenen Kompromiss vorgeschlagen hatte, der Elemente der beiden von CDU und SPD eingebrachten Beschlussvorlagen verband.
 

Zunächst bekam die CDU jedoch reichlich Schelte von SPD und Grünen. Die beiden Oppositionsfraktionen kritisierten, die CDU habe sich mit ihrem Antrag zur Erdverkabelung um 180 Grad gedreht. Vor etlichen Wochen habe man einen ähnlichen Resolutionstext der SPD abgelehnt und in den Ausschuss verweisen - jetzt legten ihn die Christdemokraten selbst vor. „Das ist nicht das erste Mal, dass ein SPD-Antrag gekippt wird und nach einer Schamfrist als CDU-Antrag eingereicht wird“, ereiferte sich Hans-Georg Fischer (SPD). Auch Hermann Dreischenkemper (Grüne) fand: „Das Urheberrecht liegt nicht bei der CDU“. Zudem hielt Fischer der CDU vor, sie schwenke nur um, weil es entsprechenden Druck aus den Kommunen gegeben habe. Eine ganze Reihe von Städten und Gemeinden hatten zuvor ähnliche Resolutionen pro Erdkabel verabschiedet.

Dem hielt CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Tönnes entgegen, dass die SPD ihre damals eingereichten Resolution schlicht zum falschen Zeitpunkt vorgebracht habe. „Zu diesem Zeitpunkt waren die gesetzlichen Grundlagen noch nicht gegeben“, verwies Tönnes darauf, dass das entsprechende Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) erst im Mai - nach Vorlage der SPD-Resolution - verabschiedet worden sei. „Wir sind doch gar nicht so weit auseinander, aber der Gesetzgeber musste erst Klarheit schaffen“, sprang Hans Hundt (CDU) seinem Fraktionschef bei. Von Seiten der CDU hieß es zudem, man habe sich erst umfassend über das Thema informieren wollen. Das hatte man mit einer CDU-Veranstaltung Ende April in Gescher getan.

In den einstimmig verabschiedeten Beschlussvorschlag nicht aufgenommen wurde allerdings, welche Art der Übertragungstechnik beim Erdkabeleinsatz bevorzugt werden solle. Hier hatte sich die Bürgerinitiative „Pro Erdkabel“ für die Gleichstromvariante HGÜ ausgesprochen. Die Initiative hatte zudem kritisiert, dass eine mögliche Kabelverlegung entlang der A 31 nicht erwähnt worden sei.
Auch dass die Initiativen an den Plan-Gesprächen nicht beteiligt würden, kritisierte „Pro Erdkabel“. Hier schuf der verabschiedete Kompromiss zumindest teilweise Abhilfe: Die Bürgerinitative soll „eingebunden“ werden.
 

BBV 11.6.2009
 

Kreistagsfraktionen machen sich für Erdverkabelung stark

KREIS BORKEN (hgk) Bei der Höchstspannung liegen die Kreistagsfraktionen auf einer Linie: Im Kreisumweltausschuss haben sie sich am Dienstagabend einmütig für eine gemeinsame Position entschieden. Die hatte die CDU per Antrag bereits vorformuliert. Danach soll die Kreisverwaltung darauf hinwirken, dass die geplante Höchstspannungsleitung zwischen Wesel und dem niedersächsischen Diele unter der Erde verlegt wird, so weit das Gesetz dies zulässt. In diesem Sinne soll die RWE Transportnetz GmbH als Netzbetreiber aufgefordert werden, „die geschaffenen rechtlichen Möglichkeiten zum Wohle der betroffenen Anlieger auszuschöpfen“.

 Die vorausgehende Diskussion im Ausschuss war vergleichsweise kurz. Schon bald unterbrachen die Fraktionen die Sitzung, um den gemeinsamen Beschluss vorzubereiten. Auf der Tagesordnung stand auch der Antrag der SPD auf eine Resolution, der im Kreistag am Widerstand der Christdemokraten gescheitert war. Laut Kreisbaudirektor Hubert Grothues war der Inhalt der Resolution allerdings „zeitlich überlebt“, weil er formuliert worden war, bevor der Bundestag das „Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze“ verabschiedet hatte.

Dieses Gesetz zurrt unter anderem vier Pilotprojekte fest, die die Erdverkabelung von 380000-Volt-Leitungen erproben sollen. Dazu gehört auch die Trasse Wesel–Diele. Vorgesehen ist eine Erdverkabelung, wenn Mindestabstände zur Wohnbebauung nicht eingehalten werden – 400 Meter bei geschlossener Bebauung und 200 Meter im Außenbereich. Als Einschränkung gilt jedoch, dass dies technisch und wirtschaftlich vertretbar sein muss.

Die SPD hatte in ihrer Resolution gefordert, den Einsatz von Erdkabeln „auf kürzeren Strecken zum Schutz von Menschen, Landschaft und Umwelt vorrangig“ festzulegen. Im gemeinsamen Beschluss aller Fraktionen wurde aus der Formulierung „kürzere Strecken“ der Begriff „Teilstrecken“. Der CDU-Antrag wurde zudem um einen zweiten Aspekt ergänzt: Um eine „große gesellschaftliche Akzeptanz“ zu erreichen, sollen die bestehenden Bürgerinitiativen im Kreis Borken in das folgende Planungs- und Genehmigungsverfahren eingebunden werden.

Im öffentlichen Beteiligungsprozess werde der politische Beschluss des Kreistages „eine gewichtige Rolle“ spielen, sagt Kreisbaudirektor Grothues im BBV-Gespräch. Damit spielt er auf die grundlegende Neuerung ein, die das neue Gesetz mit sich gebracht habe: Zuvor sei die Möglichkeit der Erdverkabelung bei Höchstspannungsleitungen „gesetzlich nicht vorgesehen“ gewesen – „da hätten es die Netzbetreiber nur freiwillig anbieten können“. Nun aber müssten sie plausibel erklären, warum sie in bestimmten Abschnitten zugunsten der Freileitung auf Erdkabel verzichten wollten. Grothues spricht von „Konflikt räumen“ – etwa mit Blick auf Raesfeld, Borken und Schöppingen. „Am Ende des Verfahrens steht ein Beschluss“, sagt er. Und dieser Beschluss lasse sich vor Gericht überprüfen.

 

 Münsterlandzeitung, 22.6.2009


 
Bürgerinitiativen bei Christa Thoben
am 22. Juni 2009 15:56 Uhr
LEGDEN/KREIS "Es ist uns gelungen, einen Termin im Landtag bei Wirtschaftsministerin Christa Thoben zu erhalten", teilt Andreas Völker von der Bürgerinitiative "Pro Erdkabel Legden" mit.
0623 LE MAST

Nicht gewollt: Hochspannungsleitungen. Archiv

 

Am morgigen Mittwoch sollen die gesammelten Unterschriften - rund 8000 - in Düsseldorf übergeben werden, um die Forderung der Initiativen zur Erdverkabelung in NRW zu untermauern. Des Weiteren soll der Ministerin ein Positionspapier überreicht werden. In diesem sind die Forderungen nach einer HGÜ (Hochspannungs-Gleichstromübertragung)-Erdverkabelung an der A 31 und Argumente dafür enthalten. Neben Mitgliedern der Bürgerinitiativen werde auch Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken an dem Termin im Wirtschaftsministerium teilnehmen (Bericht folgt). Eine weitere Aktion der Bürgerinitiativen war, die Bürgermeister der betroffenen Kommunen anhand von vier Fragen zu einer Stellungnahme bezüglich der derzeitigen Ergebnisse ihres Engagements, zu befragen.

 

 Borkener Zeitung, 19.8.2009

Strommasten-Gegner starten Aktion  
 
Am kommenden Sonntag (23. August) wollen die "Bürgerinitiativen Pro Erdkabel NRW“ um fünf vor zwölf weiße Bänder an alle Strommasten entlang der Stromtrasse Wesel-Diele von Raesfeld über Borken, Ramsdorf, Gescher, Legden und Schöppingen bis nach Metelen anbringen. Die Strommastengegner wollen mit dieser Aktion erneut auf ihre Forderung nach einer Erdverkabelung nach dem  Gleichspannungsprinzip (HGÜ) aufmerksam machen. Sie fordern, die RWE müsse in ihren derzeitigen Planungen für den Neubau der Trasse Wesel-Diele diese Technik berücksichtigen. Außerdem solle man weitere Trassenalternativen prüfen, etwa solche entlang der A31.
An jedem weiteren Sonntag wollen die Befürworter der Erdverkabelung um 5 Minuten vor 12 Uhr weiße Bänder an die Strommasten hängen, "und zwar so lange, bis die Masten verschwunden sind", so die Bürgerinitiative.
 

   Borkener Zeitung, 29.9.2009

Erdkabel-Initiative muss erstmal draußen bleiben
 
Hochspannungstrasse: Erste Gespräche zwischen Landrat, Bürgermeistern und RWE Mitte Oktober
 
-job- Kreis Borken. Abge­lehnt hat die CDU-Mehrheit im Kreistag einen Antrag der SPD, Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Erdka­bel NRW“ zu einem ersten Gespräch zwischen der RWE, dem Kreis und den Bürgermeistern Mitte Okto­ber einzuladen. Thema des Gesprächs ist der Bau einer Hochspannungsleitung zwi­schen Wesel und Diele, die auch durchs Kreisgebiet führt. Die Bürgerinitiative (BI) setzt sich dafür ein, die Leitung unter der Erde zu verlegen.
Wie Landrat Gerd Wiesmann sagte, gehe es nicht darum, die Bürgerinitiative bei den Gesprächen gene­rell außen vor zu halten. Man stehe nach wie vor zu dem Beschluss vom Juni, die BI generell in den Pro­zess der Planung einzubin­den. „Aber es muss auch möglich sein, dass Kreis und Bürgermeister allein mit der RWE sprechen“, so Wiesmann. Nach Angaben des Landrats sei es aber nicht der Wunsch der RWE gewesen, das Gespräch zunächst nur mit den Kommunalpolitikern zu führen. Man werde die BI aber im Nachhinein informieren.. Elisabeth Lindenhahn (SPD) bewertete das Nein der CDU-Mehrheit als Schlag gegen den Versuch, bei den Erdkabel-Befürwor­tern Vertrauen zu schaffen. „Wenn Sie den Wunsch ab­blocken, machen Sie die die Bürgerinitiative misstrauisch“, so Lindenhahn. Die Initiativen hatten kreisweit bereits rund 7000 Un­terschriften für ihre Sache gesammelt. Auch Karlheinz Busen (FDP) plädierte ver­geblich für eine Einladung an die BI. „Damit würden wir uns einen großen Ver­trauensvorschuss holen“, sagte das liberale Kreistags­mitglied.
 

 

RWE-Umspannwerk in Wesel wird europäischer Stromknotenpunkt

VON FRITZ SCHUBERT UND HANS GEORG KNAPP

 

In Wesel-Obrighoven kreuzen sich wohl demnächst zwei neue Höchstspannungsleitungen der RWE-Tochter „Amprion“. Dahinter stecken der globale Energiehandel und Windenergie von der Küste. Die Planverfahren laufen jetzt an.

REGIONALES Das deutsche Netz müsse immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen – vor allem von Windkraftanlagen vor der Küste. Deshalb sei der Ausbau vorhandener Leitungen erforderlich. So lautet das Fazit einer „Netzstudie“ aus dem Jahr 2005. Auf dem internationalen Energiemarkt laufen längst die Vorbereitungen für den verstärkten Handel mit Windkraftstrom von Nordsee-Anlagen – und für dessen Durchleitung.

Das RWE-Umspannwerk Niederrhein in Wesel-Obrighoven soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Es fungiert als Knoten von europäischer Bedeutung: Dort werden zwei neue Höchstspannungsleitungen angeschlossen, die 380000 Volt (380 kV) führen sollen. Die eine läuft in Richtung Niederlande, die andere zur deutschen Küste. Bei der zweiten handelt es sich um die Höchstspannungsleitung auf der Trasse zwischen Wesel und dem emsländischen Diele, die im Kreis Borken gleich mehrere Bürgerinitiativen auf den Plan gerufen hat.

Nachdem das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) beschlossen ist, laufen jetzt die Planverfahren an. Mitte Oktober spricht die RWE im Kreishaus Borken mit Kreisverwaltung und den Bürgermeistern der Kreiskommunen (siehe hierzu den Bericht unten). Auf niederländischer Seite wurde für die Strecke Doetinchem–Dinxperlo bereits eine Umweltverträglichkeitsprüfung bekannt gegeben.

„Das liegt an einem niederländischen Gesetz, nach dem auch das betroffene Ausland informiert werden muss“, erklärt Marian Rappl die ungewöhnliche Großanzeige in der Presse. Rappl ist Sprecher der RWE-Tochter „Amprion“ mit Sitz in Dortmund, die in den nächsten zehn Jahren drei Milliarden Euro investieren will. „Amprion“ steht seit dem 1. September für die „RWE Transportnetz Strom GmbH“.

Innerhalb des EnLAG genießen die Vorhaben, die Wesel betreffen, hohe Priorität. Parallel zur Gesetzgebung hat die Bezirksregierung Münster das Raumordnungsverfahren für die Höchstspannungsleitung gestartet, die in Richtung Niederlande führen soll. Der Baustart ist für das Jahr 2012 vorgesehen. Es geht um 33 Kilometer von Wesel über Hamminkeln und Rees zur Grenze. Dafür will „Amprion“ 35 Millionen Euro ausgeben.

200 Millionen für 130 Kilometer

200 Millionen Euro sollen in die Höchstspannungsleitung von Wesel über Borken nach Diele fließen. Dabei gilt es eine Distanz von 130 Kilometern zu überbrücken. „Die Umspannanlage Niederrhein ist ein zentraler Punkt für das europäische Höchstspannungsnetz“, sagt Marian Rappl. Dies gelte besonders für die Windenergie.

Weil der Neubau für bestehende Trassen vorgesehen ist, sollen sich Eingriffe in die Landschaft in Grenzen halten. Die alten 110- und 220-kV-Masten, 30 Meter hoch, werden durch neue ersetzt. Die vorhandenen Masten stammen zum Teil noch aus den 1930er Jahren. Ihre Nachfolger erreichen den Plänen zufolge bis zu 55 Meter Höhe. Dadurch sollen größere Abstände gewahrt werden, die wegen der höheren Spannung nötig sind. Die Bürgerinitiativen im Kreis Borken geben sich damit freilich nicht zufrieden: Sie wollen, dass die neue Leitung unter die Erde kommt.

Info

Vier Pilotprojekte

Das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) ist Kernstück des Gesetzes zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze. Das EnLAG zurrt unter anderem vier Pilotprojekte fest, die die Erdverkabelung von 380000-Volt-Leitungen erproben sollen. Dazu gehört auch die Trasse Wesel–Diele. Vorgesehen ist eine Erdverkabelung, wenn Mindestabstände zur Wohnbebauung nicht eingehalten werden – 400 Meter bei geschlossener Bebauung und 200 Meter im Außenbereich. Dies soll allerdings technisch und wirtschaftlich vertretbar sein.

  BBV, 29.9.2009

380.000-Volt-Leitung: Ab in die Erde
 

 
Strom aus der Luft in die Erde: In die Sache scheint durch ein lange erwartetes Gesetz Bewegung zu kommen.
Strom aus der Luft in die Erde: In die Sache scheint durch ein lange erwartetes Gesetz Bewegung zu kommen.
(Foto: pd)

 

 
-and-/pd- Kreis Borken. Scheinbare 180-Grad-Wende im Streit um eine 380.000-Volt-Leitung im Kreisgebiet: Der Betreiber stellt eine Erdverkabelung in den Teilbereichen Raesfeld, Borken und Legden in Aussicht. Die Bürgerinitiativen fordern eine komplette Verlegung in der Erde zwischen Wesel und Diele (Niedersachsen).

Am Freitag hatte es ein Informationsgespräch im Borkener Kreishaus gegeben: Den Stand ihrer Planungen für den Bau einer 380-kV-Leitung durch den Kreis Borken haben Vertreter der Amprion GmbH, einer Tochter der RWE, den Vertretern der betroffenen Kommunen erläutertIm Fokus standen die Auswirkungen des Ende August in Kraft getretenen Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG), das die Trasse zwischen Diele in Niedersachsen bei Emden und Wesel als Pilotstrecke für die Erdverkabelung definiert, informierte der Kreis Borken am Montag.

Die Amprion-Vertreter erklärten, dass sie nach ersten Prüfungen eine Erdverkabelung auf Teilabschnitten in Borken, Raesfeld und Legden als sinnvoll erachten. Am Montag informierte Landrat Gerd Wiesmann die Vertreter der Bürgerinitiativen „Pro Erdkabel NRW“ über den Verlauf des Gesprächs.

Das Treffen von Kreis und Kommunen mit Amprion schließt an ein Arbeitsgespräch im Juni des vergangenen Jahres an. In der Zwischenzeit hat Amprion laut Pressemitteilung alle Aufgaben der RWE Transportnetz GmbH übernommen. „Ziel des Termins war es zu erfahren, wie Amprion die neuen Möglichkeiten und den Pilotcharakter des EnLAG umsetzen wird, welche verwaltungstechnischen und planungsrechtlichen Schritte anstehen und wie die Belange der Kommunen sowie der Bürger berücksichtigt werden können“, erklärte Landrat Gerd Wiesmann.

Die Amprion-Vertreter sicherten zu, den Pilotcharakter zu nutzen und auf Teilstrecken im Kreis Borken Erdverkabelung vorzunehmen. Im Blick haben sie dabei Abschnitte in unmittelbarer Nähe der geschlossenen Orte.

Geprüft habe Amprion zunächst, wo die nötigen Mindestabstände zur Wohnbebauung einzuhalten seien und wo die notwendige wirtschaftliche und technische Effizienz laut EnLAG gegeben sei.

Die Bürgerinitiativen trauen dem Braten offenbar noch nicht recht. Gaby Bischop, Paul Wissing (beide Raesfeld) sowie Andreas Völker waren gestern zur Info im Kreishaus. Paul Wissing vermutete auf Anfrage, dass Amprion lediglich die neuerlichen gesetzlichen Vorgaben erfüllen werde. „Drei Orte reichen uns nicht. Wir fordern nach wie vor die komplette Erdverkabelung von Niedersachsen bis Wesel. Die sollen über echte Alternativen nachdenken und das Ganze zum Pilotprojekt machen.“

Amprion orientiert sich bei seinen Plänen für den 380-kV-Ersatzneubau an der aktuellen 220-kV-Trasse, wird im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens aber auch Alternativtrassen, wie etwa entlang der Autobahn 31, in den Blick nehmen, hieß es am Montag.

In einem nächsten Schritt wird Amprion - so die Pläne gegenüber der Kreisverwaltung - mit den Bezirksregierungen in Münster und Düsseldorf die Zuständigkeiten klären. Schon im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens, das in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden soll, will der Betreiber weitere Gespräche mit den Kommunen und Eigentümern führen. Er will eigenem Bekunden nach die Öffentlichkeit breit informieren, unter anderem im Internet. Mit der Fertigstellung der 380-kV-Leitung rechnet die RWE-Tochter frühestens 2015 - ein Zeitpunkt, den Paul Wissing für unrealistisch einstuft.

Am Freitag vereinbarten die Teilnehmer des Treffens, in künftige Gespräche auch die Bundesnetzagentur einzubeziehen. Sie wacht über den Wettbewerb auf dem Strommarkt und muss die Kosten für den Leitungsausbau genehmigen.

Zu dem Gespräch im Kreishaus waren Vertreter der Gemeinden Heiden, Legden, Raesfeld, Schöppingen und Velen sowie der Städte Borken und Gescher eingeladen sowie der Bürgermeister der Gemeinde Metelen (Kreis Steinfurt).

Fünf Vertreter der sieben Bürgerbewegungen aus dem Kreis fahren heute nach Dortmund zu Amprion. Paul Wissing: „Dort werden wir unseren Standpunkt mit aller Deutlichkeit vertreten.“
 

Borkener Zeitung, 20.10.2009

Stromleitungsstreit: Gegner strömen zusammen
-and- Kreis Borken/Dortmund. Ein knapp vierstündiges Gespräch bis in tiefe Details, das Gefühl, ernst genommen zu werden und der Eindruck, „viel erreicht zu haben“ - so bilanzierte gestern Gaby Bischop (Raesfeld) als Mitglied der Bürgerinitiativen Pro Erdkabel NRW auf Anfrage eine Diskussion beim Stromnetzbetreiber Amprion an dessen Firmensitz in Dortmund.

Der hat als Tochter des Stromnetzdienstleisters RWE die Aufgabe, eine bestehende 220.000-Voltleitung auf 380.000 Volt (380 kV) Leistungsvermögen zu erhöhen. Und dies möglichst kostengünstig.
 

Sieben Bürgervertretungen - aus dem Kreis Borken Raesfeld, Borken, Gescher, Legden, Schöppingen, aus dem Kreis Steinfurt Metelen und Steinfurt - fordern eine komplette Erdverkabelung im (günstigeren) Gleichstrombetrieb statt Wechselstrom - vom Ausgangspunkt Wesel bis nach Diele bei Leer (Niedersachsen), 200 Kilometer lang.

Nach Erlass eines Gesetzes zum Energieleitungsausbau (kurz: EnLAG) hat, wie am Dienstag berichtet, Amprion erstmals in Aussicht gestellt, Teilbereiche bei Raesfeld, Borken und Legden in die Erde zu legen.

Scheinbar kommt Bewegung in den Leitungsstreit, sagte gestern Gaby Bischop. Die Raesfelderin nahm mit Josef Bussmann, Wilhelm Fedeler, Andreas Völker und Paul Wissing am Dortmunder Gespräch teil wie auch die Experten Professor Kreusel des Energiekonzerns ABB, Mannheim, und Dr. Ahmels von der Deutschen Umwelthilfe, Berlin.

Ihre Zuversicht beziehen die Vertreter von Bürgerinitiativen aus der Tatsache, dass der Netzbetreiber von ABB einen Kostenvoranschlag für eine komplette Erdverkabelung einholen, wie gefordert eine Trassenführung entlang der Autobahn 31 prüfen und sich dafür einsetzen wolle, das 380-kV-Netz zum Pilotprojekt zu erheben. Dies liege freilich im Ermessensspielraum von Bundesnetzagentur und Bundesregierung.

Die Hochleitungsgegner verdeutlichten, dass die Baukosten nur einen Teil der Kosten ausmachten. Hinzu kämen Betriebskosten (bei Erdkabeln deutlich geringer), höherer Flächenverbrauch bei Freileitungen, höherer Stromverlust bei Wechselstrom sowie Wertminderungen.

Ein Infomarkt werde im Frühjahr in Raesfeld geplant. Mit der Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens sei Ende 2010 zu rechnen.
 

Borkener Zeitung, 23.10.2009

 

Münsterland-Initiativen
Komplette Verkabelung bleibt Ziel
Von Sylvia Lüttich-Gür am 4. November 2009 15:53 Uhr
LEGDEN / KREIS Die Vertreter der Bürgerinitiativen Pro Erdkabel NRW bleiben dabei: Sie setzen sich auch weiterhin dafür ein, dass nicht nur auf einem Teilstück –unter anderem in Legden – das Hochspannungskabel unter die Erde gelegt wird, sondern auf der gesamten Trasse Wesel-Diele, die durch das Münsterland führt.
Die Hochspannungsleitung, die sich zurzeit noch quer durch Legden zieht, soll nach Auskunft des Tochterunternehmens der RWE zumindest in Teilbereichen verkabelt werden - den Initiativen des Münsterlandes ist das nicht genug.
Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Bei ihrem Treffen in Borken haben sie sich auf dieses Vorgehen geeinigt – und damit auf den Konfrontationskurs mit Amprion, der Tochtergeselschaft des Energieunternehmens RWE. Das hatte vor zwei Wochen angekündigt, lediglich drei Teilabschnitte in Raesfeld, Borken und Legden zu verkabeln und damit dort auf die von vielen als gesundheitsgefährdend betrachteten Hochspannungsleitungen zu verzichten.

Die Initiativen der Hochspannungsgegner stört die „äußerst enge Auslegung des Energieleitungsausbaugesetzes“. Die Kosten als das entscheidende Argument wollen sie ebenfalls nicht gelten lassen: „Ein echtes Pilotprojekt, das sich als innovativ versteht, darf auch mehr kosten“, meinte Josef Bussmann aus Legden während des Treffens.

Stromgipfel in Legden

Er forderte, dass in eine Kalkulation wirklich alle Kosten einbezogen werden – neben denen für die Herstellung und Verlegung der Erdkabel auch die für die Wartung der Hochspannungsleitung, die Wertverluste der Grundstücken und Immobilien unter den Drähten sowie den Flächenverbrauch. Unterm Strich falle dann das Ergebnis für die Erdverkabelung besser aus, ist er überzeugt.

Die Bürgerinitiativen fordern eine „echte Prüfung von Möglichkeiten der Trassenverschiebung und der Erdverkabelung nach dem Gleichstromprinzip (HGÜ)“. Deshalb wollen sie Anfang des Jahres 2010 eine Veranstaltung in Legden durchführen, in der Experten von Siemens und ABB die Möglichkeiten von HGÜ vorstellen und mit Amprion, der Bundesnetzagentur, der Bezirksregierung und den Bürgerinitiativen diskutieren.

Von den Gemeinden und Kreisen erwarten die Initiativen, dass sich diese gemeinsam mit ihnen mit einer Stimme für eine Komplettverkabelung einsetzen.

Gespräch in Metelen

Der Bürgermeister der Gemeinde Metelen hat bereits reagiert und Vertreter der Firma Amprion und die Mitglieder der Bürgerinitiative zu einem Gespräch am 12. November um 17 Uhr in den Sitzungssaal der Gemeinde Metelen im Bürgerhaus eingeladen. Karl-Heinz Hundehege von der Initiative Metelen kündigt weitere Aktivitäten auch in Richtung Kreisverwaltung an: „Nachdem wir in der letzten Zeit eher abgewartet und uns ruhig verhalten haben, wollen wir jetzt wieder Dampf machen.“

Bei der konstituierenden Sitzung des Rates in Legden hatte Bürgermeister Friedhelm Kleweken den Einsatz für die Erdverkabelung als ein wichtiges Ziel in der neuen Wahlperiode benannt.
 
Münsterlandzeitung, 4.11.2009

 

Info-Reihe zu 380-kV-Leitung
 
 

 
Ein spannendes Thema: Wie sehen die Planungen für die neue 380-kV-Leitung aus?
Ein spannendes Thema: Wie sehen die Planungen für die neue 380-kV-Leitung aus?
(Foto: Barnekamp)

 

 
-pd/job- Kreis Borken. In der Diskussion ist das Projekt der 380-kV-Leitung durch den Kreis Borken schon seit langem, jetzt lädt der Bauherr, die RWE-Tochter Amprion GmbH, zu Infoveranstaltungen ein. Der erste sogenannte Marktplatz zum Thema findet am 24. März in Raesfeld statt. Weitere Veranstaltungen in Borken und Legden sollen folgen.

Das haben nach Angaben des Kreises Vertreter der Amprion GmbH bei einem Gespräch im Borkener Kreishaus erklärt. Dazu hatte Landrat Dr. Kai Zwicker auch Vertreter der Kommunen, der Bürgerinitiativen sowie der Bundesnetzagentur eingeladen hatte. Die Bonner Behörde wacht über den Wettbewerb auf dem Strommarkt und muss die Kosten für den Leitungsausbau genehmigen.
 

Weil die Planungen von vielen Bürgern mit Sorge verfolgt würden, sei es ihm wichtig, mit den Beteiligten im Gespräch zu bleiben und eine „machbare und verträgliche Lösung“ zu finden, wird der Landrat in einer Pressemitteilung zitiert. Herr des Planfeststellungsverfahrens, in dem auch der Kreis Borken gehört wird, ist die Bezirksregierung Münster. Der Startschuss für die Planung soll im Laufe dieses Jahres erfolgen.

Derzeit plant die Amprion, die für den Leitungsausbau verantwortlich ist, Erdverkabelung auf Teilabschnitten in Borken, Legden und Raesfeld. Mit der Stadt Gescher will Amprion weitere Gespräche führen, um Alternativen für den geplanten Trassenverlauf zu klären. Betroffen sind von der neuen Leitung zudem Heiden, Schöppingen und Velen sowie die Metelen im Kreis Steinfurt.

Die Initiative „Pro Erdkabel NRW“, in der sich Bürger aus den Anrainerkommunen engagieren, hatte wiederholt eine Erdverkabelung in HGÜ-Technik (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) gefordert. Dieser räumt laut Pressemitteilung Achim Zerres von der Bundesnetzagentur allerdings kaum Chancen ein. Er könne sich - auch wegen der „nach heutigem Stand exorbitanten Mehrkosten für die Stromkunden“ nicht vorstellen, dass ein Kabelpilotprojekt zur Netzverstärkung gleichzeitig auch als HGÜ-Projekt durchgeführt werde.

Die Bundesnetzagentur hat Amprion bereits ein Investitionsbudget genehmigt, das die Erdverkabelung auf Teilstrecken vorsieht. Diese Genehmigung ermöglicht es Amprion, die Baukosten für die neue Trasse später über die Stromkosten wieder hereinzuholen. Amprion geht jetzt in die Feinplanungen und wird in allen betroffenen Kommunen Gespräche führen. Auch der Kreis Borken wird die Beteiligten zu weiteren Gesprächen einladen.

Borkener Zeitung, 11.2.2010

 

 

Neue Masten und drei Kabelstrecken
 

 
Auch neue Strommasten gibt es beim Trassenbau. Deren Zahl verringert sich aber.
Auch neue Strommasten gibt es beim Trassenbau. Deren Zahl verringert sich aber.

 

 
-job- Kreis Borken. Auf den neuesten Stand der Dinge in Sachen „380kV-Leitung“ gebracht hat am Mittwochabend Diplom-Ingenieur Dieter Picklapp von der RWE-Tochter Amprion den Kreisumweltausschuss. Er erläuterte den Kreispolitikern, wie, wann und wo der Stromversorger im Kreis Borken neue Kabel und Freileitungen verlegen will, damit künftig der Strom von den großen Windparks an der Küste nach NRW gelangt.


Von Süd nach Nord, so Picklapp, werde die Amprion die rund 140 Kilometer lange Strecke von Wesel nach Meppen ausbauen, wobei im Kreis an drei Stellen (Raesfeld, Borken, Legden) die von vielen Bürgern geforderte Verlegung der Hochspannungsleitung in die Erde realisiert werde. Solche Pilotprojekte würden nur in mindestens drei Kilometer langen Strecken angepackt, und zwar dort, wo der Abstand der Leitungen zu Ortsrändern weniger als 400 Meter und zur Außenbereichsbebauung weniger als 200 Meter betrage. Die ganze Leitung als Erdkabel zu verlegen komme viel zu teuer, so Picklapp auf Nachfrage aus dem Ausschuss: Koste ein Kilometer Freileitung inklusive Mastenbau rund ein Million Euro, so seien es bei der Erdverkabelung rund vier bis sieben Mal so viel.
 

Beginnen werde man mit der Erdverkabelung, die es sonst in Deutschland so noch nicht gibt, im Raum Raesfeld. Die dort gemachten Erfahrungen würden danach bei den Kabelbauten in Borken und Legden genutzt. Um die Kabel ins Erdreich führen zu könne, sind pro Kabelstrecke zwei etwa 55 mal 75 Meter große Kabelübergangsanlagen nötig, die jeweils über ein 14 bis 18 Meter hohes Portal zur Einleitung der Kabel verfügten. „Da müssen wir mal gucken, wie die Reaktion der Grundeigentümer ist“, sagte Picklapp. Zudem müssten die Erdkabel alle 600 bis 800 Meter einen kleinen Muffenbau bekommen, weil längere Kabelstrecken angesichts des hohen Gewichts (40 Tonnen auf rund 600 Meter) nicht machbar seien.

Was die neue errichtete Masten angehe, so könne laut Amprion-Vertreter etwa jeder zweite der bislang stehenden Träger wegfallen. Statt der aus dem Jahre 1924 stammenden, rund 40 Meter hohen Trägern wird es dann 55 Meter hohe Masten geben. Die Entfernung von Mast zu Mast liege künftig bei bis zu 450 Metern. Derzeit steht alle 200 bis 300 Meter ein Stahlkoloss, um die Stromleitung zu tragen.

Im Zuge der Bauarbeiten werden laut Picklapp im Bereich Velen zwei existierende Parallelstrecken zu einer zusammengefasst, die 100kV- und 380-kV-Leitungen aufnimmt. Ein Teil der Trasse im Raum Gut Barnsfeld werde zurückgebaut. Die Planungen werde Amprion zunächst den Grundstückseigentümern in Raesfeld am 17. März, der Raesfelder Öffentlichkeit am 24. März in der Sebastian-Schule präsentieren, hieß es weiter.
 

Borkener Zeitung, 25.2.2010

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