Raesfeld Presse

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Borkener Zeitung, 8.2.2008
 
Fasselt: "Da wird man nachdenklich"
 
 
Dadurch, dass im Norden Deutschlands mehr und mehr Windkraftstrom erzeugt werde, brauche es stärkere Transitleitungen zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden Deutschlands, argumentiert der Stromversorger, der zum Stromtransport gesetzlich verpflichtet ist.

Auf der bestehenden Trasse zwischen Wesel und dem niedersächsischen Meppen soll die derzeitige 220.000-Volt-Leitung durch eine 380.000-Volt-Überlandleitung bis zum Jahr 2015 ersetzt werden. Und die führt direkt vor seiner Haustür an der Markstegge vorbei. "Hier wohnt auch meine Enkeltochter, die ist jetzt ein Jahr alt. Da wird man dann doch nachdenklich", denkt Fasselt an mögliche Gesundheitsgefährdungen, die von einer solchen Höchstspannungsleitung ausgehen könnten.
Anfang Januar bekam Fasselt Post von der "imp", einer Gesellschaft für Geodatenservice mit Sitz in Arnsberg. Das Unternehmen bereitet die Erstellung der detaillierten Planunterlagen vor und wird dafür die Trasse auch vermessen. Wenn die Planunterlagen fertig sind, werde den Grundstückseigentümern Mitte des Jahres in einem persönlichen Gespräch die Detailplanung vorgestellt, heißt es in dem Schreiben.

Dass bereits eine Woche nach Erhalt des Schreibens die ersten Vermesser vor Ort waren, machte Berthold Fasselt stutzig. "Die legen ein ganz schönes Tempo vor, habe ich gedacht und mich bei der RWE mal erkundigt", erzählt der Raesfelder, der in der Möbelbranche sein Geld verdient. Auf seine Nachfrage hinsichtlich der "Elektro-Smog-Belastung", die von einer solchen fast doppelt so starken Leitung ausgehe, sei der Sachbearbeiter, mit dem er gesprochen hat, "auf einmal ganz schön kumpelig geworden", erinnert sich Fasselt. Der RWE-Mitarbeiter habe ihm geantwortet, dass er selbst in unmittelbarer Nähe einer solchen Leitung wohne, und dass es alles gar nicht schlimm sei.

Das machte Fasselt eher noch argwöhnischer und trieb ihn an, sich mehr mit der Materie zu befassen. Im Internet hat der Raesfelder mittlerweile kräftig recherchiert und sich über die Alternative Erdkabel, die Arbeit von Bürgerinitiativen und die Argumente von Wissenschaftlern schlau gemacht. "Mir geht es vor allem darum, dass die Menschen informiert werden und von den Planungen erfahren", betont der Raesfelder. "Wer beispielsweise zur Miete auf einem betroffenen Grundstück wohnt, wird ja nicht direkt angeschrieben", fügt er hinzu.

Der Planungsausschuss der Gemeinde Raesfeld wird sich in seiner Sitzung am 7. April mit der geplanten Überlandleitung befassen.
 
 
KOMMENTAR
Nicht nur zuschauen!
Strom muss von A nach B transportiert werden. Und wenn im Norden über einen langen Zeitraum hinweg staatlich subventionierte Windkraft viel Strom erzeugt, der Norden selbst aber weniger Strom braucht, als der Süden Deutschlands dann muss dafür Sorge getragen werden, dass der Transport gesichert ist.

Ob der Strom allerdings per Überlandleitungen, die an 50 bis 70 Meter hohen Masten hängen, längs durch die Republik geleitet werden muss darüber darf sicherlich gestritten werden. Die großen Stahlskelette mit den je nach Jahreszeit und Witterung mehr oder weniger durchhängenden Freileitungsseilen machen die münsterländische Parklandschaft sicherlich nicht gerade attraktiver. Sie stören das Landschaftsbild nicht minder als das eine oder andere Windrad. Und dass ein großer Strommast vielleicht sogar das höchste Bauwerk im Ort sein könnte höher als Schloss- oder Kirchturm mag nicht nur echte Heimatfreunde nachdenklich stimmen.
Die Öffentlichkeit sollte die Stromleitungsplanungen gut beobachten und kritisch begleiten. Auch die Frage nach möglichen Gesundheitsrisiken darf im Planungsverfahren nicht unbeantwortet bleiben. Dass unser Wirtschaftssystem bezahlbaren Strom benötigt, steht außer Frage. Über das Wie des Transports und über mögliche Alternativen zur 380.000-Volt-Freileitung muss aber öffentlich diskutiert werden. Nur zuschauen ist zu wenig!

Edgar Rabe
 
 
INTERVIEW
"Das Thema nach vorne bringen"
 
In zahlreichen Regionen Deutschlands formiert sich Widerstand gegen Höchstspannungsleitungen. So auch in der Region Ambergau (Harzvorland, Seesen, Bockenem). Auf der 120 Kilometer langen Trasse Wahle-Mecklar will Eon eine 380kV-Leitung bauen. Gegen diese Absichten kämpft eine Bürgerinitiative. BZ-Redakteur Edgar Rabe sprach mit dem BI-Sprecher Frank Ebbighausen.

BZ: Was sind Ihre Hauptargumente gegen eine 380kV-Überlandleitung? Welche Gefahren gehen ihrer Ansicht von solchen Leitungen für Menschen und Tiere aus?
 
Ebbighausen: Es gibt gesundheitliche Risiken durch Elektrosmog. Ich denke, auf dieses Schlagwort kann man es verkürzen. Darüber hinaus ist die Beeinträchtigung des Landschaftbildes zu nennen und damit einhergehend eine Belastung für den Tourismus. Auch Landwirte, die auf Feldern mit hohen Maschinen wie Schleppern oder Mähdreschern arbeiten, können durch Funkenübersprung gefährdet sein. Da sind auch schon heftige Unfälle passiert. Viele Landwirte befürchten auch Beeinträchtigungen für das weidende Vieh. Und natürlich können solche Leitungen auch Auswirkungen auf Immobilenpreise haben. Preise für Objekte in Mastennähe dürften vielerorts nach unten gehen. Außerdem haben Überlandleitungen deutlich größere Stromverluste als Erdkabel, deren Einsatz wir fordern.

BZ: Die Energieunternehmen betonen aber, eine Kapazitätserweiterung sei unumgänglich.

Ebbighausen: Wir stellen gar nicht in Abrede, dass ein Leitungsausbau aus welchen Gründen auch immer sinnvoll sein kann oder ist. Aber wenn schon ausbauen, dann in Erdverkabelung. Denn hier gibt es nur rund fünf Prozent Stromverluste, bei der Überlandleitung sind es etwa 15 Prozent. Und diese Verluste müssen wir als Verbraucher auch bezahlen.

BZ: Wie hat die Eon die Bevölkerung über die Planungen informiert?

Ebbighausen: Am liebsten gar nicht. Es gibt in Niedersachsen das Landesraumordnungsprogramm, das eigentlich dem Schutz von Mensch und Umwelt verpflichtet ist. Darin sind auch wichtige Infrastrukturprojekte vorgesehen. Dieses Programm ist den Kommunalvertretern und Bürgermeistern der Gemeinden vorgestellt worden. Und wenn unser Bürgermeister hier in Seesen nicht mal nachgefragt hätte, was macht denn dieser Strich da auf der Landkarte? dann wär es vielleicht erst herausgekommen, wenn die Bagger hier auf den Feldern gestanden hätten, um die Löcher für die Fundamente der Masten zu buddeln.
BZ: Wie hat sich die Bürgerinitiative formiert und welche Aktionen starten Sie?

Ebbighausen: Wir hatten gleich zu Beginn ein starkes Engagement seitens der Kommunalpolitik. SPD und CDU haben in Veranstaltungen über die Planungen informiert und die regionale Presse hat das Thema aufgenommen. Und im Nachgang einer solchen Infoveranstaltung haben einige engagierte Bürger gesagt: Das ist ein Thema, das können wir nicht der Politik allein überlassen. Wir müssen selber aktiv werden. Mittlerweile sind ungefähr 300 Leute engagiert. Wir haben in unserem Bereich etwa 8000 Unterschriften gesammelt, und unterdessen haben sich zehn weitere Bürgerinitiativen entlang der Trasse gegründet.

Was machen wir konkret? Wir haben ganz konkret Einfluss auf die Landespolitik genommen, wir haben natürlich demonstriert und eine starke Medienarbeit entwickelt.

BZ: Wie sah der Einfluss auf die Landesregierung konkret aus?

Ebbighausen: Die Landesregierung wollte die Überlandleitung ja erst in einem Kabinettsbeschluss absegnen. Wir waren dann sehr schnell bei Ministerpräsident Wulff, der sich dann auch als Befürworter der Erdverkabelung verkauft hat, was uns etwas überrascht hatte, aber dann auf die Bundesgesetzgebung verwiesen hat, die dagegen stehe. Das Land könne da nichts tun.


Wir haben dann aber über Landespolitiker erreicht, dass die Trassenplanung aus dem Landesraumordnungsprogramm herausgenommen wurde und beschlossen wurde, ein eigenständiges Planfeststellungsverfahren auf den Weg zu bringen. Das war der erste wichtige Etappensieg.

BZ: Wie ging es dann weiter?


Ebbighausen: Wir haben das Glück, dass wir im Wahlkreis des Bundesumweltministers Siegmar Gabriel wohnen, und wir haben über Kontakte erreicht, dass Herr Gabriel hier nach Seesen gekommen ist und an einem presseöffentlichen Gespräch am Runden Tisch mit dem Eon-energy-Vorstand Dr. Maubach und der gesamten Geschäftsführung der Eon-NetzGmbH teilgenommen hat. Und als Ergebnis ist ein Arbeitskreis mit Eon, mit Kommunen, mit Bürgerinitiative geschaffen worden, um diese Trassenplanung noch einmal näher zu beleuchten. Und in dieser ersten Arbeitskreissitzung hat Umweltminister Gabriel ein Gutachten präsentiert, was besagt, dass das Land die Gesetzgebungskompetenz habe, ein eigenes Teil-Erdverkabelungsgesetz zu machen. Dem hat sich dann auch Herr Wulff nicht entzogen.


Und wir haben sogar Gabriel und Wulff, die ja nicht die allerbesten Freunde sind an einen Tisch bekommen. Und beide haben dann gemeinsam das niedersächsische Erdkabelgesetz auf den Weg gebracht, das im Dezember verabschiedet wurde. Es wird sich aber zeigen müssen, ob das Gesetz nicht ein zahnloser Papiertiger ist.

BZ: Was können Sie Menschen in unserer Region, die über einen Protest nachdenken, raten?

Ebbighausen: Interessierte Bürger müssen sich zusammentun und informieren. Es gibt inzwischen ein gutes BI-Netzwerk in Niedersachsen, das findet man im Internet, dort kann man sich schlau machen und sicherlich Hilfe erhalten. Und ganz wichtig: Das Thema muss über die Politik und über die Presse erst einmal nach vorne gebracht werden.

 
 
 
DATEN UND FAKTEN
Meilensteine der Energieversorgung in Deutschland
Im Jahr 1882 geht die erste deutsche Blockstation von Paul Reißer in Stuttgart in Betrieb.
Sie lieferte Strom für 30 Glühlampen.

1884 gründet sich das erste öffentliche Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die AG Städtische Elektrizitätswerke Berlin.
Das erste größere Drehstromkraftwerk auf Wasserkraftbasis wird 1891 in Heilbronn eingeweiht.

Die Gesamtleistung der deutschen E-Werke betrug damals 11,6 Mega-Watt.

1898: In Essen wird die Rheinisch Westfälische Elektrizitätswerk AG (RWE) gegründet.

1911: Bau der ersten deutschen 110-kV Leitung von Lauchhammer nach Riesa (Länge: 56 Kilometer).

Im Jahr 1912 wurde der erste Stromtarif mit Grundgebühr (in Potsdam, Grundgebühr nach Zimmerzahl) eingeführt.

1925: Gründung der Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW).

Im Jahr 1930 verbraucht der deutsche Durchschnittshaushalt 5 Kilowatt Strom pro Monat.

1957 wird die erste deutsche 380-kV-Leitung von RWE in Betrieb genommen.

1966 wird das erste deutsche Kernkraftwerk in der BRD in Gundremmingen fertiggestellt.

1983 geht das Photovoltaikkraftwerk auf der Nordseeinsel Pellworm in Betrieb .

Im selben Jahr wird die Stromerzeugung durch Windkraftanlagen gestartet. 1999 wird durch die Änderung des Energiewirtschaftsgesetz der Strommarkt geöffnet.Quelle:Martin Roscheisen
 
 
 
HINTERGRUND
"Erdkabel keine Alternative"
 
Wir stehen ganz am Anfang unserer Planungen", betont RWE-Sprecherin Julika Gang auf BZ-Anfrage. Zwischen Wesel und Meppen soll die neue 380.000-Volt-Leitung möglichst auf dem jetzigen Trassenverlauf installiert werden. Dabei könne aber auch noch die eine oder andere örtliche Variante in die Planungen mit einfließen. Nach jetzigem Kenntnisstand werde die Errichtung der neuen, stärkeren Leitung rund 130 Millionen Euro kosten. Das macht etwa eine Million Euro pro Kilometer. Das letzte, etwa 70 Kilometer lange Teilstück der Stromlinie Wesel-Diele auf niedersächsischem Gebiet werde von der Eon geplant und betrieben.

Insgesamt werde die RWE Transportnetz Strom GmbH bis 2017 fast drei Milliarden Euro in den Ausbau des Höchstspannungsnetzes investieren, hatte das Unternehmen angekündigt. "Mit diesen Milliardeninvestitionen machen wir unser Netz fit für die Zukunft", so Dr. Klaus Kleinekorte, Geschäftsführer der RWE Transportnetz Strom.
Im Planungs- und Ausführungsverfahren sei RWE "um einen Konsens mit den Kommunen bemüht", wie Julika Gang betont.

Die Bevölkerung werde in den einzelnen planrechtlichen Verfahren eingebunden, Planungen werden öffentlich ausgelegt, wie es allgemein üblich ist. Über spezielle Besonderheiten vor Ort und über Wünsche einzelner Kommunen sei mit der RWE immer zu reden.

Der Alternative einer Kabelverlegung im Erdreich steht die RWE Transportnetz Strom aber verhalten gegenüber. Nicht nur, dass ein Erdkabel bei der Installation abhängig von landschaftlichen und topografischen Voraussetzungen vier- bis zehnmal so teuer wie eine Überlandleitung sei, auch über die Langzeitqualitäten von Erdkabeln gebe es weltweit "noch wenig Erfahrung", so Gang. Darüber hinaus dauere die Fehlersuche bei Erdkabeln deutlich länger.

Außerdem bedeute die Verlegung eines Höchstspannungskabels im Erdreich unterm Strich einen größereren Eingriff in die Landschaft. Ohne zusätzliche so genannte Kompensationsstationen käme man nicht aus, so die Unternehmenssprecherin. Gemessen an den derzeit verfügbaren Erkenntnissen, müsse man bei der Erdreich-Variante davon ausgehen, für viel mehr Geld eine schlechtere Technik zu bekommen.

Die Masten, die die neue 380.000-Volt-Leitung tragen sollen, würden im Schnitt etwa 50 Meter hoch gebaut werden, so die RWE-Sprecherin.-era
 
 
 
  
Borkener Zeitung, 16.3.2008
 
Protest gegen geplanten Ausbau der Freileitung
 
 
Raesfeld (geg). Angesichts des geplanten Baus einer 380.000-Volt-Überlandleitung von Wesel nach Meppen auch auf Raesfelder Gebiet hat sich eine Interessengruppe um Gaby Bischop, Georg Fasselt und Paul Wissing gebildet, die sich gegen das Vorhaben aussprechen. "Der Ausbau der Überlandleitung durch die RWE kann und darf nicht hingenommen werden", so das Trio. Einen Nachweis, dass eine Erweiterung überhaupt notwendig sei, habe die RWE bisher nicht erbracht, sagen die drei. Es gebe Alternativen, so etwa die Erdverkabelung und regionale Energieversorgung.

Diese geplante Trasse soll durch das Gemeindeareal führen, vorbei an Wohngebieten, Häusern und dem Gewerbegebiet, so die Informationen auf einem Flugblatt. Die Strommasten sollen 50 Meter hoch sein, und zu den bereits vorhandenen Leitungen sollen sich weitere und dickere hinzugesellen.
Das Trio hat bereits etliche Unterschriften gegen das geplante Vorhaben der RWE gesammelt, die Bürgermeister Udo Rößing überreicht werden sollen. Am Samstag besuchte dieser neben vielen Politikern unterschiedlicher Parteien in der Gemeinde den Infostand am Rewe-Geschäft Auch interessierte Bürger machten am Stand Halt, um sich bei Fasselt und Bischop zu informieren und sich in die Unterschriftenliste einzutragen.

Fasselt berichtet, dass der Bauauschuss in Gescher sich jüngst gegen die Errichtung ausgesprochen habe. Der Raesfelder Bauausschuss diskutiert Anfang April über den geplanten Ausbau.
 
 
Dorstener Zeitung, 26. 3. 2008
 
Raesfelder reagieren elektrisch auf Pläne der RWE
Von Klaus-Dieter Krause am 25. März 2008 17:57 Uhr
RAESFELD Die RWE will ihr Leitungsnetz ausbauen – und die Anwohner in Raesfeld stehen schon vorher „unter Strom“.

Weil künftig nördlich ihres Raesfelder Wohngebietes statt 220 kV- nun 380 kV-Kabel vorbeiführen sollen, wehren sich Betroffene schon jetzt aus Furcht vor Elektrosmog gegen die geplante zusätzliche Überlandleitung. Sie soll die Stromerzeugung der Nordsee-Windenergie in die Ballungsräume des Rhein-Ruhr-Gebietes transportieren.
Berthold Fasselt, Gaby Bischop und Paul Wissing sind emsig dabei, Unterschriften gegen das RWE-Projekt zu sammeln. Die Listen sollen im Vorfeld der Bauausschuss-Sitzung übergeben werden, auf der Anfang April das Ausbau-Vorhaben diskutiert wird. Ihre Bedenken gegen die Pläne hat die Gemeinde schon vorab bei der Bezirksregierung angemeldet. Lieber würde es in Raesfeld gesehen, wenn die Leitung als Erdkabel verlegt würde. Dies lehnt der Strom-Konzern jedoch als „zu teuer“ ab.
Die Erfolgsaussichten eines Raesfelder Widerspruchs sind auch deshalb begrenzt, weil das Erweiterungs-Vorhaben des Stromversorgers bereits im Flächennutzungsplan verankert ist. Außerdem hat die Gemeinde Raesfeld nur Anspruch darauf, gehört zu werden, kann aber letztlich nicht mitentscheiden.


Gehör verschaffen

Gerade deshalb wollen sich die betroffenen Bürger überregional Gehör verschaffen. Schließlich hat auch Gescher den Leitungsbau bereits abgelehnt. Sollte die Landespolitik nicht dem Beispiel aus Niedersachsen folgen, wo Erdleitungen strikt vorgeschrieben sind, bliebe schließlich noch der Klageweg, falls ein Prozess über Spenden finanziert werden könnte. Berthold Fasselt: „Wir haben die Adresse eines sehr guten Fachanwaltes.“ 

 

 Borkener Zeitung, 27.3.2008

Gemeinde und Bürger ziehen an einem Strang
 
Raesfeld (lie). Insgesamt 600 Bürger Raesfelds haben sich mit ihren Unterschriften gegen eine Hochspannungsleitung (380 Kilovolt statt 220 Kilovolt) ausgesprochen, die der Stromkonzern RWE im Westmünsterland plant. Die Verwaltung hat ebenfalls Bedenken gegen dieses Vorhaben geäußert gegenüber der Bezirksregierung. Der Planungsausschuss der Gemeinde wird sich am 7. April mit diesem Thema befassen. Eine Stromleitung in der Erde verursache kein Strahlungsfeld und auch die elektromagnetische Strahlung sei geringer, argumentierte Gaby Bischop gestern Nachmittag bei der Übergabe der Unterschriftenliste im Büro des Bürgermeisters. Paul Wissing erklärte, diese Technik sei fast identisch vom Preis her mit einer Oberleitung. Die RWE hatte von einem Vielfachen der Kosten gesprochen. Die Interessengruppe will wisen, ob eine neue Leitung überhaupt notwendig ist und wenn ja, dann solle sie weitläufig um Raesfeld herum führen oder als Erdkabel verlegt werden.


Bürgermeister Udo Rößing erklärte, die Verwaltung der Gemeinde Raesfeld sehe durch die Planung der RWE ihre Entwicklungs-Optionen beeinträchtigt. Am 13. Februar habe die Verwaltung auf Anfrage der Bezirksregierung dieser ihre Bedenken mitgeteilt. Eine Freileitung tangiere das Gewerbegebiet nördlich Raesfelds, und auch der Abstand der Trasse zur Siedlung Brink westlich Raesfelds sei gering. Ein Erdkabel sei besser oder alternativ eine Verschiebung der geplanten Trasse nach Norden.
 

 

 Dorstener Zeitung, 27.3.2008

Protest mit 600 Unterschriften untermauert
Von Klaus-Dieter Krause am 26. März 2008 17:21 Uhr
RAESFELD "Wir haben fast nur Zustimmung gefunden!" Außer 600 Unterschriften gab es für Gaby Bischop, Paul Wissing und Berthold Fasselt viele freundliche Gespräche und reichlich Zuspruch, den Protest gegen eine neue RWE-Überlandleitung von Meppen nach Wesel noch zu intensivieren.

Wie berichtet ist nach den vorliegenden Plänen, die "bis spätestens 2015" realisiert werden sollen, derzeit vorgesehen, entlang einer alten Leitung noch höhere Strommasten (60 m statt 30 m) für eine neue 380 000 Volt-Leitung zu errichten. Und das am Rande eines Gewerbegebiet und nahe der Wohnbebauung im Norden Raesfelds.

Kein Wunder, dass die Anwohner mit ihren Unterschriften die Forderung bekräftigen, dass der Stromkonzern seine neue Überland-Leitung weiträumig um Raesfeld herumführen und als Erdkabel verlegen soll.

Bürgermeister äußert Bedenken

Dafür plädiert auch Bürgermeister Udo Rößing, der im Rathaus die Unterschriftenlisten entgegennahm: "Ich habe meine Bedenken gegen das Vorhaben bereits schriftlich geäußert und dabei darauf hingewiesen, dass uns so städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten genommen würden. Schließlich ist vorstellbar, dass es eines Tages sinnvoll sein könnte, sowohl das Gewerbegebiet wie den Wohnbereich gerade dort zu erweitern." Rößing geht davon aus, dass sich der Planungsausschuss dieser Auffassung anschließt. Das Ratsgremium wird sich am 7. April ab 17 Uhr in öffentlicher Sitzung mit der Problematik befassen.

   Borkener Zeitung, 29.3.2008

Löchte wird nicht berücksichtigt
 
In Ihrem Artikel vom 27. März 2008: „Gemeinde und Bürger ziehen an einem Strang“ schreiben Sie, dass sich auch die Gemeinde Raesfeld für Erdverkabelung und Trassenverschiebung hinsichtlich der von der RWE geplanten Überlandleitung ausspricht.
Wir begrüßen es sehr, dass die Gemeinde die Belange der Bürger ernst nimmt. Leider vermissen wir in der Stellungnahme des Bürgermeisters jedoch den Bezug zur Siedlung Löchte. „Eine Freileitung tangiere das Gewerbegebiet nördlich Raesfelds, und auch der Abstand der Trasse zur Siedlung Brink westlich Raesfelds sei gering“, wird Herr Rößing zitiert. Was ist jedoch mit dem Wohngebiet Löchte? Was ist mit unseren Kindern? Sollen wir alle krank werden? Wir wohnen nicht einmal 30 Meter von den derzeitigen Strommasten entfernt. Für uns wäre es eine noch unzumutbarere Belastung, wenn - wie geplant - 60 Meter hohe Kolosse mit 380.000 Volt installiert würden.
Die Gemeinde Raesfeld sollte sich dafür einsetzen, dass auch die Löchte in den Planungen berücksichtigt und eine weiträumigere Trassenverschiebung um Raesfeld (und dazu gehört auch die Löchte) einschließlich einer Erdverkabelung erreicht wird.
 
Leserbrief von Bernadette Schütte und Hedwig Uhrmann
 
Borkener Zeitung, 8.4.2008
 
An einem Strang ziehen
  
Und die "Freileitungsgegner" durften mit Genugtuung verfolgen, dass sich die Verwaltung wie auch die Politiker aller vertretenen Parteien ebenfalls gegen die Erneuerung der Überlandleitung aussprachen. Der Ausschuss plädierte einstimmig für eine Erdverkabelung, aber nicht auf der bestehenden Trasse. Ein Erdkabel dort könne später eine städtebauliche Entwicklung auf der westlichen Seite des Gemeindegebietes behindern. Zweitens will sich Raesfeld dafür einsetzen, im Genehmigungsverfahren ein Raumordnungsverfahren dem Planfeststellungsverfahren voranzustellen. Drittens will die Politik die Landtags- und Bundestagsabgeordneten für das Thema gewinnen, damit diese in Düsseldorf und Berlin die politischen Interessen der Schlossgemeinde in dieser Frage vertreten.

Sollte die Erdverkabelung nicht realisierbar sein aus welchen Gründen auch immer müsse alles daran gesetzt werden, dass die Trasse einer neuen, stärkeren Überlandleitung deutlich Richtung Ortsrand verschoben werde. Durch neue höhere Masten leide das nicht nur für die touristische Entwicklung der Schlossgemeinde wichtige Landschaftsbild, waren sich die Politiker einig.
 Einig sind sie sich aber auch darüber, dass die Einflussnahme der Gemeinde auf die Planungen durch das Energiewirtschaftsgesetz des Bundes doch arg begrenzt sei. Eine Gesetzesänderung in Richtung Erdverkabelung, wie in Niedersachsen und Thüringen vollzogen, sei für NRW und auch auf Bundesebene nicht in Sicht. Zuständig für das Genehmigungsverfahren sind die beteiligten NRW-Bezirksregierungen Düsseldorf und Münster. Düsseldorf habe sich bereits entschlossen, auf ein gesondertes Raumordnungsverfahren zu verzichten, Münster beteilige zurzeit die betroffenen Kommunen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Bauamtsleiter Theo Passier unterrichtete zu Beginn der Debatte den Ausschuss darüber, dass die RWE unterdessen auf die Nachfragen der Gemeinde geantwortet habe. Viel Neues beziehungsweise Detaillierteres zu den Trassenplanungen und der Ausstattung sei allerdings nicht dabei herausgekommen. Laut RWE sollen die derzeitigen Masten mit Höhen zwischen 34 und 40 Metern abgebaut und durch bis zu 53 Meter hohe Stahlmasten ersetzt werden. Der Schutzabstand soll 350 bis 400 Meter betragen. Die neuen Masten erfordern einen Abstandskorridor von 32,5 Meter Breite.

Arno Berning (CDU) sprach sich für eine konzertierte Aktion der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden aus. Mit dem politischen Widerstand wolle man nicht die Versorgungssicherheit infrage stellen vielmehr sei auf einen schonenden Umgang mit der Landschaft zu achten. Und da sei ein Erdkabel die bessere Lösung, betonte er. Auch Rupert Koller, (UWG), Roland Stamm (SPD) und Holger Lordieck (Grüne) plädierten pro Erdkabel. Gesundheitsgefährdungen, die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und die vehemente Technologieentwicklung sprächen eindeutig gegen die Stahlkolosse. Ob sie in Zukunft überhaupt noch für den Stromtransport gebraucht werden, sei mehr als fraglich.

Die "Raesfelder Initiative 380 kV" plant für den Mai derzeit eine Podiumsdiskussion mit Politikern und Fachleuten. In Borken hat sich jetzt ebenfalls eine Interessengruppe gegen die Planungen gegründet.
 

 KOMMENTAR
Ab in die Erde!
 

Einigkeit macht stark das ist eine alte Weisheit mit Dauergültigkeitsvermerk. Einigkeit haben Politik und Verwaltung auch in Sachen 380.000-Volt-Leitung bewiesen und den Plänen des Stromriesen RWE eine Abfuhr erteilt gleichwohl im Wissen, dass die Möglichkeit ihrer Einflussnahme und die gesetzmäßig festgelegte Beteiligung im Planungsverfahren eher gering sind. Umso besser ist es, dass sich Raesfeld stark macht gegen die Aufstellung neuer bis zu 53 Meter hohe Stahlkolosse und stattdessen klipp und klar für eine Erdverkabelung plädiert. Damit liegen die Ratsparteien, die Rathaus-Spitze und die "Raesfelder Initiative 380 kV" auf einer Wellenlänge.


Kann sich der Stromriese mit seinen Planungen durchsetzen, dann wäre das ein Schritt in die falsche Richtung. So schön kann kein noch so moderner Strommast sein, dass er beispielsweise dem Schlossturm (52,5 Meter über N.N.) auf Augenhöhe Konkurrenz machen sollte. Und: Betrachtet man die technologische Entwicklung der Stromversorgung in Deutschland insbesondere in den vergangenen zwei Jahrzehnten sind berechtigte Zweifel erlaubt, ob ein Stromtransport "über Land" nicht schon in 20 Jahren völlig überholt sein wird.
 Wollen Politik und Wirtschaft zukunftsweisend handeln, sollten sie auf Alternativen zu den Stahlkolossen setzen.Edgar Rabe
Wollen Politik und Wirtschaft zukunftsweisend handeln, sollten sie auf Alternativen zu den Stahlkolossen setzen.     Edgar Rabe
  

ZITATE

 

Aus der Debatte
 
"Wir müssen jetzt die Chance nutzen, die Stahlmonster loszuwerden."
Rupert Koller (UWG)

"Wir sollten versuchen, gegen die Stromlobby anzugehen."
Roland Stamm (SPD)

 "Die Bezirksregierung sagt, dass die heute gültigen Grenzwerte eingehalten werden."
Bauamtsleiter Theo Passier

"Ich möchte auf keinen Fall unter einer Hochspannungsleitung arbeiten oder wohnen müssen."
Jochen Welsing (CDU)

"Schröder und Clement sind für die EVUs unterwegs. Die Konzerne haben eine starke Lobby."
Reinhard Nießing (CDU)


 Borkener Zeitung, 12.4.2008

 Entlang der A 31
 

Raesfeld (era). 600 Unterschriften gegen die Stromleitungspläne der RWE haben Raesfelder Bürger in die Listen der "Raesfelder Initiative 380 kV" eingetragen. Die Politik und die Rathausführung stehen hinter den Skeptikern (die BZ berichtete). In einer Tischvorlage zum jüngsten Planungsausschuss hat die Initiative um Gaby Bischop und Paul Wissing weitere Forderungen und Anregungen für das angelaufene Planungsverfahren formuliert:

Die Raesfelder Initiative fordert unter anderem, dass die RWE zunächst einen Nachweis über die Notwendigkeit eines Trassen-Ausbaus erbringt. Als Alternativen zu den Neubauplänen der RWE hält die Initiative einen Abbau der 220.000-Volt-Trasse und die Integration der Leitungen in andere Trassen für möglich. Auch eine Erdverkabelung im weiträumigen Abstand zum Raesfelder Siedlungsbereich hält sie für besser. Außerdem müsse auch über eine völlig andere Trassenführung nachgedacht werden. So wäre eine Erdverkabelung entlang der A 31 bis zur B 67n (und von dort aus über Rhede nach Wesel) eine Alternative. Man könne, so die Initiative, die Leitung entlang der Autobahn auch bis zur Anschlussstelle "Schermbeck" und von dort aus parallel zur B 58 nach Wesel weiterführen. Die Initiative bezieht sich bei ihrer Argumentation auf den Regionalplan, der ausdrücklich raumsparende und gebündelte Leitungsplanung fordere.
 


 Borkener Zeitung, 23.4.2008

Konzertiertes Vorgehen angestrebt
 
Damit sei die Münstersche Behörde "den für sie bequemsten Weg gegangen", betonen die beiden Initiativen. Diese Vorgehensweise nennen die Leitungskritiker einen "gefährlichen und verantwortungslosen Weg".


"Wir haben mittlerweile auch Verbindung zu anderen Initiativen in Thüringen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aufgenommen", erklärt Gaby Bischop von der Raesfelder Initiative. Eine gemeinsame Petition von "Bürgerinitiativen für einen umweltfreundlichen Energietransport in Deutschland" soll in Kürze in Berlin übergeben werden. Darin wird unter anderem der Planungsstopp für zurzeit im Genehmigungsverfahren befindliche Strecken gefordert. Darüber hinaus macht sich die Bürgerinitiativen dafür stark, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft intensiver neue Erkenntnisse über Möglichkeiten der Optimierung vorhandener Netze berücksichtigen sollten.
  

Deutliche Zweifel artikulieren Neubau-Gegner auch an der Begründung der Stromkonzerne, die Anbindung von Off-Shore-Windkraftwerken mache eine höhere Leitungskapazität nötig. Die wirtschaftlichen Prognosen von Betreibern sprächen eine andere Sprache. So gebe die European Wind Energy Association (EWEA) Kapazitätssenkungen bis zum Jahr 2020 bis zu 50 Prozent an, heißt es in der Petition.

Für die Raesfelder und Borkener Leitungskritiker heiße es in der nächsten Zeit weiter, Mitbürger für ihre Ideen zu gewinnen, betonten Sven Schwadmann (Borken), Gaby Bischop und Berthold Fasselt (beide Raesfeld) bei ihrem jüngsten Arbeitstreffen. Besonders die direkten Anlieger der jetzigen und zukünftigen Leitungen längs der Trasse wolle man verstärkt ansprechen. Die gemeinsame Erklärung im Wortlaut lesen Sie unter www.borkenerzeitung.de/lokales/kreis_borken/raesfeld/

Die Homepage der Initiative ist zu finden unter: http://380kvraesfeld.npage.de
 
 
 Borkener Zeitung, 3.5.2008
 
Mit Betttüchern der RWE die Stirn bieten
 
Mobil gemacht hatte die "Raesfelder Initiative 380 kV", und viele fleißige Hände hatten in den Tagen zuvor Betttücher beschriftet und bemalt. Mit dieser Aktion wollten sie auf ihr Anliegen aufmerksam machen, statt der von dem Stromkonzern RWE geplanten an Raesfeld vorbeiführenden Freileitung eine Trassenverschiebung und Erdverkabelung zu erreichen.

Die Bezirksregierung Münster hatte vor kurzem ein Raumordnungsverfahren verweigert (die BZ berichtete), das zu einer deutlich anderen Trassenführung, etwa entlang der A 31 hätte führen können, heißt es in der Pressemitteilung der Initiative. Stattdessen könne die RWE nunmehr auf der bisherigen 220-kV-Trasse auf 380.000 Volt und Masten mit der Höhe von rund 60 Metern aufstocken, heißt es weiter. Aufgeben will die Initiative nicht. Noch bestehe Hoffnung, dass die Bezirksregierung ihren Beschluss zurücknehmen muss. "Wichtige Faktoren sind bei der Entscheidung überhaupt nicht berücksichtigt worden", sagte Paul Wissing, einer der Sprecher der Initiative. So seien Trassenalternativen, die sich im Sinne des Regionalplans an Zäsuren im Raum wie etwa an Verkehrswegen anlehnen, nicht ernsthaft geprüft worden. "Die Bezirksregierung ist den für sie bequemsten Weg gegangen", so Wissing.
  Am Montag sollen sich Landrat Gerd Wiesmann und die Bürgermeister der Gemeinden treffen, um das Thema auch auf der kreispolitischen Ebene zu erörtern, teilt die Initiative weiter mit. 

 

 Dorsten, 06.05.2008

 Auch Donald ist fürs Eingraben
 
Bürgerinitiative protestiert gegen Pläne für Stromleitung.Bürgermeister aus dem Kreis stehen hinter Anwohner-Forderungen

Raesfeld. "Es ist besser, wir graben ihn ein", meint Donald Duck und weist zum Strommast. Mit seiner Meinung steht er nicht alleine. Der humorige Beitrag auf einem Bettlaken am Vennekenhof stammt von der Raesfelder Bürgerinitiative "380 kV".

Den Feiertag am 1. Mai nutzten die Bewohner der Ortsteile Löchte und Brink, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen: Die geplante 380-kV-Leitung der RWE möchten sie nicht an Strommasten über Land sehen, nahe an ihren Wohngebieten, sondern lieber unter der Erde.

Eine ganze Reihe entsprechend beschrifteter Bettlaken postierten die rührigen Bürger, die schon 600 Unterschriften in dieser Sache gesammelt haben, jetzt an verschiedenen Hochleitungsmasten.

In der vergangenen Woche erfuhren sie, dass die Bezirksregierung Münster nicht in ihrem Sinne eingreifen möchte in die Pläne des Elektrizitätswerks, das die Masten und die Voltzahl deutlich erhöhen will. Derzeit verläuft nur eine 220 kV-Trasse im Nordwesten von Raesfeld. Aus Münster erhielten Gemeinde und Bürgerinitiative Bescheid, ein prüfendes "Raumordnungsverfahren" werde es nicht geben.

Bedenken gegen die RWE-Pläne kursieren indessen. Widerstand regt sich auch in den anderen sechs von der Planung betroffenen Kommunen im Kreis: in der Stadt Borken, in Gescher, Velen, Legden, Schöppingen und Stadtlohn.

Die Gemeinde Raesfeld fasste bereits folgenden Beschluss: Sie spricht sich für eine unterirdische Verlegung aus. Zumindest solle die Leitung aber entfernt bleiben von bewohnten Ortsbereichen.

Verwirklicht werden sollen die Bauabsichten der "RWE Energy AG" zwar erst bis 2015. Aber schon im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens wollen Kreis und Kommunen nun ihr Anliegen deutlich machen und sich gemeinsam für Erdverkabelung in sensiblen Bereichen und das Abrücken von der Wohnbebauung einsetzen.

Am Montag trafen sich die Bürgermeister der Gemeinden in Borken mit Landrat Gerd Wiesmann, um das Thema zu erörtern. Vereinbart wurde, dass der Landrat bis zum Ende dieser Woche schriftliche Stellungnahmen der einzelnen Kreisgemeinden in Empfang nehmen und dann das Gespräch darüber mit RWE suchen wird. ube

 

 Borkener Zeitung, 8.5.2008

Protest erreicht Berlin
 
Raesfeld (era). Wie bereits angekündigt, hat sich die "Raesfelder Initiative 380 kV" mit weiteren Interessengruppen zusammengeschlossen, um eine Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags zu richten. Das ist jetzt geschehen. Die "Bürgerinitiativen für einen umweltfreundlichen Netzausbau in Deutschland" haben eine Petition formuliert, "in der wissenschaftlich und technisch fundierte Lösungsansätze für einen umweltfreundlichen und wirtschaftlich vertretbaren Stromnetzausbau vorgestellt werden, die anstelle des vom Bundeswirtschaftsministeriums geplanten Netzausbaubeschleunigungsgesetzes umgesetzt werden sollen", teilen die Raesfelder Leitungsbau-Kritiker mit. Neben einem Begleitschreiben ist diese Petition am 5. Mai auch an alle Abgeordneten des Bundestages geschickt worden, heißt es weiter.


Zu den Unterzeichnern gehören neben mehr als 30 Bürgerinitiativen aus Hessen, Niedersachsen, Bayern und Thüringen auch die "Raesfelder Initiative 380 kV" und die "Interessengemeinschaft hochspannungsfreies Wohnumfeld Borken".
 

Die Leitungsbau-Kritiker zweifeln in ihrer Petition unter anderem die Notwendigkeit des Baus neuer Überlandleitungen, wie er in der dena-Netzstudie I befürwortet werde, an. Einerseits könne durch den Einsatz verbesserter Kabel der Energieverlust deutlich gesenkt werden, andererseits bezweifeln die Kritiker, ob der angegebene Mehrbedarf durch die Produktion von Windkraftstrom überhaupt stimme. Die Petition im Wortlaut unter www.borkenerzeitung.de/lokales/kreis_borken/raesfeld/

 

Dorstener Zeitung, 18.5.2008
 

Protest-Laken verschwunden
am 18. Mai 2008 14:46 Uhr
RAESFELD Unbekannte haben in der letzten Woche sämtliche Bettlaken von den Strommasten entwendet, die zu der westlich an Raesfeld vorbeiführenden 220.000 Volt-Trasse gehören.

Am 1. Mai hatte die „Raesfelder Initiative 380 kV“ die Tücher aufgehängt, auf denen mit Bildern und Sprüchen gegen die vom Stromkonzern RWE geplante Aufstockung der Trasse protestiert wurde. Ob die RWE ihre Hände beim „Raub der Bettlaken“ im Spiel hatte, ist nicht bekannt.

Die „Raesfelder Initiative 380 kV“ bedauert den Vorfall, trägt ihn jedoch mit Humor. Sie bittet die Bevölkerung um Spenden von alten Betttüchern, „gern auch bereits entsprechend beschriftet und bemalt“ – so Gaby Bischop. „Wir wollen auch in Zukunft der RWE unsere Meinung sagen, frei nach dem Motto: Unsere Trasse soll schöner werden!“

Borkener Zeitung, 26.6.2008
 
Pro Erdkabel
Raesfeld (pd/era). Die Sprecher der "Raesfelder Initiative 380 kV" und der "Interessengemeinschaft hochspannungsfreies Wohnumfeld Borken", Gaby Bischop und Sven Schwardmann, haben sich beim Workshop "Naturschutzfachliche Analyse von küstennahen Stromleitungen" der Uni Duisburg-Essen mit Vertretern von Bundes- und Landesministerien, der beiden Unis, der Stromkonzerne RWE und EON sowie anderen Institutionen-Vertretern ausgetauscht.
Dabei ging es auch um ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben angestoßen vom Bundesamt für Naturschutz , das Lösungen aufzeigen soll, wie der Stromnetz-Ausbau möglichst umweltverträglich gestaltet werden könnte.
 Anhand einer in Schleswig Holstein neuen 110-kV-Leitung wurden die Varianten einer Erdverkabelung und einer Freileitung in Bezug auf die Gesamtheit ihrer Umweltwirkungen miteinander verglichen. Als Ergebnis dieser vergleichenden Untersuchung wurde die Erdverkabelung als die deutlich umweltverträglichere Variante bewertet, heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Initiativen. Die Ergebnisse der Kostenanalyse zeigten, dass in dem untersuchten Streckenabschnitt von Mehrkosten im Verhältnis von 1,3 zu 1 ausgegangen werden könne.
Zum Abschluss des Workshops wurden die Ergebnisse der Studie insbesondere von den Vertretern der Energiekonzerne sehr hitzig und strittig diskutiert. Gaby Bischop und Sven Schwardmann zogen dennoch ein positives Fazit aus der Tagung: Die Annahme größerer Umweltverträglichkeit von Freileitungen im Vergleich zu Erdverkabelungen, wie es nach Initiativangaben die Bezirksregierung Münster in ihrem Bescheid im Rahmen eines raumplanerischen Verfahrens für die geplante 380- kV-Leitung mitgeteilt hatte, sei nicht zutreffend. Angaben der großen Energiekonzerne, wonach Erdverkabelungen ein Vielfaches einer Freileitung kosten, hätten sich als nicht haltbar erwiesen, heißt es weiter. Da die Akzeptanz von Freileitungen in der Bevölkerung sehr gering sei, sei der Gesetzgeber nun aufgefordert, ein bundesweit gültiges Erdverkabelungsgesetz zu verabschieden.

 
Borkener Zeitung, 27.6.2008
 

 Gelegenheit nutzen
 Raesfeld. Die "Raesfelder Initiative 380 kV" und die "Interessengemeinschaft hochspannungsfreies Wohnumfeld Borken" haben jetzt mit Landrat Gerd Wiesmann und weiteren Kreisvertretern über die Leitungsneubau-Planungen der RWE gesprochen. Im Rahmen des Gedankenaustausches im Kreishaus haben die Initiativen auch auf den jüngsten Bundeskabinettsbeschlusses hingewiesen, so die Sprecherin der Raesfelder Initiative, Gaby Bischop. Das Kabinett hatte Mitte Juni im Zusammenhang mit dem Energieleitungsausbaugesetz auch entschieden, den Einsatz von Erdkabeln im Höchstspannungs-Übertragungsnetz im Rahmen von vier Pilotprojekten zu ermöglichen. Ein Pilotprojekt ist auch für die Trasse Meppen-Wesel (Diele-Niederrhein) vorgesehen. Ob auch im Kreis Borken ein Trassenabschnitt für Erdverkabelung infrage komme, stehe noch nicht fest. Die Initiativen würden dies begrüßen. Sie baten den Landrat, die Bürgermeister und Ministerin Thoben, die Gelegenheit zu nutzen und sich dafür einzusetzen, dass auch im Kreis Borken im Rahmen des Pilotprojektes die Leitungen als Erdverkabelung verlegt werden. Die Bürgermeister verhandeln zunächst separat mit der RWE.siehe Kreisseite

 Borkener Zeitung, 23.8.2008

 Was ist Elektrosmog?


 
Können elektromagnetische Wellen auf die Dauer krank machen? Dieser und andere Fragen rund um die Themen "Elektrosmog" und "Stromtransport" widmen sich zwei Veranstaltungen am 4. September und am 2. Oktober in Raesfeld.
Können elektromagnetische Wellen auf die Dauer krank machen? Dieser und andere Fragen rund um die Themen "Elektrosmog" und "Stromtransport" widmen sich zwei Veranstaltungen am 4. September und am 2. Oktober in Raesfeld.
(Foto: Bundesministerium für Umwelt)

 

 
Raesfeld (era). "Elektrizität bestimmt unseren Alltag. Ein Leben ohne Spannung und Strom ist undenkbar. Strom sorgt für Licht, Wärme, Nahrungszubereitung, Musik. Funkwellen übertragen Nachrichten weltweit. ..." Die umfassende Elektrifizierung habe eben auch eine Kehrseite, betont die Raesfelder Initiative 380 kV Elektrosmog. Gemeinsam mit der Interessengemeinschaft hochspannungsfreies Wohnumfeld Borken und der Bürgerinitiative gegen einen Ausbau der 220-kV-Leitung zur 380-kV-Leitung Legden lädt die Raesfelder Gruppe zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Elektrosmog am Donnerstag, 4. September, von 19.30 bis 21.30 Uhr in den Saal Epping ein.

An diesem Abend wird Diplom-Ingenieur Joachim Gertenbach, Baubiologe und Umweltanalytiker aus Wuppertal, über Entstehung von Elektrosmog sowie seine möglichen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus und die Gesundheit informieren. In der Veranstaltung möchte der Referent auch darüber informieren, durch welche Maßnahmen man sich gegen Einfluss elektromagnetischer Wellen schützen kann. Dabei wird der Experte zunächst den häuslichen Bereich beleuchten und aufzeigen, wie eine Strahlung durch elektrische Gerätschaften im Alltag verringert oder gänzlich verhindert werden kann.

Dem Referat von Joachim Gertenbach wird sich eine Talkrunde unter Einbeziehung des Publikums anschließen, in der noch offen gebliebene Fragen beantwortet werden.

Am Donnerstag, 2. Oktober, findet im Saal Epping eine Podiumsdikussion zum Thema "Menschen- und umweltgerechter Stromtransport im Kreis Borken" statt. Nach einem Kurzvortrag von Professor Lebrecht von Klitzing werden der Elektrosmog-Experte gemeinsam mit Borkens Bürgermeister Rolf Lührmann sowie Vertretern von Energieversorgern, Technologiekonzernen und der Bundesinitiative für einen umweltfreundlichen Netzausbau miteinander auch über Erdverkabelung diskutieren.
  Borkener Zeitung, 1.9.2008

Kostenlose Werbung für die RWE
 
In einer ganzseitigen Reportage „Drahtseilakt mit dem Hubschrauber“ (vom 30.8.2008) wird über die Sichtprüfung der Hochspannungsleitungen mit dem Hubschrauber durch den Stromkonzern RWE berichtet – und das in einer Art und Weise, die an ein Kino-Abenteuer erinnert: Ein Foto zeigt den „Kampf“ eines Hubschraubers mit einem Strommasten, im Text ist die Rede von einem „Job in gefährlicher Nähe zu den Hochspannungsleitungen“.
 
Darüber hinaus den Eindruck zu erwecken, die RWE mache „alles richtig“, ist für den Leser nicht nachzuvollziehen angesichts der im November 2005 umgeknickten Strommasten. Auch die Bodenverseuchung durch den bleihaltigen Anstrich von Strommasten gibt ein anderes Zeugnis von der Sorgfalt und den Fähigkeiten der RWE.
 
Überhaupt nicht erwähnt werden die – wesentlicheren - Probleme, Risiken und Gefahren, die von Hochspannungsfreileitungen ausgehen: z.B. die Zerstörung des Landschaftsbildes, große Verluste beim Stromtransport, Elektrosmog und elektromagnetische Strahlen, die Krebs und andere Krankheiten bei Menschen und Tieren auslösen.
 
Angesichts dieser Sachverhalte und der Diskussionen um den von der RWE geplanten Ersatzneubau einer 380.000-Volt-Höchstspannungsleitung kostenlose Werbung mit einer „Wildwest-Story“ zu produzieren, zeugt von Verharmlosung und Gedankenlosigkeit – oder erweist den Einfluss der RWE auf die Medien.
 
Bürgerinitiativen, aber auch die betroffenen Gemeindeverwaltungen im Kreis Borken fordern eine Erdverkabelung dieser 380.000 Volt-Stromtrasse.
Dass die RWE auch von Erdverkabelung etwas versteht, zeigt ein – deutlich kleinerer – Artikel im Lokalteil Velen. Dort wird berichtet, dass die RWE zwei Kilometer Freileitung in die Erde verlegt (wenn auch „nur“ 10.000 Volt-Kabel). Klar ist: Erdkabel sind technisch überhaupt kein Problem und auf lange Sicht kostengünstiger als Freileitungen. Erdkabel nach dem Gleichstromprinzip (HGÜ) sind der Weg zu einem menschen- und umweltverträglichen Stromtransport im Kreis Borken.

 Leserbrief von Paul Wissing

Borkener Zeitung, 6.9.2008

Elektrosmog was ist das?
 

 
Joachim Gertenbach lässt eine Neonröhre durch ein eingeschaltetes Sprechfunkgerät leuchten. Moderator Edgar Rabe verfolgt das Geschehen.
Joachim Gertenbach lässt eine Neonröhre durch ein eingeschaltetes Sprechfunkgerät leuchten. Moderator Edgar Rabe verfolgt das Geschehen.
(Foto: Bosse)

 

 
Raesfeld (bos). Als Diplom-Ingenieur Joachim Gertenbach am Donnerstagabend mit der Antenne eines Sprechfunkgeräts an einer Neonröhre rieb und die Neonröhre zu leuchten begann wurde auch dem Laien deutlich: Elektrizität ist mehr als plus und minus, Phase, Null- und Erdleiter...

Der Baubiologe und Umweltanalytiker war auf Einladung der "Raesfelder Initiative 380kV" sowie der kooperierenden Initiativen aus Borken und Legden in den Saal Epping gekommen. Bei seinem Vortrag machte der Experte aus Wuppertal deutlich, dass, wo Ströme fließen, immer auch elektrische und magnetische Felder entstehen. Ob und in welcher Form solche Felder, Strahlen oder Wellen den Menschen gesundheitlich beeinträchtigen oder vielleicht sogar krank machen könnten, hinge von vielen Faktoren ab. So sei die Wirkungsweise bei jungen und alten Menschen, bei Frauen und Männern sowie bei vorgeschädigten oder gesunden Personen höchst unterschiedlich. Auch komme der Dauer der Belastung eine entscheidende Bedeutung zu. Eine "Verteufelung" allen "Elektrozeugs" liege ihm dabei aber fern.
 

 Gertenbach fokussierte das Thema Elektrosmog zunächst auf die Wirkungsweise in Haushalten. Ob Radiowecker, Nachttischlampe, Fernseher, der Haarfön oder selbst der elektrische Rasierapparat alle elektrisch betriebenen Geräte produzierten elektrische und magnetische Felder. Mikrowelle, das schnurlose Telefon, der Funkwellen- Router für den Internetanschluss und ganz besonders das Mobiltelefon seien bei den Messwerten in der Spitzengruppe.

Und selbst im ausgeschalteten Zustand produzierten viele Geräte noch jede Menge "Elektrosmog", was Gertenbach in Demonstrationen auch darstellte. Dabei seien die magnetische Flussdichten (physikalische Einheit: Tesla) in vielen Fällen um ein Vielfaches höher, als sie beispielsweise für Computer-Bildschirme per Grenzwert erlaubt seien. Als Faustregel nannte Gertenbach: "Schalten Sie aus, was nicht gebraucht wird, benutzen Sie ihr Handy seltener und halten Sie Abstand zu Geräten." In Sachen Handy-Benutzung unterstrich der Umweltanalytiker: "Hier können Eltern Vorbild für ihre Kinder sein." Nicht jedes Telefonat sei wirklich notwendig...

Rund 70 Besucher waren der Einladung gefolgt, und viele von ihnen hatten sehr konkrete Fragen an den Baubiologen. In einer anschließenden Talkrunde mit Moderator Edgar Rabe konnte Gertenbach auf nahezu jede Frage auch zu Hochspannungsleitungen aus Sicht eines Baubiologen antworten. Neben den Fragen gab es auch immer wieder Anregungen und Informationen von den Gästen. So sprach ein Besucher die Bluetooth-Übertragungstechnik in Pkw an. Dabei würde die Funktion der Autoantenne abgeschaltet und die Verbindung direkt vom Handy aus gesteuert. Der geschlossene Fahrgastraum wirke dabei wie ein Käfig, der die Strahlung quasi im Wagen festhalte.
 

Borkener Zeitung, 17.9.2008

350 Unterschriften pro Erdkabel
 
 

 
Zufriedene Gesichter: Die Unterschriftensammlerinnen der "Raesfelder Initiative 380 kV" (v.l.): Gaby Bischop, Jutta Lehmbruck, Hedwig Uhrmann.
Zufriedene Gesichter: Die Unterschriftensammlerinnen der "Raesfelder Initiative 380 kV" (v.l.): Gaby Bischop, Jutta Lehmbruck, Hedwig Uhrmann.
(Foto: pd)

 

 
Raesfeld (pd). Einen guten Start hatte die "Raesfelder Initiative 380 kV" am ersten Tag ihrer Unterschriftenaktion, mit der sie für die Erdverkabelung der 380-kV-Stromtrasse Wesel- Diele eintreten, teilt die Initiative mit. Mehr als 350 Unterschriften seien dabei schon im ersten Anlauf zusammen gekommen. Bernadette Schütte, Hedwig Uhrmann, Jutta Lehmbrock, Gaby Bischop, Berthold Fasselt und Paul Wissing hatten am Rathaus-Parkplatz einen Stand aufgebaut und sprachen mit ihren Infoblättern und Unterschriftenlisten die Menschen gezielt an. Nach drei Stunden Sammel- und Überzeugungsarbeit konnten sich die Mitstreiter über viel Rückhalt in der Raesfelder Bevölkerung freuen, heißt es weiter.

Jutta Lehmbrock war erstaunt, wie viele Unterschriften zusammengekommen waren: "Über 350! Damit hätte ich nicht gerechnet." Aber auch die zahlreichen Gespräche mit den Menschen seien wichtig gewesen. Ermutigende Kommentare wie: "Gut, dass ihr euch dafür einsetzt!" stärkten ihnen den Rücken für die nächsten Wochen.
Die Initiative will erreichen, dass die geplante Höchstspannungsleitung nicht als Freileitung mit 60 Meter hohen Masten entsteht, sondern in die Erde verlegt wird. Erdverkabelung stelle technisch überhaupt kein Problem dar, argumentieren die Freileitungs-Kritiker. Auch die Kosten seien viel geringer als vom Stromkonzern RWE angegeben. Gerade bei so langen Strecken (hier: 190 Kilometer) sei die Erdverkabelung nicht teurer als die Freileitung, rechneten die engagierten Raesfelder den interessierten Bürgern immer wieder vor. Zudem entstünden keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Elektrosmog und elektromagnetische Felder.

Auch in den anderen betroffenen Kommunen werde bereits gesammelt, und die Initiativen im Kreis Borken hoffen auf etliche tausend Unterschriften und auf ein Umdenken bei der RWE und der Bezirksregierung Münster.
 

 Borkener Zeitung, 4.10.2008

 

"Magnetfeld macht Menschen krank"


 
Rund um das Thema Freileitung und Erdkabel sowie Belastungen durch Magnetfelder diskutierten: Sven Schwardmann, Klaus Warthuysen, Prof. Dr. von Klitzing, Oliver Krischer, Gabi Bischop und Alfons Schnelting (von links).
Rund um das Thema Freileitung und Erdkabel sowie Belastungen durch Magnetfelder diskutierten: Sven Schwardmann, Klaus Warthuysen, Prof. Dr. von Klitzing, Oliver Krischer, Gabi Bischop und Alfons Schnelting (von links).
(Foto: geg)

 

 
 Raesfeld (geg). "Deutschland steht im europäischen Vergleich der Grenzwerte für Energiefelder an letzter Stelle", berichtete Professor Dr. von Klitzing am Donnerstagabend (2.10.) im Saal Epping in seinem Vortrag zum umweltgerechten Energietransport. Eingeladen dazu hatte die "Raesfelder Initiative 380kV", gemeinsam mit den Initiativen aus Borken und Legden.

Auch Alfons Schnelting, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Umwelt und Bauen bei der Stadt Borken, der Rechtsanwalt Klaus Warthuysen aus Hamminkeln und Oliver Krischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter Energiepolitik Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW waren als Experten rund ums Thema nach Raesfeld gekommen. "Eingeladen waren auch NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben, Vertreter der Bezirksregierung, sowie Vertreter der RWE, die allerdings abgesagt haben", so Gabi Bischop von der Raesfelder Initiative, die sich für ihre Arbeit grundsätzlich noch mehr Unterstützung der Politiker wünscht.

"Es bewegt sich nichts", stellte sie fest und kündigte an, im Frühjahr eine Podiumsdikussion mit Politikern im Vorfeld der Kommunalwahlen 2009 zu planen, bei denen diese gezielt nach ihrer Einstellung zum Thema Stromtransport befragt werden sollen. Das Ziel der Initiative sei es zu erreichen, dass möglichst weite Strecken der geplanten Trasse, auf der zwischen Wesel und dem niedersächsischen Diele die derzeitige 220.000-Volt-Leitung durch eine 380.000-Volt-Überlandleitung bis zum Jahr 2015 ersetzt werden soll, unter der Erde verlaufen.

Aber zurück zu den Grenzwerten. "Wenn Strom fließt, haben wir ein Magnetfeld und dieses macht die Menschen krank", erläuterte der Professor, "nur jeden eben anders". Der Grenzwert der so genannten Flussdichte liege in Deutschland bei 100 Mikrotesla.

Um diesen Wert zu erreichen müsse man sich aber schon auf einen Transformator setzen, erklärte von Klitzing. In der Schweiz liegt der Wert zum Vergleich bei einem Mikrotesla, in Italien bei 0,5 und in Schweden bei nur 0,2 Mikrotesla. Einen Teufelskreis sieht von Klitzing darin, dass die Politiker sich nicht bewegten, solange nicht jeder Mensch, der in unmittelbarerer Nähe einer Überlandleitung lebt, krank werde.

Einen gefühlten Anstieg von Krebserkrankungen erlebt Sven Schwardmann von der Borkener Initiative in der so genannten Blumensiedlung im Borkener Osten, durch die die jetzige 220-kV-Leitung verläuft. "Das Bemühen um eine Untersuchung durch das Gesundheitsamt ist aber gescheitert", berichtete er.

Alfons Schnelting, Stadt Borken, versicherte, dass die Stadt Borken das Anliegen der Initiative aufgenommen und das Land NRW aufgefordert habe, eine gesetzliche Grundlage zur Verlegung von Erdkabeln zu schaffen.

Dass diese Erdverkabelungen offensichtlich aus Kostengründen abgelehnt werden, berichtete Oliver Krischer. Er strebt mit seiner Partei eine niedersächsische Lösung an. Dort wird bei der Wohnbebauung ein Abstand von mindestens 400 Metern eingehalten, im Außenbereich von 200 Metern und "es kann nicht sein, dass NRW als Energieland Nummer eins, dieses Thema völlig ausblendet", so Krischer.

Klaus Warthysen machte als Jurist deutlich, dass im Zuge des neuen Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) der Rechtsmittelweg verkürzt werden solle und damit die Rechte von betroffenen Bürgern deutlich eingeschränkt würden. Eine Premiere für Genehmigungsverfahren in Deutschland, wie Warthuysen unterstrich.

Um ihr Anliegen pro Erdverkabelung zu unterstreichen, sammelt die Bürgerinitiative derzeit Unterschriften, die NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers demnächst überreicht werden sollen.

"Die Menschen hier sehen die Trasse als Bedrohung", stellt Gabi Bischop in Gesprächen mit den Menschen immer wieder fest.

  Borkener Zeitung, 8.11.2008

Resolution zur Erdverkabelung
Raesfeld/Kreis (era). Eine gemeinsame Resolution der Bürgerinitiativen im Kreis Borken, die sich mit den RWE-Plänen zum Bau einer neuen 380kV-Überlandleitung befassen, steht am Montag auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Die "Raesfelder Initiative 380kV" hat den Resolutionsantrag gestellt.


In der gemeinsamen Resolution, die jüngst vom Gemeinderat Legden einstimmig angenommen wurde, plädieren die Bürgerinitiativen für eine Erdverkabelung auf der Trasse Wesel-Diele und legen den zuständigen Stadt- und Gemeinderäten nahe, sich dieser Resolution anzuschließen. 
Wie die Raesfelder Initiative mitteilt, ist das Ziel dieser Resolution, "fraktionsübergreifend, ohne einseitige parteipolitische Interessen, ein einheitliches und geschlossenes Meinungsbild der Gemeinde-/Stadträte zu dem Sachverhalt der Erdverkabelung zu dokumentieren und auf den kreis-, landes- und bundespolitischen Ebenen eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema anzuregen und in die Wege zu leiten".

Erdverkabelungen hätten gegenüber Freileitungen entscheidende Vorteile, argumentieren die Bürgerinitiativen. Unter anderem sei damit ein geringerer Flächen- und Materialverbrauch verbunden. Auch gebe es keine Beeinträchtigung von Wohnumfeld, Naherholung und Tourismus durch "Riesenmasten".

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung sieht vor, am Montag nicht im Rat darüber zu entscheiden, sondern die Resolutionsanregung an den Planungsausschuss zu verweisen. Dort soll nach Verwaltungempfehlung dann debattiert und auch entschieden werden.
Die Ratssitzung am Montag, 10. November, beginnt um 17 Uhr.

Borkener Zeitung, 12.11.2008
 

Zu wenig Zeit, um zu entscheiden
Raesfeld (era). Das hätten die Vertreter der "Raesfelder Initiative 380kV" gerne anders gesehen: Die von ihnen und anderen Bürgerinitiativen im Kreis Borken angeregte Resolution pro Erdverkabelung der geplanten 380-kV-Leitung der RWE wurde nicht vom Rat verabschiedet, sondern an den Planungsausschuss (8. Dezember) verwiesen. Gegen die Stimmen von UWG und Grüne. Damit folgte die Mehrheit dem Beschlussvorschlag der Verwaltung und dem in Raesfeld üblichen Prozedere, das in der Hauptsatzung geregelt ist. Darin heißt es, dass eine Entscheidung wie diese im Fachausschuss behandelt wird, wenn der Rat nicht ausdrücklich per Beschluss die Angelegenheit an sich zieht.


"Wir stehen im Grundsatz hinter der Resolution", betonte CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Tünte. Allerdings habe seine Fraktion zu wenig Zeit gehabt, sich mit dem Inhalt genau befassen zu können. Dafür sei die Ratsvorlage zu knapp vor der Sitzung eingegangen. Die Resolution der Initiative datiert vom 4. November. Im Rathaus war sie am 5. November eingetroffen. Wie Tünte für seine Fraktion weiter argumentierte, habe man in dieser Sache keine "Terminnot". Eine Entscheidung im Planungsausschuss Anfang Dezember sei zeitlich noch völlig ausreichend. Ähnlich sah das auch Beate Gerwers von der SPD. Auch ihre Fraktion habe keine Zeit gehabt, sich dezidiert damit zu befassen. Die Fraktionsvorsitzende erklärte, nach "Überfliegen" des Resolutionstextes sei bereits zu erkennen gewesen, dass die SPD gerne einige redaktionelle Änderungen umgesetzt sehe.
 

Mit einzelnen Formulierungen der Resolution ist auch Grünen-Ratsherr Arno Gödde nicht hundertprozentig einverstanden. Warum die Beratung und Verabschiedung im Planungsausschuss vonstatten gehen soll, könne er nicht verstehen. Seiner Ansicht nach sei der Rat zuständig, und von ihm müsse ein entsprechendes Signal ausgehen. Die Signalwirkung einer solchen Resolution hob auch Göddes Fraktionskollege Holger Lordieck hervor. Es müssten nicht jedes Wort und jede Formulierung auf absolute Stimmigkeit hin abgeklopft werden. Damit wandte er sich auch gegen einen Einwand von CDU-Ratsherr Jochen Welsing, der sich mit technischen Angaben zu Transportverlusten als Fachmann (Elektromeister) so nicht einverstanden erklären konnte. "Wir schaffen hier kein Planungsrecht", so Lordieck. Wenn eine detailorientierte Diskussion als Signal dieser Ratssitzung nach außen wirke, "halte ich das für sehr fatal", warnte der Grüne.

Auch Rupert Koller (UWG) plädierte vehement dafür, die Resolution sofort im Rat zu beschließen. Bereits im Frühjahr habe die Politik das Thema diskutiert. Von der Presse sei die Thematik in aller Breite begleitet worden, so dass sich eigentlich jeder Politiker informiert fühlen müsse. "Politischer Druck ist nötig, und zwar jetzt, bevor Gesetze und Genehmigungsverfahren greifen", betonte der Unabhängige. Wenn hohe Stahlmasten für Überlandleitungen nicht jetzt verhindert würden, müsse die Bevölkerung wiederum in den kommenden 50 bis 80 Jahren mit ihnen leben. Koller plädierte dafür, die Chance für die Nutzung neuer Technologien (Erdkabel) durch politische Entscheidungen zu fördern.

Die endgültige Entscheidung in Sachen Resolution wird in der Ratssitzung am Montag, 22. Dezember fallen.
 

 Dorstener Zeitung, 12.11.2008

Hochspannung: Resolution nur aufgeschoben
Von Klaus-Dieter Krause am 11. November 2008 18:43 Uhr
RAESFELD Mit einer Schweigeminute begann am Montagabend die Sitzung des Gemeinderates. Dieser Moment der Stille galt dem Gedenken an den früheren SPD-Ratsherren Roland Stamm und Ehrenbürgermeister Johannes Paß.

Stamm war am 27. September seiner schweren Krankheit erlegen, Paß am 11. Oktober verstorben. Für Roland Stamm rückte in der SPD-Fraktion Norbert Cremer  in den Rat nach. Er wurde von Bürgermeister Udo Rößing feierlich verpflichtet.

Keine Freileitung auf Masten mehr

Anschließend entbrannte eine Diskussion, die ein wenig kuriose Züge trug. Denn eigentlich waren sich alle Ratsfraktionen einig. Sie unterstützen das Anliegen der Raesfelder Initiative 380 kV und befürworten, dass die von den RWE geplante Aufrüstung einer Hochspannungsleitung von 110 kV auf 380 kV nicht mehr als Freileitung auf Masten, sondern per Erdverkabelung erfolgt.

"Dass wir über den Resolutions-Text heute noch nicht beraten und ihn stattdessen erst später verabschieden wollen, liegt ausschließlich daran, dass wir noch keine Gelegenheit hatten, die Unterlagen in unserer Fraktion zu diskutieren", betonte CDU-Sprecher Karl-Heinz Tünte. Gleiches galt auch für die SPD. Beate Gerwers: "Das ist uns zu kurzfristig, zumal wir auch über die Ausformulierung noch reden wollen."

Grüne wollten grundsätzliches Signal

Arno Gödde (Grüne) wandte sich gegen den Verwaltungsvorschlag, die Debatte dem Planungsausschuss zu übertragen: "Es geht um ein grundsätzliches Signal. Und das sollte der Rat setzen!"

"Und zwar hier und heute", warnte Rupert Koller (UWG) vor Zeitverlust, "wenn wir jetzt nicht genügend politischen Druck aufbauen, dann haben wir die nächsten 50 bis 80 Jahre keine Chance." Da die Ratsmehrheit den Zeitdruck nicht sah, wird nun der Planungsausschuss am 8. November über die Resolution beraten und der Rat am 22. Dezember darüber entscheiden.

Borkener Zeitung, 10.12.2008

Erdverkabelung gefordert
 
 

 
Gegen Strommmasten - für Erdverkabelung
Gegen Strommmasten - für Erdverkabelung
(Foto: Rabe)

 

 
Raesfeld (era). Bei einer Enthaltung (Arno Gödde) hat der Planungsausschuss in seiner Sitzung am Montagabend für eine Resolution zum geplanten Ersatzneubau einer 380-kV-Hochspanungsfreileitung votiert. Die CDU hatte einen Textentwurf vorgelegt, der sich in einigen Punkten von dem Textentwurf der Bürgerinitiativen unterscheidet. Bereits in der jüngsten Ratssitzung hatten sich Politiker unterschiedlicher Parteien an gewissen Formulierungen gestoßen und redaktionelle Überarbeitung empfohlen. Insbesondere die Angabe von technischen Daten zu Transportverlusten (Hochspannungsleitungen rund 15 Prozent, Erdkabel rund drei Prozent) wurde kritisch gesehen (die BZ berichtete). Arno Berning (CDU) erklärte am Montagabend für seine Fraktion, dass es keinen Dissenz zwischen der CDU und den Zielen der Bürgerinitiative gebe. Das Maximalziel der CDU laute ebenfalls Erdverkabelung. Allerdings handele es sich bei der Resolution um eine Resolution des Rates, und da müsse nicht zwangsläufig der Resolutionstext der Initiativen 1 zu 1 übernommen werden. Es müsse keinen Automatismus gebe, und deshalb „finde ich es gerechtfertigt, dass sich der Rat eigenständig Gedanken macht“, so Berning weiter.
Die Verwaltung hatte den Resolutionstext der Raesfelder Initiative 380 kV“ in ihrem Vorschlag auf zwei Punkte beschränkt. Erstens: „Wie in der raumordnerischen Voruntersuchung vorgetragen, sollte eine Erdverkabelung gefordert werden. Dadurch würde auch die durch die Hochspannungsfreileitung bedingte Störung des Landschaftsbildes entfallen.“ Zweitens: Die Bundesregierung und die Landesregierung NRW sollten aufgefordert werden, analog zur rechtlichen Situation in Niedersachsen gesetzliche Regelungen zu treffen, die eine Erdverkabelung für wohngebietsnahe Bereiche vorschreiben.“
 

Der Resolutions-Entwurf der CDU ist deutlich ausführlicher und lehnt sich in wesentlichen Punkten inhaltlich an die Argumente der Bürgerinitiative an. Allerdings vermisste Rupert Koller (UWG) die Kritik an der laut Gesetz geplanten eingeschränkten Klagemöglichkeit im Genehmigungsverfahren. Die UWG habe keine Probleme damit, den Text der Initiative zu übernehmen. Ein einheitliches Argumentieren der betroffenen Gemeinden mache Sinn, so Koller. Das unterstrich auch Arno Gödde von den Grünen, der sich für den Initiativ-Text - allerdings ohne Zahlenangaben - aussprach. Den formulierten Appell der Initiative, dass sich die Politiker mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, für eine Erdverkabelung einsetzen sollen, wollte Gödde um die Formulierung „die zur Verfügung stehenden politischen Mitteln“ ergänzt wissen. SPD-Fraktionschefin Beate Gerwers erklärte, ihre Fraktion könne auch mit der knapp gehaltenen Formulierung der Verwaltung leben. Die von der Bürgerinitiative geforderte Einbindung der Abgeordneten in Bund und Land sei bereits geschehen. Ausschuss-Vorsitzender Jochen Welsing (CDU) argumentierte, dass verschiedene Resolutionstexte die Ernsthaftigkeit der Angelegenheit unterstrichen und somit in seinen Augen besser seien. Der Rat entscheidet endgültig am 22. Dezember.
 

Ruhr Nachrichten, 10.12.2008

Ausschuss verabschiedete Resolution zur geplanten Stromleitung
am 9. Dezember 2008 16:51 Uhr
RAESFELD Mit einer Enthaltung verabschiedete der Planungsausschuss der Gemeinde Raesfeld eine Resolution zur geplanten 380-kV Stromleitung. Einige betroffene Bürger und Vertreter der Bürgerinitiative „Raesfelder Initiative 380kV“ waren zur Ausschusssitzung erschienen.
Der Rat hatte in seiner Sitzung am 10. November über einen Resolutionsantrag der Bürgerinitiative beraten und an den Planungsausschuss weitergeleitet. Man einigte sich auf eine Resolution, die sich im Inhalt mit den Forderungen der Initiative deckt. Man war aber nicht bereit, den Inhalt wörtlich zu übernehmen. „Die technischen Daten der Resolution können wir nicht prüfen“, so Beate Gerwers (SPD) und drückte die fraktionsübergreifende Bedenken zur Initiativresolution aus.

Bedenken

Die wichtigsten Forderungen des CDU-Vorschlages fasste Arno Berning zusammen: Bedenken bestehen über den zu geringen Abstand zur vorhandenen Wohnbebauung. Weiter tangiert die geplante Hochspannungsfreileitung im Norden der Gemeinde ein Gewerbegebiet, die weitere Entwicklung des Gebietes wäre somit eingeschränkt. Aus Besorgnis um die Auswirkung auf die Gesundheit im Bereich vorhandener Wohnbebauung sollte die Hochspannungsleitung als Erdkabel verlegt werden.
 

Borkener Zeitung, 17.12.2008

 
Brief an Rüttgers übergeben
Stromtrassengegner im Ministerium
Düsseldorf/Raesfeld (pd). Vertreter der 380-kV-Bürgerinitiativen aus den Krei­sen Borken und Steinfurt haben im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium mit Staatssekretär Dr. Jens Baganz ein Gespräch über die Erdverkabelung der Stromtrasse Wesel-Diele geführt. Neben zwei Mitarbeitern des Staatssekretärs war auch der Landtagsabgeord­nete Bernhard Schemmer (CDU) beteiligt.
Die Vertreter der Initiati­ven, Sven Schwardnann (Borken), Clemens Ewering (Legden), Willi Fedeler (Metelen) und Gaby Bischop (Raesfeld), berichteten über den zunehmenden Widerstand im Münsterland gegen die Planungen der RWE, eine 380.000 Volt-Leitung als Freileitung in der bestehenden 220 kV-Trasse zu verlegen.
Mittlerweile gebe es in acht Kommunen Initiativen und Menschen, die sich für Erdverkabelung einsetzten. 4000 Unterschriften seien bereits gesammelt worden, Gemeinderäte hätten Resolutionen für eine Erdverkabelung der Trasse verabschiedet.
Die Freileitungsgegner verdeutlichten die Vorzüge der Erdverkabelung und plädierten für eine Trassenverschiebung an die Autobahn 31. Dr. Baganz sicherte den Initiativen zu, mögliche Trassenverschiebungen mit der RWE zu erörtern, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die Interessenvertreter forderten die Landesregierung auf, Einfluss auf das Energieleitungsaus­baugesetz zu nehmen, das zurzeit der Bundestag berät. land gegen Es könne nicht angehen, dass selbst in der nahen Wohnbebauung im Gesetzentwurf keine verbindliche Erdverkabelung festgelegt sei.
Staatssekretär Dr. Jens Ba­ganz sah im Zusammenhang mit der Erdverkabe­lung noch Klärungsbedarf. Die Initiativen jedoch spra­chen sich dafür aus, auch die Möglichkeit der Erdver­kabelung der Gesamttrasse nach dem Prinzip der Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGU) zu prüfen, da diese Form des Energietransportes die geringsten Energieverluste erzeuge.
Derzeit werde im Rahmen des Borkum II-Windener­gie-Projektes eine HGÜ-Leitung als See- und Landka­bel verlegt, 75 Kilometer davon als Landkabel zur Anschlussstelle Diele.
Warum, so fragten die Vertreter der Initiativen, solle nicht eine Weiterver­legung von Diele nach We­sel möglich sein?
Am. Ende des ausführli­chen und intensiven Mei­nungsaustauschs überreich­ten die Vertreter dem Staatssekretär einen Brief für Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers, in dem sie ihre Positionen zusammen­gefasst hatten.
 

 WDR Hörfunk Studio Münster Nachrichten, 23.12.2008

Unterirdische Hochspannungsleitung
Der Rat der Gemeinde Raesfeld hat gestern Abend einstimmig eine Resolution zur geplanten Hochspannungsleitung des Energieversorgers RWE verabschiedet. Die Politiker fordern, die 380 Kilovolt-Leitung nicht als Überland-Strecke, sondern unterirdisch zu verlegen. Die Politiker in Raesfeld haben unter anderem gesundheitliche Bedenken gegen eine neue und größere Überlandleitung. Nahe Wohngebiete seien möglicherweise Elektrosmog ausgesetzt. Außerdem sehen die Politiker die weitere Entwicklung eines angrenzenden Gewerbegebietes gefährdet. Der Energieversorger RWE will im Jahr 2015 eine bestehende, mittelgroße Masten-Strecke durch die derzeit größte Version ersetzen. Erdkabel dieser Stromstärke lehnt RWE bislang wegen zu teurem Mehraufwand ab. Das Unternehmen wäre jedoch bereit dazu, wenn die Bundesregierung die Trasse durch das westliche Münsterland zu einem von bundesweit 4 Pilotprojekten erklärt.
 
Borkener Zeitung, 17.1.2009
 
Weitere Unterschriften gesammelt
Raesfeld. Die Raesfelder Initiative 380 kV beendet zum 31. Januar ihre Un­terschriften-Sammelakti­on pro Erdverkabelung. An Haushalte in Raes­feld und Erle hat sie jetzt noch einmal Infopost verteilt,, mit der sie um das Sammeln weiterer Unterschriften bittet. Der erste Rücklauf sei bereits sehr positiv gewesen, freute sich Gaby Bischop von der Raesfelder Initiative über das Interesse in der Bevölkerung. Kreisweit haben die Raesfelder und die anderen Initiativen pro Erdverkabelung bislang mehr als 4000 Unterschriften von Bürgern erhalten. Die Raesfelder Initiative macht auf die gemeinsame neue Homepage auf­merksam: http://pro-erd­kabel-nrw.npage.de.
 

  WAZ, 27.1.2009

Plakate werben für die Erdverkabelung 

Bürgerinitiativen fordern Verlegung entlang der Autobahn 31
 

Raesfeld. "Wann, wenn nicht jetzt: Erdverkabelung". Das steht auf etwa drei Meter großen Werbebannern, die auch in Raesfeld für die Verlegung der Stromkabel in den Erdboden werben. Drei der insgesamt elf Plakatwände finden sich an der Weseler-, Borkener- und Homerstraße.

Initiiert wurde die Aktion von den Bürgerinitiativen "Pro Erdkabel NRW". Zu ihnen gehört die Raesfelder Initiative 380 kV. Sie wendet sich gegen eine Kapazitätserweiterung der bestehenden überirdischen Hochspannungsleitungs-Trasse auf Raesfelder Gemeindegebiet, wie sie der Energiekonzern RWE plant. Derzeit hat die Leitung eine Kapazität von 220 kV.

Aber nicht nur die Raesfelder protestieren gegen den Überlandbau, der aus Sicht der Initiativen gesundheitsgefährdend ist und großen Risiken durch Sturmschäden ausgesetzt wäre. In Borken, Legden, Schöppingen und Metelen haben sich ebenfalls Bürgerinnen und Bürger mit der gleichen Zielsetzung zusammengeschlossen. 5000 Unterschriften haben sie bereits gesammelt, um sie schließlich der NRW-Landesregierung zu übergeben. Speziell geht es dabei um die Stromtrasse zwischen Wesel und dem Ort Diele in Schleswig-Holstein.

Die Initiativen setzen sich dafür ein, dass die Trasse nicht über Land und entlang an Wohngebieten verläuft, sondern entlang der A 31 ins Erdreich hinein verlegt wird.

Hoffnung setzen die Initiativler dabei auf das neue Energieleitungsausbaugesetz, das im März vom Bundestag verabschiedet werden soll. Hintergrund dafür sind höhere Kapazitäten, die benötigt werden, um eingespeisten Strom von Windrädern auf See und von heimischen Kohlekraftwerken aufnehmen zu können. Die Initiativen hoffen, dass die vier im Gesetz verankerten Modellprojekte für Erdverkabelung konsequenter umgesetzt werden und das Projekt Wesel-Diele nicht nur in Teilen im Boden, sondern auf der gesamten Trasse unterirdisch verwirklicht wird. ube

 

Borkener Zeitung, 17.2.2009

Arroganz der Macht 

 -Unter dem Titel “Die Arroganz der Macht“ sehen wir das unrühmliche, zögerlich, machtpolitische Verhalten der CDU, eine eigene Resolution zur Erdverkabelung zu verfassen, ohne diese mit den Initiatoren der Bürgerinitiative abzustimmen oder vorher zu besprechen. Da setzten sich einige betroffene Bürger über fast ein Jahr intensiv mit den Nachteilen auseinander, die bei der geplanten Aufstockung der Hochleitungen entständen, organisierten öffentliche Informationsveranstaltungen, diverse Presseberichte, Internetauftritt, Unterschriftensammlung (allein über 1000 in unserer Gemeinde), erarbeiten einen Resolutionsentwurf für alle betroffenen Kommunen - und am Ende weiß und kann die CDU in Raesfeld alles viel besser.Wir haben den CDU-Vorschlag sogar mitgetragen, damit wenigstens nach außen ein wirkungsvolles, einheitliches Meinungsbild besteht.
Wir werden die Ziele der Bürgerinitiative “Pro Erdkabel NRW“ auch in Zukunft tatkräftig unterstützen.

Das Beispiel zeigt einmal wieder, dass absolute Mehrheiten in einem demokratischen System dem Gemeindewesen Schaden zufügen. Andere auch noch so gute Ideen, Meinungen oder Beiträge zum Vorteil der Gemeinde und ihrer Bürger werden nicht akzeptiert oder unterstützt, wenn sie nicht von der CDU selbst kommen.
Das ist schädlich und oft frustrierend, obwohl wir uns doch alle hier ehreamtlich für das Wohl der Gemeinde einsetzen.
 

Auszug aus der Haushaltrede des UWG-Fraktionsvorsitzenden Rupert Koller im Raesfelder Gemeinderat, 16.2.2009

 

Borkener Zeitung, 5.5.2009

Einsatz geht weiter

Erdverkabelung: Gespräch im Bundeswirtschaftsministerium
 
 
Berlin/Raesfeld (pd). Zwischen Gesprächen über Opel und einem Termin mit einem italienischen Minis­ter haben sich Staatssekre­tär Jochen Homann und Dr. Michael Fraas vom Bundes­wirtschaftsministerium Zeit genommen, um mit den „Bürgerinitiativen für einen umweltgerechten Stromtransport in Deutschland“ aus Niedersachsen,. Hessen und NRW über das geplante Energieleitungsausbauge­setz zu sprechen, heißt es in einer Pressemitteilung. Gaby Bischop aus Raesfeld nahm für die Initiativen Pro Erdkabel NRW teil. Erstaunlich offen zeigten sich die Mitarbeiter für die innovative G1eichstromübertragung (HGU) mit Erd­kabeln. So werden im neu­en Gesetz. bewusst finan­zielle Anreize für die Stromkonzerne geschaffen, um diese Technik zu för­dern.
Die Bürgerinitiativen aus NRW entlang der Trasse Diele-Wesel hoffen nun, dass die Landesregierung in Düsseldorf und die Bezirks­regierung in Münster sich aufgeschlossener für diese zukunftsweisende Techno­logie zeigen und die Anlie­gen und Vorstellungen der Initiativen ernster nehmen, Ohne Akzeptanz der Bevöl­kerung werde ein schneller Ausbau der Energieleitun­gen nicht erfolgen können, so die Initiativen. Gaby Bi­schop: „Die Initiativen wer­den sich auch weiterhin für einen menschen- und um­weltgerechten Leitungsaus­bau und eine Erdverkabelung nach dem Gleich­stromprinzip (HGU) einset­zen“, heißt es weiter.
 
 
 Borkener Zeitung, 3.6.2009
 
CDU: Rößing soll mit RWE sprechen
Raesfeld (era). Wie soll der Strom auf der Trasse Wesel-Diele zukünftig transportiert werden? Per 380kV-Überlandleitung mit hohen Stahlmasten, oder soll er durch ein Erdkabel geschickt werden, wie es auch die Bürgerinitiativen entlang der Trasse fordern. Oder sind beide Varianten denkbar?

Seit etwa anderthalb Jahren steht die Gestaltung der neu geplanten RWE-Stromleitung in der öffentlichen Diskussion. Vor allem die Raesfelder Initiative hatte früh auf die Planungen des Energieversorgers auf dem Terrain der Gemeinde Raesfeld aufmerksam gemacht - und für eine Erdkabel-Lösung plädiert. Auch in Borken und den nördlicheren Anrainer-Kommunen hatten sich peu à peu Bürgerinitiativen gebildet, die mittlerweile im Verbund „Pro Erdkabel“ zusammen arbeiten. Nach mehreren teils kontroversen Diskussionen hatte der Rat der Gemeinde Raesfeld im Dezember 2008 eine Resolution pro Erdkabel auf den Weg gebracht. Vor allem die CDU-Fraktion hatte auf einen eigenen Resolutionstext bestanden, der in einigen Formulierungen von der Vorlage der Bürgerinitiative abwich. Dafür hatte sie von der Opposition Kritik geerntet.
 

 Jetzt befasst sich die Raesfelder Politik erneut mit der Materie. Der Planungsausschuss am Dienstag, 9. Juni, soll über einen Antrag der CDU-Fraktion entscheiden.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze, beantragen die Christdemokraten, der Ausschuss möge den Bürgermeister beauftragen, mit der RWE-Transportnetz GmbH (Netzbetreiber) Kontakt aufzunehmen. Gespräche sollten mit dem Ziel geführt werden, dass der Netzbetreiber für das Gebiet Raesfelds den Leitungsneubau per Erdverkabelung realisieren soll. Die Trasse Wesel-Diele ist eine von vier Pilotprojekt, bei denen Erdverkabelung bei Voraussetzung bestimmter Bedingungen möglich sein soll. Dabei geht es etwa um die Abstände der Leitung zu Wohnsiedlungen (400 Meter) oder zu Häusern im Außenbereich (200 Meter). RWE-Transportnetz solle per Beschluss aufgefordert werden, die neue rechtliche Möglichkeit zum Wohle der Anlieger auszuschöpfen, was dem Verzicht auf eine Freileitung gleich käme.

 

Kommentar
 
380 kV-Leitung - CDU prescht vor
Ausgerechnet die CDU prescht jetzt mit einem Antrag „pro Erdkabel“ vor, wo sie sich in jüngster Ver­gangenheit doch eher zöger­lich bei diesem Thema ver­hielt und dafür beim politi­schen Mitbewerber und auch bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative Kopf­schütteln auslöste. Nach­dem das Bundesgesetz zur Beschleunigung des Aus­baus der Höchstspannungs­netze auf den Weg gebracht wurde, drängen die Christ­demokraten den Bürger­meister nun, beim Energie­versorger eine Erdverkabe­lung auf Raesfelder Gebiet durchzusetzen. Ein Schachzug, der -  knapp drei Mo­nate vor der Kommunal­wahl - der Opposition nicht schmecken kann. In Raesfeld setzt sich damit fort, was bereits auf Kreisebene mit dem jüngsten CDU-Ja zum Erdkabel be­gonnen hatte. Ein solcher Antrag -wie er jetzt in Raesfeld für den Planungs­ausschuss vorliegt -hätte auch von der UWG, der SPD oder den Grünen kom­men können. Kam er aber nicht. Man kann gespannt sein, wie sich die Oppositi­on In der neuerlichen Debatte positioniert. Urheber hin oder her - für Raesfeld wäre es allemal gut, wenn die Masten verschwinden, wer immer letztlich dahin­ter steckt... Edgar Rabe


 Münstersche Zeitung, 3.6.2009

Ratssitzung unter Spannung

Diskussion um Freileitung

Von Rüdiger Eggert am 29.05.2009 17:59 Uhr
RAESFELD Spannend wird es im wahrsten Sinne bei der nächste Ratssitzung am Dienstag, 9. Juni, um 17 Uhr. Schon für einige Diskussionen in den Gremien und der Bevölkerung hat der Neubau einer 380-kV-Freileitung, der RWE-Transport GmbH, gesorgt.

Im Dezember 2008 hat der Rat eine Resolution zum geplanten Ersatzneubau einer 380-kV-Freileitung beschlossen. Die Verwaltung hat die Resolution an die Landesregierung NRW und alle weiteren politischen Instanzen weiter geleitet.

Nachdem der Bundestag am 7. Mai das Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze beschlossen hat, beantragt die CDU-Ratsfraktion, den Bürgermeister zu beauftragen, mit den Netzbetreibern (RWE-Transportnetz GmbH) Kontakt aufzunehmen. Ziel ist es, die durch das neue Gesetz eröffnete Möglichkeiten zur Erdverkabelung in Raesfeld umzusetzen.

Erdverkabelung

Die sich in Planung befindende Trasse entspricht an mehreren nicht den Vorgaben des Gesetzes nicht den erforderlichen Mindestabständen von 400 Meter bei geschlossener Wohnbebauung oder 200 Meter im Außenbereich. Der Netzbetreiber soll per Beschluss aufgefordert werden, die neue rechtliche Möglichkeit zum Wohle der Anlieger auszuschöpfen. Das heißt konkret Verzicht auf eine Höchstspannungsfreileitung und diese durch Erdverkabelung zu ersetzen.

Das im Mai beschlossene Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze zieht als einen zentralen Punkt vor Höchstspannungsnetze im Rahmen von vier Pilotprojekten auf technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten als Erdkabel zu verlegen.

Pilotprojekt

Eine der vier Erdkabel-Pilotprojekte für 380 000 kV Leitungen ist die geplante Trasse von Diel in Niedersachsen zum Niederrhein. Diese Trasse führt auch durch Raesfeld und die CDU-Fraktion möchte den Netzbetreiber mit ihren Antrag auffordern von der technischen Lösung einer Erdverkabelung in Raesfeld zu nutzen. Weiter soll der Rat über die Überplanung einer Hoffläche an er Schermbecker Straße im Ortsteil Erle betraten. Auch steht die Grundstückseinfriedung am Ipenweg auf der Tagesordnung. Hier geht es um die Höhe der Einfriedung.

 

Dorstener Zeitung, 11.6.2009 

Hochspannungsleitung
Bürger befürworten Kabel unter der Erde
Von Rüdiger Eggert am 10. Juni 2009 16:50 Uhr
RAESFELD Die neue Hochspannungsleitung soll nach Willen des Planungsausschusses als Erdkabel verlegt werden. Ohne Gegenstimme wurde dem Antrag der CDU-Fraktion zugestimmt. Um die Leitung tobt seit Monaten ein Streit zwischen RWE und betroffenen Bürgern.

 Der Bürgermeister möge Gespräche mit der Betreiberin, RWE-Transportnetz GmbH, aufnehmen, mit dem Ziel, das die Leitung als Erdkabel verlegt wird, lautete der Auftrag aus dem Ausschuss. Betroffene Bürger waren in die Sitzung gekommen, um die Diskussion zu verfolgen. Doch, ob die Resolution und Gespräche zum Erfolg führen, bleibt noch offen.

Pilotprojekt vom Bundestag genehmigt

Anfang Mai hat der Bundestag das Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus der Hochspannungsnetze beschlossen. Ein zentraler Punkt des Gesetzes besteht darin, dass Hochspannungsleitungen im Rahmen von Pilotprojekten auch als Erdkabel verlegt werden können.

Eines dieser Pilotprojekte ist auch die Trasse vom Niederrhein in Nordrhein-Westfalen nach Diele in Niedersachsen, die durch Teile der Gemeinde Raesfeld führt. Bürgermeister Udo Rößing sieht im Rahmen des Pilotprojekt eine Chance, dass die Leitung unterirdisch verläuft. „So nah waren wir noch nie dran“, so der Bürgermeister.

Gespräche mit RWE ins Stocken geraten


Im Vorfeld hatte die Gemeinde sich an politische Gremien und Parteien auf Landes- und Bundesebene gewandt. „Es hat umfangreiche Antworten gegeben“, so Udo Rößing. Wobei die Gespräche mit der RWE (Rheinisch Westfälische Elektrizitätswerke) ins Stocken geraten sind. Nach der jetzigen Gesetzeslage von Anfang Mai haben die Gespräche wieder eine neue Perspektive.
Reinhard Nießing (CDU) warnte  vor zu viel Hoffnung: „Die Energieversorger werden mehr den wirtschaftlichen Richtlinien folgen.“ Eine Erdverlegung ist jedenfalls teurer als ein Freileitung.

Borkener Zeitung, 11.6.2009

 „Das Ziel, das wir erreichen wollen“

Politik spricht sich einstimmig für Verlegung der 380-kV-Leitung im Erdreich aus

 

 Raesfeid (era). Einstim­migkeit herrschte am Diens­tagabend im Planungsausschuss beim Thema Erdka­bel. Laut Politikerbeschluss wird der Bürgermeister „be­auftragt, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Raesfeld mit dem zuständigen Übertra­gungsnetzbetreiber, der RWE-Transportnetz-GmbH, Kontakt zu suchen mit dem Ziel, die durch das neue Gesetz eröffneten Möglichkeiten zur Erdverkabelung in der Gemeinde Raesfeld umzusetzen. Die sich in Planung befindliche Trasse entspricht an mehreren Steilen nicht den Vorgaben des Gesetzes bezüglich der erforderlichen Mindestab­stände von 400 Metern bei geschlossener Wohnbebau­ung beziehungsweise von 200 Metern im Außenbereich. Der Übertragungsnetzbetreiber wird aufgefor­dert, :die geschaffenen rechtlichen Möglichkeiten zum Wohle der betroffenen Anlieger auszuschöpfen und in unserer Gemeinde Raesfeld die Höchstspannungsfreileitung mittels Erdverkabelung zu verle­gen“, heißt es wörtlich.
Ohne Sitzungsunterbre­chung - wie im Kreisumweltausschuss (siehe auch 10. Lokalseite) vonnöten - kam die Entscheidung zu­stande. Eine komplette Erd­verkabelung auf dem Ter­rain der Gemeinde - „das ist das Ziel, das wir errei­chen wollen“, betonte der
Bürgermeister. Er beantwor­tete auch einen Fragenkata­log der „Raesfelder Initiati­ve 380 kV“. Er listete auf, welche Politiker sich zur weitergeleiteten Resolution der Gemeinde geäußert ha­ben. Zudem betonte er, dass es jetzt mit Gesprächen mit der RWE weiter gehe, nach­dem diese zwischenzeitlich ins Stocken geraten waren. Man setze jetzt stark auf die Möglichkeiten, die das Pi­lotprojekt biete. „So nah wie jetzt war man noch nie dran“, so Rößing weiter.
Rupert Koller (UWG) plä­dierte nochmals dafür, bei allen Bemühungen die Ini­tiative mit ihrem „enormen Informationsvorsprung“ mit ins Boot zu nehmen.
„Wir waren und sind im­mer für Erdkabel“, betonte Arno Berning (CDU) und zielte damit auf die jüngste Presseberichterstattung zu diesem Thema ab. Beate Gerwers (SPD) betonte, mit dem Gesetz im Rücken, sei „der Druck einfach größer“. 

 

 

WAZ, 12.6.2009

RWE soll Erdkabel verlegen

  
Raesfeld. Die Gemeinde Raesfeld will sich in einem Schreiben an den Ernergieversorger RWE dafür einsetzen, die geplante Höchstspannungsleitung in der Erde zu verlegen.
 

In Sachen Erdkabel für die Hochspannungsleitung im Raesfelder Norden bewegt sich wieder etwas.

Die Gemeinde will sich nun direkt an RWE wenden. Das beschloss der jüngste Planungsausschuss einstimmig. In Kürze soll dem Stromkonzern ein Schreiben mit dem Anliegen der Kommune zugehen.

Die neue 380kV-Hochspannungsleitung, die RWE plant, soll in die Erde verlegt werden und nicht mehr an Masten über Land gehen. So hatte es der Raesfelder Rat schon im Dezember 2008 beschlossen.

Appell an die Landesregierung

Dieser Appell wurde damals an Bundes- und Landtagsabgeordnete verschickt, an Landes- und Bezirksregierung. Einige Zeit tat sich dann nichts. Man wartete.

Und zwar auf das EnLAG (Engergieleitungsausbaugesetz). Im März sollte es kommen. Am 7. Mai ist es vom Bundestag beschlossen worden. Das Gesetz soll deutschlandweit der Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze dienen, damit Strom aus den Windkraftanlagen auf See und aus neuen konventionellen Kraftwerken schneller durch die Republik geleitet werden kann.

Im Beschlusspaket des EnLAG enthalten sind vier mögliche Pilotprojekte für Erdkabel in Deutschland. Eines von ihnen betrifft eine Stromtrasse vom niederrheinischen Wesel ins niedersächsische Diele.

Und die Raesfelder Leitung ist ein Teil genau dieser Trasse. Die Raesfelder CDU nahm mit einem Antrag an den Planungsausschuss in dieser Woche den Faden auf, um die Wünsche der Gemeinde noch einmal zu bekräftigen. Diesmal ganz konkret gegenüber dem Betreiber des Stromübertragungsnetzes, der RWE-Transportnetz GmbH.

Zustimmung aller Fraktionen

An sie wird sich mit Zustimmung von UWG, SPD und Grünen der Brief aus dem Rathaus richten, der RWE auffordert, Höchstspannungskabel künftig unterirdisch an Raesfeld vorbeizuführen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Vorhaben überhaupt verwirklicht werden kann, sehen die Fraktionen in Raesfeld erfüllt: Die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände zur geschlossenen Wohnbebauung (200 Meter) und zu Wohngebäuden im Außenbereich (400 Meter) werden zum Teil unterschritten, würde einfach die vorhandene Überlandleitung, die heute allerdings nur eine Kapazität von 220kV hat, durch die neue, wesentlich stärkere 380kV-Leitung (380 000 Volt) ersetzt, wie RWE es vorhat.

Dazu müssten auf einer Strecke von insgesamt 190 Kilometern auch neue Strommasten enstehen, die rund 60 Meter hoch und damit viel größer wären als die bisherigen. Ein hohes Risiko, vor allem bei Sturm, fürchten Bürgerinitiativen, die sich seit langem nicht nur in Raesfeld, sondern auch in Borken, Metelen und Legden und Schöppingen gegen das Vorhaben wenden und sich für Erdkabel stark machen. Über 5000 Unterschriften hatten sie schon gesammelt. Die von der geplanten 380kV-Trasse betroffenen Gemeinden teilen zumeist die Bedenken der Bürger.

Mehrkosten können auf Strompreise umgelegt werden

Energieversorger wie RWE können auf die aktuell möglichen Pilotprojekte eingehen, sofern die Erdverkabelung „technisch und wirtschaftlich effizient” ist. Mehrkosten für Erdverkabelung können auf die Strompreise umgelegt werden.

Bürgermeister Udo Rößing sieht im Pilotprojekt Erdverkabelung auch für RWE eine „Chance, Erfahrungen in der Praxis zu sammeln”.

 Borkener Zeitung, 26.6.2009

Lange Liste für Christa Thoben
 

 

 

 
Düsseldorf/Raesfeld (pd). Mitglieder der Bürgerinitiative Pro Erdkabel NRW haben jetzt im Düsseldorfer Landtag Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) Listen mit 7650 Unterschriften für die Erdverkabelung der geplanten 380-kV-Stromtrasse Wesel-Diele übergeben. Die Unterschriften waren in den vergangenen Monaten in den betroffenen Städten und Gemeinden gesammelt worden, teilt die Initiative in ihrer Pressemitteilung mit. Das etwa einstündige Gespräch war unter Vermittlung des Landtagsabgeordneten Schemmer (CDU) vereinbart worden, der ebenfalls an der Unterredung teilnahm. Sven Schwardmann, Andreas Völker sowie die Raesfelder Berthold Fasselt und Gaby Bischop von den Bürgerinitiativen sowie der Bürgermeister der Gemeinde Legden, Friedhelm Kleweken (CDU), nutzten die Aussprache, der Ministerin ihre Haltung zu dem Ausbauprojekt zu erläutern. Ihre Vorstellungen hatten sie in einem Positionspapier festgehalten, das ebenfalls überreicht wurde.


Das vom Bundestag verabschiedete Energieleitungsausbaugesetz ermöglicht für die Trasse Wesel-Diele abschnittsweise eine Erdverkabelung wohnortnaher Leitungsabschnitte (die BZ berichtete). Die Initiative aber fordert die vollständige Verkabelung der gesamten Leitungstrasse. Anstelle eines mehrfachen Auf und Ab zwischen Freileitungs- und Erdkabelabschnitten solle raumsparend und umweltfreundlich nach dem Prinzip der Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) ausgebaut werden, so die Initiative. Als weitere Forderung wurde die Prüfung von Trassenalternativen insbesondere entlang der A 31 vorgebracht. Diese ist nach Auffassung der Initiativen im bisherigen Verfahren von der Bezirksregierung nicht hinreichend berücksichtigt worden. Auch die Entlastungswirkungen, die von dem Rückbau der bestehenden 220-kV-Leitung innerhalb der Ortslagen ausgehe, sei nicht hinreichend gewichtet worden. Die Ministerin wies darauf hin, dass der Antragsteller, sowohl was Trassenführung als auch Ausbauvarianten angeht, in der Verantwortung steht, nicht die Landesregierung. Gleichzeitig zeigte sie Verständnis für die Forderung, dass die dargestellten Ausbau- und Trassenalternativen in die Prüfung mit einbezogen werden müssten. Die Ausgestaltung der Trasse hänge jedoch nicht so sehr vom Land NRW ab, sondern vielmehr von der Antragstellung der RWE, heißt es abschließend.
 

Borkener Zeitung, 22.8.2009

Weiße Bänder für die Strommasten
 
Raesfelder Initiative 380 kV
 
Die Raesfelder Initiative 380 kV wird sich an den kommenden Sonntagen an der Aktion „5 vor 12“ der Bürgerinitiativen Pro Erdkabel NRW beteiligen und jeweils um "fünf vor zwölf", 11.55 Uhr weiße Bänder an die Strommasten der Trasse Wesel-Diele, die sich auf dem Gemeindegebiet Raesfeld befinden, hängen.
Die Stromtrassengegner fordern damit erneut die RWE auf, die Erdverkabelung auf der gesamten Stromtrasse zu realisieren.
Das neue Energieleitungsausbaugesetz bietet erstmalig die Möglichkeit der Erdverkabelung mittels Gleichstrom, so die Initiative. Da es bereits eine Erdverkabelung von den Windanlagen vor Borkum bis nach Diele gebe, mache es doch Sinn, diese bis Wesel weiterzuverlegen und zwar entlang der A31. Die Initiative hofft, dass sich die politischen Parteien auch nach der Kommunalwahl für die Erdverkabelung einsetzen.

 

WAZ, 20.10.2009

380 kV-Leitung

Erdkabel für Raesfeld

Raesfeld. Die Bürgerinitiativen „Pro Erdkabel NRW” können sich über einen möglichen Erfolg freuen: Die RWE-Tochter Amprion stelle in Aussicht, Erdkabel auch auf dem Teilabschnitt in Raesfeld zu verlegen, teilt der Kreis Borken mit.
 

Landrat Gerd Wiesmann hat die Initiativen im Kreis bereits entsprechend darüber informiert.

Den aktuellen Planungsstand über den Bau der 380-kV-Leitung hat die RWE-Tochter kürzlich im Borkener Kreishaus den betroffenen Kommunen erläutert. Im Zentrum standen die Folgen des Ende August in Kraft getretenen Energieleitungsausbaugesetzes, das die Trasse zwischen Diele in Niedersachsen und Wesel als Pilotstrecke für das Erdkabel definiert.

„Die Amprion-Vertreter erklärten, dass sie nach ersten Prüfungen ein Erdkabel auf Teilabschnitten in Borken, Raesfeld und Legden für sinnvoll halten”, stellt der Kreis fest. Das Treffen von Kreis und Kommunen mit Amprion schließt sich an ein Arbeitsgespräch im Juni des Vorjahres an. Seitdem hat Amprion alle Aufgaben der RWE Transportnetz Gesellschaft übernommen.

Die Firma will sich mit dem Erdkabel auf die Abschnitte in unmittelbarer Nähe der geschlossenen Orte konzentrieren. Geprüft hat sie zunächst, wo die nötigen Mindestabstände zur Wohnbebauung einzuhalten sind und wo die notwendige wirtschaftliche und technische Effizienz laut EnLAG gegeben ist.

Amprion orientiert sich bei seinen Plänen für den 380-kV-Ersatzneubau an der aktuellen 220-kV-Trasse, wird im Planfeststellungsverfahren aber auch Alternativtrassen, wie etwa entlang der A 31, in den Blick nehmen. Fertig sein soll die Leitung frühestens 2015.

 Borkener Zeitung, 24.11.2009

Erdkabel: Start in Raesfeld
 

 
So oder ähnlich sieht ein Übergangsportal aus, das immer dort installiert werden muss, wo bei der Stromübertragung von einer Freileitung auf ein Erdkabel gewechselt wird - und umgekehrt.
So oder ähnlich sieht ein Übergangsportal aus, das immer dort installiert werden muss, wo bei der Stromübertragung von einer Freileitung auf ein Erdkabel gewechselt wird - und umgekehrt.
(Foto: Amprion)

 

 
Von Edgar Rabe

Raesfeld. Auf etwa 3,1 Kilometer Länge möchte die Amprion GmbH im Westen Raesfelds die geplante neue 380 kV-Stromleitung unter die Erde legen. So werde man es der Bezirksregierung Münster vorschlagen, bestätigte Dieter Picklapp, bei der Amprion (Nachfolge-Gesellschaft der RWE Transportnetz Strom und 100-prozentige RWE-Tochter) zuständig für die Genehmigungen und den Umweltschutz bei Leitungsbau.
 

Wie mehrfach berichtet, zählt die Stromtrasse Wesel-Diele zu den insgesamt vier Pilot-Trassen, auf denen - per Gesetz geregelt - eine Erdverkabelung ermöglicht werden soll. Nicht generell, sondern nur dort, wo bestimmte Mindestabstände zu einzelnen Häusern (200 Meter) oder zusammenhängenden Siedlungsbereichen (400 Meter) bei der Freileitung unterschritten werden und die Verlagerung in die Erde technisch und wirtschaftlich effizient sind, wie das EnLAG (Energieleitungs-Ausbaugesetz) es vorschreibe, so Picklapp weiter beim Pressegespräch in Borken.

Neben dem Raesfelder Teilabschnitt soll auf etwa 4,7 Kilometer Länge ein Teil der Leitung in Borken erdverkabelt werden, in Legden sind es rund fünf Kilometer. Alle anderen Abschnitte im Kreis sollen als Freileitung gebaut werden.

Nach bisherigen Planungen der Amprion soll das Erdkabel in Raesfeld südlich der B 70, kurz vor der Siedlung Löchte, beginnen und im Raesfelder Norden hinter dem Gewerbegebiet, etwa in Höhe Hof Südholt, enden. Die Feinabstimmung und Beteiligung aller Betroffenen folge später. „Wir gegen davon aus, dass wir im kommenden Jahr die Planung bei der Bezirksregierung Münster vorlegen“, so Picklapp weiter. Sein Unternehmen betrete mit der Verlegung der beindicken Kupferkabel im Erdreich auch Neuland.

In punkto Erdverkabelung wolle die Amprion mit dem Raesfelder Teilstück beginnen. „Das ist das kürzeste und gradlinigste Stück“, hofft der Planer dort erste und wichtige Erfahrungen beim Bau. Die Abschnitte Borken und Legden sollen danach realisiert werden - wenn die Genehmigungsbehörde grünes Licht gibt. Auf einer knapp 16 Meter breiten Trasse werden je sechs Kabel im Abstand von 90 Zentimetern auf beiden Seiten in etwa 1,80 Meter Tiefe verlegt. Die einzelnen Kabellängen betragen rund 800 Meter; die Kabelenden werden per Muffe miteinander verbunden. Immer dort, wo Erdkabel auf Freileitung trifft, müsse ein so genanntes Portal, eine Kabelübergangsanlage, gebaut werden. Die etwa 20 Meter hohe Mastkonstruktion habe einen Platzbedarf von etwa 2500 Quadratmetern, erklärte der Planer.

Für einen Kilometer Erdkabel rechnet die Amprion derzeit mit den siebenfachen Kosten gegenüber einer Freileitung. Ein Kilometer Erdkabel koste demnach sieben Millionen Euro.

In den Freileitungsabschnitten tragen 55 Meter hohe Stahlmasten (derzeit 34 bis 40 Meter) der zweithöchsten Windkraftkategorie die 380-kV-Kabel. Die Abstände zwischen den Masten sollen 300 bis 450 Meter betragen (derzeit 200 bis 300 Meter), so dass sich die Anzahl der Masten deutlich verringere.

Wenn sich das Planverfahren nicht eklatant verlängere, könnte im Jahr 2012 in Raesfeld mit der Verlegung des Erdkabels begonnen werden. Geschätzte Bauzeit: vier bis sechs Monate.

„2015 muss alles fertig sein“, so Dieter Picklapp. Denn ab dann soll der Strom aus den Off-Shore-Windparks der Nordsee Richtung Süden transportiert werden.

 

 Borkener Zeitung, 25.11.2009

Streckenweise? Nein, Danke!
 
Raesfeld (era). Dass auf Raesfelder Gebiet überhaupt ein Teil der geplanten 380-kV-Leitung als Erdkabel verlegt werden soll (die BZ berichtete), wertet Gaby Bischop von der Raesfelder Initiative pro Erdkabel als einen Teilerfolg aller Aktiven und der Bürger, die sich pro Erdkabel ausgesprochen haben.

Allerdings: „Wir halten weiterhin an unserer Forderung fest, dass auf der gesamten Trassenstrecke der Strom per HGÜ-Erdkabel transportiert wird“, so Bischop. HGÜ-Technik ist eine Gleichstromtechnik, die nach Ansicht der Initiative entscheidende Vorteile gegenüber der Wechselstrom-Technik habe: Kein Elektrosmog, keine elektromagnetischen Felder und geringere Übertragungsverluste. „Gerade weil die Trasse Wesel-Diele so gradlinig ist und keine Abzweige hat, eignet sie sich besonders, die Gleichstrom-Technik per Erdkabel auszuprobieren“, argumentiert Gaby Bischop.
 

Die Kosten-Argumente der Energieunternehmen (HGÜ-Technik im Erdreich sei viel zu teuer) lässt sie mit Hinweis auf deren Milliarden-Gewinne nicht gelten. Ihrer Ansicht nach seien die „Stromriesen“ schon in der Lage, eine teurere, neue - aber zugleich zukunftsträchtige - Technologie zu finanzieren. Außerdem nenne sich NRW doch immer ein sehr innovatives Bundesland und werbe mit dem technischen Know- how der ansässigen Unternehmen und deren Mitarbeiter. Bei der HGÜ-Technologie könne dieses Innovationsvermögen erneut unter Beweis gestellt werden.

Für den Februar 2010 plant die Initiative pro Erdkabel eine größere Informationsveranstaltung in Legden, zu der neben Vertretern der Bundesnetzagentur auch Experten der Unternehmen ABB und Siemens geladen werden sollen - zwei Unternehmen, die sich mit der HGÜ-Technik auch für Erdkabel beschäftigten, so Bischop im Gespräch mit der Borkener Zeitung.

Beim jüngsten Arbeitsgespräch zwischen der Amprion GmbH, die die Leitung Wesel-Diele plant, und Vertretern der Initiativen, habe Amprion zugesagt, einen Kostenvoranschlag für eine komplette HGÜ-Erdkabel-Leitung vorzulegen, erklärte die Sprecherin der Raesfelder Initiative weiter. Überhaupt befasse man sich seitens der Politik und der Energieunternehmen nicht genug mit der Gleichstromtechnik. Bischop betont, dass das im August in Kraft getretene Energieleitungsausbau-Gesetz (EnLAG) im Rahmen der so genannten Anreizregulierung viel mehr in dieser Richtung zulasse. Der gesetzliche Rahmen sei längst nicht ausgeschöpft.

Der Stromtransport der Zukunft in Deutschland sei auch Gegenstand einer neuen Studie „Erneuerbare Energien“, die von der Deutschen Umwelthilfe am kommenden Dienstag in Berlin vorgestellt werden soll, fügt Gaby Bischop noch an.
 

Borkener Zeitung, 25.11.2009

Ackern über dem Kabel problematisch
Raesfeld/Gemenkrückling (era). Mit dem fortschreitenden Planungsstand für die geplante 380-kV-Leitung von Wesel nach Diele kommt auch die Diskussion über Sinn oder Unsinn von Stromtransporten und Erdkabel- beziehungsweise Freileitungseinsatz mehr in Schwung. Insbesondere das Verlegen von Erdkabeln im Außenbereich unter landwirtschaftlich genutzten Flächen stößt insbesondere in der Agrarbranche auf nicht ungeteilte Freude. Etliche Fragezeichen macht auch Landwirt Ludwig Weddeling-Gerding aus Gemenkrückling hinter den vorgestellten Erdkabel-Plänen der Amprion GmbH (die BZ berichtete). „Dort, wo jetzt Freileitungen direkt über Wohngebiete führen wie in Borken, macht eine Erdverkabelung Sinn, keine Frage“, so der Landwirt. Auf freier Fläche aber, sei diese Technologie doch eher fragwürdig. Ein Knackpunkt: die Wärmeentwicklung. Die Drehstromkabel werden um die 50 Grad Celsius warm, in Spitzen sogar bis 70 Grad, bestätigt auch Amprion-Planer Dieter Picklapp. Bei solchen Temperaturen sei ein Ackerbau nicht mehr möglich. Auch tiefwurzelnde Pflanzen, ob natürliche Gehölze oder Nutzpflanzen wie etwa der Mais könnten auf diesen Trassen nicht angebaut werden, gibt der Landwirt zu bedenken. Eine vernünftige Bodenbearbeitung sei an diesen Stellen eigentlich nicht mehr möglich, da die Kabeltiefe von 1,50 bis 1,80 Metern eher gering sei.

Ein weiteres Problem, das Weddeling-Gerding sieht, ist die Grundwasserstruktur in Teilen des Borkener Areals, wo Amprion eine Erdkabelnutzung plant. Die Grundwasserführung könne durch solche Eingriffe über Jahrzehnte hinweg gestört werden, mutmaßt er.
 

Auch die schon vorhandenen Leitungen im Erdreich - wie Telekomleitungen, Gas, Sole und anderes - stellten für die geplante Erdkabelverlegung Hindernisse dar.

Und an das Energieunternehmen selbst stellt er die Frage: „Brauchen wir die Leitung überhaupt“, erinnert sich der Landwirt doch noch gut daran, dass die vorhandene Leitung in der Kapazität vor wenigen Jahren erst abgerüstet worden war.

Weddeling-Gerding wünscht sich vor allem noch viel mehr Informationen und Aufklärung seitens der Planer. Ökonomie und Ökologie müssten seines Erachtens nach in einem vernünftigen Verhältnis liegen.
 

Borkener Zeitung, 27.11.2009

Folgen „irrelevant“
Raesfeld (pd/pet). Zu der Berichterstattung über die Auswirkungen der geplantenErdkabelabschnitte der 380-kV-Leitung Wesel-Diele weist die Initiative Pro Erdkabel NRW auf ihr vorliegende wissenschaftliche Studien hin. Im Auftrag der RWE wurden in einem mehrjährigen Feldversuch die Auswirkungen der Wärmeemissionen von Höchstspannungskabelanlagen untersucht.
Demnach seien die Auswirkungen auf den Bodenwasserhaushalt „aus ökologischer Sicht irrelevant“ Weiter heißt es, dass selbst bei einer - im Praxisbetrieb unrealistischen - dauerhaft hohen Auslastung des Kabelsystems die an der Bodenoberfläche bewirkten Temperaturerhöhungen „hinsichtlich des Bodenwärmehaushalts von untergeordneter Relevanz“ seien.

Auch andere Studien belegten, dass nennenswerte Beeinträchtigungen der landwirtschaftlichen Nutzung infolge der Wärmeableitung von Höchstspannungskabelanlagen nicht zu erwarten sind. Die Initiative Pro Erdkabel fragt in diesem Zusammenhang, warum der Planer der RWE Tochter Amprion die von den Landwirten geäußerten Bedenken anhand der bekannten Studien nicht widerlegt.

Bezüglich möglicher Grundwasserabsenkungen weist die Initiative darauf hin, dass diese durch technische Vorkehrungen gut beherrschbar seien. Als Beispiel werden die vielen Leitungsbauprojekte im Naturschutzgebiet Amtsvenn in Gronau im Zuge der Aussolung der dortigen Salzlagerstätten benannt. Die Verlegung vergleichbar dimensionierter Leitungen in normalen landwirtschaftlich genutzten Böden sollte ohne nennenswerte Veränderungen des Wasserhaushaltes umgesetzt werden können, so die Initiative.

Mit ungenauen Angaben über landwirtschaftliche Nutzungsbeschränkungen, Trassenverlauf und Kabelumfang für Unruhe zu sorgen, hält die Bürgerinitiative Pro Erdkabel NRW für sehr fragwürdig. Die Bürgerinitiativen unterstützten aber ausdrücklich die Forderung der Landwirte nach sachgerechter Information durch die RWE.
 

Borkener Zeitung, 3.2.2010

Pilotprojekt: Premiere für Europa
 

 
Auf diesem Streckenabschnitt in Richtung Marbeck (vom Siepenweg aus gesehen) werden wohl weiterhin Masten stehen, wenn es bei den derzeitigen Plänen der amprion GmbH bleibt.
Auf diesem Streckenabschnitt in Richtung Marbeck (vom Siepenweg aus gesehen) werden wohl weiterhin Masten stehen, wenn es bei den derzeitigen Plänen der amprion GmbH bleibt.
(Fotos: Rabe)

 

 
Von Edgar Rabe

Raesfeld. Mit dem geplanten Erdkabel-Abschnitt in Raesfeld (die BZ berichtete) betritt die amprion GmbH technologisches Neuland - europaweit. Das erläuterte Dieter Picklapp, bei der RWE-Netzwerk-Tochter für die Projektplanung zuständig - am Montagabend im Planungsausschuss den Politikern, Verwaltungsvertretern und der interessierten Öffentlichkeit. Erdkabel mit Drehstromtechnik soll auf einem etwa drei Kilometer langen Teilstück nordwestlich des Raesfelder Siedlungsgebietes zum Einsatz kommen, wenn die neue 380-kV-Leitung zwischen Wesel und Diele bei Meppen gebaut wird. Die neue, stärkere Leitung soll - so die bisherige Planung - die vorhandene 220.000-Volt-Überlandleitung ersetzen und größtenteils auf der vorhanden Trasse aus den 1920er Jahren verlaufen. Die stärkere Leitung werde nötig, weil in Zukunft, der produzierte Strom aus den Offshore-Windparks der Nordsee in Richtung Stromverbraucher im Süden der Republik transportiert werden müsse, so Picklapp.
 

Zum Thema Erdkabel führte er weiter aus, dass erst ab einer Strecke von mindestens drei Kilometern eine Erdverkabelung auch wirtschaftlich vertretbar sei. Die Wirtschaftlichkeit beim Leitungsbau sei vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgeschrieben und werde von der Bundesnetzagentur genauestens geprüft. Die Entscheidung, an welchen Streckenabschnitten die Stromkabel klassisch auf Strommasten befestigt werden - und wo eine Erdverkabelung realisiert werde, liege letztendlich bei der Bezirksregierung.

Eine durchgehende Erdverkabelung und eine Anwendung der Gleichstromtechnologie (HGÜ), wie sie die „Initiative pro Erdkabel“ favorisiert, komme für amprion auf der Trasse nicht infrage, so der Projektleiter. Er erläuterte weiterhin, dass die neuen Masten etwa 55 Meter Höhe erreichen und mit drei Traversen (Querstreben) bestückt in Abständen von 300 bis 450 Metern aufgestellt werden. Ferner erläuterte er die vorgeschriebenen Mindestabstände zu Baukörpern oder Bäumen, die unterschiedlichen Fundament-Arten sowie die angestrebte Verlegepraxis von stromführenden Erdkabeln. „Wir wollen ohne Beton auskommen“, so Picklapp. Etwa alle 800 Meter müssten Erdkabel mittels Muffen miteinander verbunden werden. Dort, wo Erdkabel auf Überlandleitungen wechseln, müssten so genannte Übergabestationen entstehen - etwa 14 Meter HoheStahlbauwerke, die auf einer Grundfläche von etwa einem halben Fußballfeld zu stehen kommen. Wo genau solche Übergabestationen später errichtet werden, müsse noch mit den jeweiligen Grundstückseigentümern verhandelt werden, so Picklapp. Ende 2010 rechnet er für den Raesfelder Streckenabschnitt mit der Einreichung der Planfeststellung bei der Bezirksregierung.

Am Mittwoch, 17. März, werde es Gespräche zwischen amprion und Eigentümern geben. Am Mittwoch, 24. März, findet ein öffentlicher Infotag im Forum der St.-Sebastian-Schule statt.

 Dorstener Zeitung, 12.2.2010

380-kV-Leitung
RWE-Tochter informiert in Raesfeld
 

RAESFELD Im Rahmen vielfältig angelegter Informationsveranstaltungen wird die Amprion GmbH, eine Tochter der RWE, ab Ende März über die Pläne zum Bau einer 380-kV-Leitung durch den Kreis Borken informieren. Der erste „Marktplatz“ findet am 24. März in Raesfeld statt.
Herr des Planfeststellungsverfahrens, in dem auch der Kreis Borken gehört wird, ist die Bezirksregierung Münster. Die Amprion GmbH will die Unterlagen zum Start des Planfeststellungsverfahren für den ersten Abschnitt, der die Gemeinde Raesfeld betrifft, im Laufe dieses Jahres bei der Bezirksregierung einreichen.

Die 380-kV-Leitung zwischen Meppen in Niedersachsen und Wesel soll auf der bisherigen Trasse einer 220-kV-Leitung errichtet werden und vor allem den Transport großer Energiemengen aus Windparks an der Nordseeküste nach West- und Süddeutschland sichern.

Derzeit plant die Amprion GmbH, die für den Leitungsausbau verantwortlich ist, Erdverkabelung auf Teilabschnitten in Borken, Legden und Raesfeld.

 

BBV, 23.3.2010 
 
380 kV: „amprion“ bietet Infomarkt
Raesfeld. Am Mittwoch, 24. März, will die amprion GmbH alle interessierten Bürger über die geplante 380-kV-Leitung informieren. Ab 16.30 Uhr ist der Infomarkt im Forum der St.-Sebastian-Schule geöffnet. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Grotendorst wird Dr. Christoph Dörnemann, amprion GmbH, ins Thema einführen. Anschließend diskutieren Oliver Cronau und Dieter Picklapp (Amprion), Paul Wissing (Bürgerinitiative Pro Erdkabel NRW), Jörg Sümpelmann (Westfälisch-LippischerLandwirtschaftsverband, Rainer Wolfmeier (Kabelhersteller Nexans Deutschland) unter der Moderation von Petra Voßebürger (IKU Kommunikationsberatung Dortmund). Danach schließt sich ab etwa 18 Uhr der Info-Markt an. Darin geht es unter anderem um die Begründung für das 380kV-Leitungsvorhaben und die Rahmenbedingungen für die Trassenplanung und Technik (Freileitungen, Erdkabel, Übergabestationen) sowie öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Verfahrensfragen und den Zeitplan.

 


 Borkener Zeitung, 25.3.2010

Fragen, informieren, anmerken...
 

 
Petra Voßebürger (IKU GmbH) moderierte die Inforunde mit (v. l.): Dieter Picklapp (amprion GmbH), Paul Wissing (BI pro Erdkabel NRW), Jörg Sümpelmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband), Rainer Wolfmeier (Kabelhersteller Nexans) und Oliver Cronau (amprion GmbH).
Petra Voßebürger (IKU GmbH) moderierte die Inforunde mit (v. l.): Dieter Picklapp (amprion GmbH), Paul Wissing (BI pro Erdkabel NRW), Jörg Sümpelmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband), Rainer Wolfmeier (Kabelhersteller Nexans) und Oliver Cronau (amprion GmbH).
(Fotos: Rabe)

 

 
Raesfeld (era). Unter dem Titel „Infomarkt - amprion im Dialog“ konnten sich die Raesfelder und andere Interessierte gestern Abend im Forum der St.-Sebastian-Schule über den derzeitigen Planungsstand der 380-kV-Leitung informieren. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Grotendorst, der betonte, dass die Gemeinde die Sorge der Bürger im Blick haben müsse und in einigen Bereichen der Materie auch noch unsicher sei, erklärte Dr. Christoph Dörnemann vom Planungsunternehmen amprion (RWE-Tochter) die Grundlagen des Leitungsbaus und der Kapazitätsaufstockung von 220 auf 380 kV.

Die Trasse Wesel-Diele sei zum Pilotprojekt für Erdkabel geworden, und diese Technologie solle zum ersten Mal auf Raesfelder Gebiet eingesetzt werden. Auf 3,6 Kilometer Länge sollen zwölf Kabelstränge in die Erde. „Das müsse mit Sorgfalt geschehen. Raesfeld dürfe nicht das „Versuchskaninchen“ sein, mahnte der Bürgermeister dazu noch an. Dörnemann machte deutlich, dass sein Unternehmen den Dialog mit der Bevölkerung suche: „Wir wollen Ihnen offen darstellen, was wir vorhaben.“ Ein Medium zum Dialog ist ein Fragebogen, der gestern auslag, um den Bürgern die Kommunikation mit den Netzplanern und -betreibern zu erleichtern.
 
In einer Inforunde konnten Projektleiter Dieter Picklapp und sein amprion-Kollege Oliver Cronau, Paul Wissing von der Bürgerinitiative pro Erdkabel NRW, Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken sowie Rainer Wolfmeier vom Kabelhersteller Nexans Deutschland aus ihrer Sicht Stellung nehmen zur geplanten Höchstspannungsleitung, die vor allem Strom aus den Windparks der Nordsee in Richtung Süden transportieren soll.

Sümpelmann machte dabei deutlich, dass insbesondere die Erdverkabelung Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft zur Folge haben könne. Ein Problem sei eine mögliche Erderwärmung, die Einfluss auf Keim- und Wachstumsphasen haben könnte. Andererseits sei über Erdkabeltrassen der Anbau tiefwurzelnder Pflanzen und Gehölze ausgeschlossen. Darüber sei in den Entschädigungsverhandlungen zu sprechen. Darüber hinaus benötigten größere Masten, wie sie für die Freileitungsabschnitte bei 380 kV vonnöten sind, größere Sockel, was wiederum die Bestellung von Feldern erschwere.
 
Paul Wissing von der Bürgerinitiative machte noch einmal deutlich, dass der aus Windkraft erzeugte, „ökologische Strom“ auch „ökologisch transportiert werden sollte“. Aus diesem Grunde sei auch der Transport per Gleichstrom-Technologie (die so genannte HGÜ-Technik) bei den Planungen nicht außer Acht zu lassen. Zudem sei eine komplette Erdverkabelung immer noch das Ziel der Initiative, wie es nach wie vor der Beweggrund für deren Engagement sei, „mit unserem Planeten Erde behutsam umzugehen“. Dabei hob Paul Wissing auch den stets fairen und ehrlichen Umgang der Netzplaner mit der Initiative hervor: „Wir haben nie das Gefühl gehabt, dass wir gelinkt werden.“

Mit dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens rechnet Projektleiter Dieter Picklapp frühestens Ende des Jahres. Die Genehmigungsfähigkeit einer kompletten Erdverkabelung auf 130 Kilometer Länge schloss Oliver Cronau aus. Weiterer Bericht zum Thema folgt.
 
Ruhrnachrichten, 25.3.2010

Info-Nachmittag
Amprion stellt Erdkabel-Pläne vor
Von Ruediger Eggert am 25. März 2010 18:52 Uhr
RAESFELD Hoch spannend war der Informationstag zur geplanten 380-kV-Hochspannungsleitung von Meppen nach Wesel. Die Betreiberfirma Amprion stellte das Pilotprojekt Erdverkabelung in allen Details vor.
„Die Leitung wird kommen, wir werden sie nicht verhindern.“ Bürgermeister Andreas Grotendorst wollte aber, dass alle offenen Fragen angesprochen wurden. Wichtig war ihm, dass die Bedenken der Bürger ernst genommen werden. Die Firma Amprion war mit Christoph Dörnemann, Projektleiter Dieter Pickpall und Oliver Cronau als Ansprechpartner vor Ort. Auch Paul Wissing von der Bürgerintiative „Pro Erdkabel“ und Jörg Sümpelmann von der Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftskammer standen als Gesprächspartner zu Verfügung.
Die Veranstaltung war als Information geplant, eine Diskussion über das Für und Wider war nicht geplant. „Mit den direkt betroffenen Grundstückseigentümern haben wir schon gesprochen“, so Dörnemann. In der letzten Woche hat es ein nicht öffentliches Treffen mit den betroffenen Grundstückseigentümern gegeben.

Gesamtkosten steigen

An drei Stellen wird die 130 Kilometer lange Leitung unter der Erdoberfläche verlaufen. Im Raesfelder Norden sind es etwa 3,6 Kilometer. „Die Gesamtkosten für die Strecke Meppen - Wesel würden bei einer Überlandleitung zirka 130 Millionen betragen, mit den drei Erdkabelabschnitten rechnen wir jetzt mit 450 Millionen Euro“, so Amprion-Pressesprecher Andreas Preuß. Kosten verursachen die aufwendigen Erdarbeiten und die Übergangsstellen von Freileitung auf das Erdkabel. „Wir benötigen an den Übergangsstellen Tennisplatz große Flächen für die Stationen“, weiß Pressesprecher Preuß.

Eine über 20 Meter breite Schneise für das Erdkabel wird sich in Zukunft durch Raesfeld ziehen. In dem Bereich dürfen keine tiefwurzelnden Pflanzen wachsen. Generell gibt es bislang wenig Erfahrungen mit der Erdverkabelung.  

 
 
 Borkener Zeitung, 26.3.2010
 
Prüfungen fast abgeschlossen
 
 

 
Viele Schautafeln wie diese informierten über die geplante 380-kV-Leitung.
Viele Schautafeln wie diese informierten über die geplante 380-kV-Leitung.
(Foto: Rabe)

 

 
Raesfeld (era). An die Realisierung einer kompletten Erdverkabelung auf der 380-kV-Trasse von Diele nach Wesel glaubt Oliver Cronau von der amprion GmbH nicht. Der für das Planfeststellungsverfahren verantwortliche Mitarbeiter der RWE-Tochter betonte beim Infomarkt in der St.-Sebastian-Schule, dass die Bundesnetzagentur ein solches Vorhaben schon aus Kostengründen nicht genehmigen würde. Die Bundesnetzagentur wacht mit gesetzlichem Auftrag über die Wirtschaftlichkeit des Stromtransports in Deutschland.

Die Prüfung einer Trassenalternative längs der A 31, die amprion der Bürgerinitiative zugesagt hatte, sei so gut wie abgeschlossen, informierte Cronau weiter. Ebenso geht es auch noch um die Prüfung, ob der Stromtransport aus den Windparks auf und an der Nordsee auch per Gleichstromtechnik zu verwirklichen sei. Auch da konnte die amprion der Bürgerinitiative pro Erdkabel NRW wenig Hoffnung machen. Allein aus Kapazitätsgründen sei die Technik für die Zwecke eher ungeeignet, hieß es am Mittwochabend beim Infomarkt. Experten gingen davon aus, dass die 380-kV-Leitung für rund 3000 Megawatt Leistung ausgelegt sein muss, um den Stromtransport zu gewährleisten.
Dass westlich des Raesfelder Siedlungsbereichs 3,6 Kilometer der Strecke per Erdkabel ausgelegt würden, gelte als ziemlich sicher.
Auf jeden Fall wolle die amprion mit diesem Vorschlag in das Planfeststellungsverfahren gehen. Genehmigungsbehörde ist die Bezirksregierung in Münster.
 

 Borkener Zeitung, 18.5.2010

Übergabe-Portale verschieben
 
 

 
Solche Übergabe-Portale sollen in Raesfeld an den jeweiligen Enden der Erdkabelstrecke entstehen. Jetzt wird der Wunsch laut, diese Portale so weit wie möglich an die Ortsgrenzen zu verlegen.
Solche Übergabe-Portale sollen in Raesfeld an den jeweiligen Enden der Erdkabelstrecke entstehen. Jetzt wird der Wunsch laut, diese Portale so weit wie möglich an die Ortsgrenzen zu verlegen.
(Foto: amprion GmbH)

 

 
Raesfeld (era). Im Zuge der Planung der neuen 380-kV-Leitung und der beabsichtigten Erdkabelstrecke auf Raesfelder Gebiet, hoffen einige Bürger auf Unterstützung der Gemeinde. Wie Bürgermeister Andreas Grotendorst im Planungsausschuss bekannt gab, haben sich Bürger an ihn gewandt, die in der Nähe der benötigten Übergabe-Portale wohnen. Diese sollten weiter in Richtung Gemeindegrenze verschoben werden, so der Wunsch. Die recht großen und hohen Bauwerke sind bisher geplant in Höhe des Lehmbrockwegs am westlichen Rand des Tiergartens und nordöstlich des Gewerbegebiets Nord (Ährenfeld). Bislang habe Netzausbauer amprion das abgelehnt, so Grotendorst. Eine Verlegung zöge auch eine längere Erdkabelstrecke nach sich und erzeuge Mehrkosten von fünf bis sieben Millionen Euro. Über die Kosten entscheidet letztlich aber nicht amprion selbst, sondern die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde. Im Planungsausschuss herrscht Konsens darüber, dass die Portale so weit wie möglich voneinander entfernt stehen sollten. Am nördlichen Ortseingang solle das Portal möglichst östlich der B 70 platziert werden, so Grotendorst, damit es nicht so auffalle. Und auch in Tiergartennähe sei ein Standort ungünstig. Richtung Wormstall (Kläranlage) sei das Bauwerk seiner Meinung nach viel besser platziert. Für eine Verlegung wolle man sich jetzt einsetzen.
 

 

 

Borkener Zeitung, 16.6.2010

Trassenalternative im Auge behalten
 

 
Größere Masten sollen auf der 380-kV-Trasse zwischen Wesel und Diele errichtet werden.
Größere Masten sollen auf der 380-kV-Trasse zwischen Wesel und Diele errichtet werden.
(Foto: Colourbox)

 

 
Raesfeld (era). Vertreter der Initiative pro Erdkabel NRW haben beim jüngsten Fachgespräch mit dem Netzbetreiber amprion GmbH in Dortmund über den Planungsstand für die neue 380-kV-Leitung Wesel-Diele gesprochen. Dabei, so Gaby Bischop - eine der Vertreterinnen der Initiative - aus Raesfeld, sei deutlich geworden, dass die RWE-Tochter amprion mit einem Höchstmaß an Rechtssicherheit in das Planfeststellungsverfahren gehen wolle. Ein Beleg dafür sei der Tatbestand, dass 80 Kilometer der insgesamt 130 Kilometer, für die amprion zuständig ist, auf der vorhandenen Trasse realisiert werden soll. Für Gaby Bischop und ihre Mitstreiter ist klar: „Hier wird zu wenig über Trassenalternativen nachgedacht.“

Für „pro Erdkabel NRW“ ist amprion noch immer eine großräumige Trassenbetrachtung schuldig. Sowohl eine mögliche Alternativtrasse entlang der A 31 sei noch nicht hinreichend geprüft. Auch technische Varianten wie die HGÜ-Technik (Stromübertragung mit Gleichstrom in Höchstspannung) seien in der Betrachtung unterbewertet.
Bevor es endgültig in das Planfeststellungsverfahren gehe, werde ein so genannter Unterlagenentwurf zur Bezirksregierung zwecks Prüfung eingereicht, erklärte Bischop. Bei einem Scoping-Termin (Untersuchungen über die Auswirkung eines Vorhabens auf die Umwelt) sei entschieden worden, dass eine großräumige Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen werde. „Derzeit werden Bodenproben genommen, und es wird geprüft, was bei der geplanten Erdverkabelung auf Raesfelder Gebiet alles berücksichtigt werden müsse.

Im Abstimmungsgespräch mit amprion habe die Initiative nochmals auf die Verlegung der Übergabestationen an den Enden der Erdkabelstrecke gedrängt, so Bischop: „Die Energieunternehmen müssen beim Stromnetzausbau den Bürgern entgegenkommen.“ Schließlich, argumentiert die Initiative, diene der Netzausbau nicht nur dem Transport von Strom aus den Windparks Norddeutschland, sondern auch Strom aus Kohlekraftwerken und Atommeilern werde von Nord nach Süd geleitet.

Irritiert sei man ebenfalls von der Kosteneinschätzung der HGÜ-Technik seitens eines amprion-Sprechers, betonte die Raesfelderin im BZ-Gespräch. Angeblich verschlinge der Streckenausbau gegenüber einer Freileitung (150 Millionen Euro) und einer kombinierten Freileitung mit Erdkabelabschnitten (300 Millionen Euro) bei der HGÜ-Technik eine Milliarde Euro. Seitens der Industrie, so Bischop, kalkuliere man deutlich anders. „ABB kann das deutlich günstiger anbieten, als das bisher immer gesagt wurde. Das hat uns ein Unternehmensvertreter versichert“, betont Bischop.

Die Initiative hat amprion noch einen umfangreichen Fragenkatalog überreicht, der aber noch nicht beantwortet sei. Die Beantwortung käme schon fast einer Doktorarbeit gleich, habe amprion die Bearbeitung bisher abgelehnt

 

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