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 RWE - Das Unternehmen

Der Essener RWE-Konzern ist nach Eon der zweitgrößte deutsche Energieversorger. Der Umsatz betrug 2007 42,6 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis fast sieben Milliarden. Zahl der Beschäftigten: 63 500.

Seinen Strom stellt der Konzern vornehmlich in Atom- und Kohlekraftwerken her, neuerdings engagiert er sich verstärkt auch bei erneuerbaren Energien. Die Produktionsstruktur des hoch profitablen Unternehmens birgt indes Probleme. RWE ist wegen des hohen Braunkohleanteils Europas größter CO2-Emittent. Das bedeutet künftig hohe Zusatzkosten - für Zertifikate im Emissionshandel oder "saubere" Kraftwerke, in denen das CO2 abgetrennt und in leere Erdgaslager gepumpt werden soll. RWE plant eine CO2-Pipeline von NRW nach Ostrfriesland. Auch der hohe Anteil von Atomstrom wird zur Belastung, wenn der AKW-Ausstieg nicht revidiert wird.

Am Heimatmarkt hat der Konzern bei zunehmendem Wettbewerb rund 250 000 Kunden verloren. Die Abwanderung sei gestoppt, heißt es in Essen. Ein neues Geschäftsfeld der Zukunft sieht RWE im Stromverkauf für Elektroautos. In Berlin beteiligt sich man an Pilotprojekt E-Mobility mit "Stromtankstellen". Wachsen will der Konzern vornehmlich im Ausland.

Quelle: Frankfurter Rundschau, 6./7. September 2008

 

 

Energiewirtschaft

Grüne werfen Stromkonzernen Abzocke vor

Die Preise am Strommarkt fallen – und die Verbraucher müssen mehr zahlen. Laut einer Studie der Grünen kassieren E.on, RWE und Co. eine Milliarde Euro zu viel.

Die Strompreise fallen – allerdings nicht für die Verbraucher

Die Strompreise fallen – allerdings nicht für die Verbraucher

Die Stromkonzerne verdienen gut – zu gut, sagen die Grünen. In einer von der Bundestagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie kommt der Leverkusener Energiewirtschaftler Gunnar Harms zu dem Ergebnis, dass die Energiewirtschaft in diesem Jahr eine Milliarde Euro zu viel bei ihren Kunden abkassieren wird.

Der Experte verglich die Einkaufspreise an der Strombörse EEX in Leipzig mit den Tarifen, die die Konzerne von ihren Kunden verlangen. Sein Fazit: Während die Preise an der Leipziger Strombörse seit 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken seien, müssten Stromkunden im gleichen Zeitraum durchschnittlich sieben Prozent mehr zahlen. Demnach würden die Konzerne die niedrigeren Einkaufskosten nicht entsprechend an die Endverbraucher weitergeben.

Die Konzerne hätten durchschnittlich 0,8 Cent pro Kilowattstunde geringere Beschaffungskosten, heißt es in der Analyse. Bei einem gesamten Absatz in Deutschland von rund 131 Milliarden Kilowattstunden ergebe sich daraus "eine Summe von einer Milliarde Euro", die den Verbrauchern vorenthalten werde.

Für Ingrid Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, handelt es sich hier "um reine Abzocke der Unternehmen". Schließlich würden "deren Gewinne Jahr für Jahr exorbitante Höhen erreichen", sagte sie dem Hamburger Abendblatt. Auch Gutachter Harms nennt die Preiserhöhungen "nicht nachvollziehbar". Als Beispiel nennt er den Stromkonzern RWE. Dieser kassiere durch seine Strompreiserhöhung im August 100 Millionen Euro zu viel von seinen Kunden.

Ein RWE-Sprecher begründete den Preisanstieg vor allem damit, dass RWE die erhöhte EEG-Zulage bislang nicht berechnet habe und nun nachziehe. Demnach verlangt RWE nun erst einmal die doppelte Erhöhung der EEG-Zulage, um das vorgestreckte Geld wieder einzuholen. "Die Aussagen von RWE klingen nicht plausibel", sagte dagegen die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn. "Wenn das so wäre, hätten sie bereits eine Strompreissenkung zu Anfang des nächsten Jahres ankündigen müssen."

Höhn forderte die Energiekonzerne auf, die Kunden endlich von den stark gefallenen Einkaufspreisen an der Strombörse profitieren zu lassen. Offenbar sei bisher die Wechselbereitschaft der Verbraucher noch nicht groß genug, "sonst würde die Weitergabe von Preissenkungen besser funktionieren", sagte Höhn der Saarbrücker Zeitung. Ihre Parteikollegin Nestle sagte der Zeitung, die steigenden Strompreise seien "ein Symptom des nicht funktionierenden Wettbewerbs" auf dem deutschen Markt.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-08/stromkonzerne-preissenkungen-stromboerse

Gewinne verdreifacht

Stromkonzerne langen zu

Die vier großen Energiekonzerne Deutschlands haben ihre Gewinne in den vergangenen fünf Jahren laut dem Entwurf einer Studie der grünen Bundestagsfraktion verdreifacht. Im selben Zeitraum seien die Strompreise um mehr als die Hälfte gestiegen, berichtete die "Berliner Zeitung", der der Entwurf vorlag. Weniger als die Hälfte der Preissteigerung bei Haushaltsstrom sei auf die Erhöhung von Steuern oder Abgaben zurückzuführen. Allein in diesem Jahr stieg demnach der Strompreis vor Abgaben und Steuern um rund 6,5 Prozent.
 
Nach dem Rekordjahr 2007, als sich die Konzerngewinne von Eon, Vattenfall, EnBW und RWE auf knapp zwanzig Mrd. Euro summierten, konnten die Unternehmen laut Expertise bis zum Ablauf des dritten Quartals ihren Gewinn im Schnitt um weitere elf Prozent steigern. Auch für das Jahr 2008 deute sich damit trotz Finanzkrise abermals ein Rekordgewinn an, wenn die Zahlen der ersten neun Monate bis zum Jahresende fortgeschrieben würden, heißt es in dem Entwurf der Studie, die unter Federführung von Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes erstellt wurde.
 

n.tv.de, Montag, 29. Dezember 2008

 

Stromkonzerne steigern Gewinn mit höheren Preisen

Hamburg (dpa) - In den vergangenen fünf Jahren haben die vier großen Stromkonzerne in Deutschland ihre Gewinne nach einer Studie mehr als verdreifacht.

Gleichzeitig seien die Strompreise um mehr als die Hälfte gestiegen, geht nach Angaben der «Berliner Zeitung» (Montag) aus dem Entwurf einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes hervor.

2007 hätten sich die Gewinne von Vattenfall, E.ON, ENBW und RWE auf knapp 20 Milliarden Euro summiert. «Auch für das Jahr 2008 deute sich trotz der Finanzkrise abermals ein Rekordgewinn an, wenn man die Zahlen der ersten neun Monate bis zum Jahresende fortschreibt», heißt es in der von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie.

Die Studie macht für die Gewinnsteigerungen der Konzerne vor allem den Anstieg der Strompreise verantwortlich. Allein zwischen 2000 und 2007 seien die Strompreise für Haushalte um rund 50 Prozent gestiegen, wobei ein Teil auch durch staatliche Steuern und Abgaben zustande kam. Vor Abgaben und Steuern sei allein in diesem Jahr der Strompreis um 6,5 Prozent in die Höhe geschnellt.

Exorbitante Kapitalrenditen in Kraftwerkssparten seien problematisch, wenn sie auf monopolartigen Märkten erwirtschaftet würden, kommentierte die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, die Ergebnisse der Studie. «Das entzieht den Verbrauchern Kaufkraft und gefährdet Arbeitsplätze», fügte sie hinzu.

Quelle: dpa-info.com GmbH, 29. 12.2008

Stromkonzerne in der Kritik

Scharfe Kritik von allen Seiten, weil die Stromkonzerne trotz Gewinnen in Milliardenhöhe erneut Preiserhöhungen ankündigen. Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel brandmarkte die Konzerne als Ausbeuter.

„Bei den Konzernen sind die höheren Preise überhaupt nicht akzeptabel“, sagte Riehl in einem Interview des Deutschlandfunks. „Die Gewinne der vier großen Energiekonzerne, also E.ON, RWE, ENBW und Vattenfall, sind ja wie wir wissen riesig. Man kann sagen, dass dieses Stromgewinnquartett, das ja 80 Prozent der Stromerzeugungskapazität besitzt, in diesem Oligopol die Kunden wirklich ausbeutet, dass hier wirklich Einhalt geboten werden muss.“

Der Minister ist der Ansicht, dass auch die Politik die Stromverbraucher entlasten kann. Riehl: „Deshalb habe ich die Bundesregierung aufgefordert, die Stromsteuer von derzeit zwei auf mindestens einen Cent zu halbieren. Und übrigens: Das kann finanziert werden ohne zusätzliche Belastungen für den Bundeshaushalt, nämlich indem die CO2-, also die Verschmutzungszertifikate, den Stromkonzernen nicht länger geschenkt werden, sondern komplett versteigert werden.“

Bislang würden die Stromkonzerne mit diesen geschenkten Zertifikaten einen Extragewinn von mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften, weil sie den Wert der kostenlos zugeteilten CO2-Zertifikate schlicht und einfach auf den Strompreis aufschlagen. Das sei auch ein Hauptgrund für hohe Strompreise in Deutschland, und diese Gewinne zu Lasten der Verbraucher müsse der Staat abschöpfen und an die Bürger zurückgeben.

In Hessen will Rhiel die Netzdurchleitungsentgelte, also die Gebühren, die die Netzbetreiber für den Stromtransport verlangen, um 10 bis 25 Prozent senken, um preisdämpfend zu wirken.

Die Konzerne schalten und walten wie sie wollen

Auch Energie-Expertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bestreitet, dass Strompreiserhöhungen gerechtfertigt wären. In Deutschland würden 75 Prozent des Stroms aus Atomkraft und Kohle gewonnen, sagte sie der Berliner Zeitung. „Die Erzeugung von Atomenergie ist kaum teurer geworden, bei Kohle sind die Veränderungen nur unwesentlich. Insofern ist es kaum nachzuvollziehen, warum die Verbraucher jetzt draufzahlen müssen und die Großhandelspreise dafür verantwortlich sein sollen.“ Nur rund zehn Prozent der Menge würden an der Börse gehandelt. Der Rest werde in bilateralen Verträgen zwischen den Anbietern gehandelt.

Es gebe zu wenig Wettbewerb im Strommarkt. Kemfert: „Die vier Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW bilden ein Oligopol und können im Wesentlichen schalten und walten, wie sie wollen. Hinzu kommt, dass die Netzentgelte immer noch zu hoch sind. Sie machen rund ein Drittel des Strompreises aus.“

Politik will eingreifen

Angesichts der neuen Preisrunden beim Strom will die SPD im Bundestag die Macht der Energiekonzerne mittelfristig beseitigen und schlägt dafür eine Art „Monopol-TÜV" für alle zukünftigen Gesetze vor. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte der Berliner Zeitung: „Die dreiste Preispolitik der großen Konzerne zeigt deutlich, dass wir dringend mehr Konkurrenz auf dem Strommarkt benötigen." Ziel müsse es sein, den Marktanteil der vier großen Stromkonzerne von heute über 80 Prozent auf unter 50 Prozent zu drücken. Dies müsse innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre geschehen, forderte Kelber. „Die Ministerien, insbesondere das Wirtschaftsministerium, müssen sicherstellen, zukünftig nicht mehr der Erfüllungsgehilfe der großen Stromkonzerne zu sein", verlangte er.

Auch der Verband der Energieverbraucher kritisierte die Preispolitik der Stromkonzerne scharf. Deren Vorsitzender Aribert Peters sprach von einer „unerträglichen und willkürlichen Preistreiberei". Die deutschen Haushaltskunden müssten zwischen 2,4 und 7 Cent je Kilowattstunde mehr zahlen als ihre europäischen Nachbarn.

Der Vorstandschef von Europas größter Kupferhütte Norddeutsche Affinerie AG, Werner Marnette, warf den Versorgern Willkür vor. „Die Preistreiberei der vier marktbeherrschenden Stromkonzerne ist für Privatverbraucher, Handwerk und Industrie unerträglich geworden."

Untersuchungsausschuss gefordert

Angesichts der Rekordgewinne der Energiekonzerne forderte das SPDVorstandsmitglied Hermann Scheer die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im deutschen Bundestag. „Die Energiekonzerne missbrauchen ihre marktbeherrschende Stellung und verstoßen damit gegen das Wettbewerbsrecht", schrieb Scheer in einem Gastbeitrag für die Zeitung Bild am Sonntag.

Weitere Preissprünge erwartet

Spätestens mit Auslaufen der Genehmigungspflicht für die allgemeinen Stromtarife ab Mitte nächsten Jahres sei mit regelrechten Preissprüngen zu rechnen, teilten Branchenkreise der Berliner Zeitung mit. Auslöser sei die Entwicklung der Großhandelspreise an der Strombörse. Zunächst fielen die zum Jahreswechsel von den Versorgern geplanten neuen Tarife mit Steigerungsraten zwischen sechs und zehn Prozent noch halbwegs moderat aus.


(Deutschlandfunk 24.08., Berliner Zeitung 21, 23. und 24.08.2006)

Strom-Oligopol

Der Blitz hat eingeschlagen
 

VON URSULA KNAPP UND JOACHIM WILLE

 
Zehn Jahre nach dem Ende der staatlichen Strommonopole hat der Bundesgerichtshof (BGH) festgestellt: "Auf dem deutschen Strommarkt herrscht noch kein freier Wettbewerb." Die Karlsruher Richter bescheinigten den Marktführern Eon und RWE darüber hinaus, dass sie ein "marktbeherrschendes Oligopol" bilden. Deshalb seien weitere Zusammenschlüsse zu untersagen.

Für das Bundeskartellamt stellt der höchstrichterliche Donnerschlag einen großen Sieg dar. Die Behörde kann nun viel leichter gegen Versuche der Stromriesen vorgehen, den Markt vor Konkurrenten abzuschotten. Jörg Nothdurft, Vertreter des Kartellamts, sagte, der BGH habe einen "Bremsklotz beiseite geräumt", mit dem Wettbewerb verhindert werde. Es müsse aber noch an anderen Stellen "genagt" werden. 

Markt abgeschottet

Der Streit, der zu dem Karlsruher Grundsatzurteil führte, klingt zunächst geringfügig. Eon wollte bei den Stadtwerken Eschwege mit einer Minderheitsbeteiligung einsteigen. Das Bundeskartellamt untersagte dies 2003. Dagegen ging Eon gerichtlich vor, scheiterte aber vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf und nun auch in letzter Instanz vor dem BGH.

Allerdings steckte hinter dem Vorhaben in Eschwege eine ganze Unternehmensstrategie, wie der Kartellsenat des BGH am Dienstag feststellte. Sie bestehe darin, "an zahlreichen Stadtwerken oder sonstigen Stromversorgern Minderheitsbeteiligungen zu erwerben, um auf diese Weise ihre Absatzgebiete zu sichern."

Die Stromkonzerne versuchen aber auch auf anderem Weg, ihren angestammten Markt abzuschotten. So sind die Durchleitungskapazitäten an den deutschen Grenzen gering. Ausländische Stromanbieter können deshalb hierzulande laut BGH nur geringen Wettbewerbsdruck entfalten. Aber auch zwischen Eon und RWE gebe es "keinen nennenswerten Wettbewerb".

Ein weiteres Mittel, um die Kunden im Ex-Monopolgebiet zu behalten, war eben der Stadtwerke-Einstieg. Die Logik: Wenn ein Stadtwerk zum Teil einem Stromkonzern gehört, wird es seinen Strom auch von dort beziehen. Eon und RWE kauften bei insgesamt 204 regionalen Stromverteilern Anteile. Das Bundeskartellamt ging 2003 schließlich gegen die Beteiligungswelle vor. Der Rechtsstreit um das Stadtwerk Eschwege hatte folglich Pilotcharakter (AZ: KVR 60/07). Die 204 Beteiligungen von Eon und RWE sind allerdings wirksam und können nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Freilich wird seit Monaten darüber spekuliert, dass Eon seine milliardenschwere Stadtwerketochter Thüga verkaufen will. Der Konzern prüfe "alle Optionen, darunter einen Verkauf", heißt es im Umfeld des Konzerns. Dies werde Eon wohl am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen ankündigen. Offiziell hat das Unternmehmen nur ankündigt, bis 2010 alle Beteiligungen, auf ihren strategischen Wert und finanziellen Beitrag zu überprüfen. Die Thüga-Gruppe ist bundesweit an rund 110 Unternehmen beteiligt, davon 90 Energieversorger. Sie beliefert etwa 3,9 Millionen Gas- und 3,5 Millionen Stromkunden.

Grüne fordern Entflechtung

er Verbraucherschutz-Experte Holger Krawinkel sieht in dem BGH-Urteil einen Durchbruch: "Damit wird sich die Struktur der Energiewirtschaft deutlich verändern", sagte er der FR. Das Geschäftsmodell "Vom Kraftwerk bis zur Steckdose" sei gescheitert. Eon riet er, sich auf Stromproduktion und internationale Beschaffung zu konzentrieren sowie die Thüga zügig zu verkaufen.

Dies sei "die Chance zur Rekommunalisierung der Energieversorgung". Allerdings müssten sich Stadtwerke zusammenschließen, um stärker zu sein. Aus den aktuell 900 Unternehmen sollten rund 350 werden, vergleichbar der Zahl der Sparkassen. Notwendig sei ein klares, einheitliches Erscheinungsbild und mehr Qualität - "vor allem in Richtung von Energiedienstleistungen."

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn forderte, die Entflechtung von Stromkonzernen und Stadtwerken offensiv anzugehen. Die sei nötig, um die Marktmacht von Eon und Co. zu begrenzen. Das Kartellamt habe "die Reißleine bei den Beteiligungen viel zu spät bgezogen", sagte sie der FR.

Die Konzerne reagierten gelassen. RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig sagte, man erwarte keine Änderungen der Lage. Das Kartellamt habe Konzerne bereits als marktbeherrschend behandelt.
 

Eon und RWE

Gegen den Strom
VON JOACHIM WILLE

Oligopol. Das Wort hat in einer Marktwirtschaft einen bösen Klang. Es bedeutet: Der Wettbewerb, durch den sich günstige Preise bilden, ist ausgeschaltet. Wenige große Player teilen sich den Markt auf. Nun ist es amtlich - sogar höchstrichterlich festgestellt: Die beiden großen Energiekonzerne Eon und RWE bilden ein "marktbeherrschendes Oligopol". Der Bundesgerichtshof (BGH) stützt damit in seinem Urteil vom Dienstag das Bundeskartellamt, das Eon 2003 untersagt hat, sich an weiteren kommunalen Stromversorgern zu beteiligen. Im konkreten Fall ging es um einen 33-Prozent-Anteil der Stadtwerke Eschwege.


Der Versuch der Konzerne, den Trend zu mehr Wettbewerb auszuhebeln, ist damit gestoppt. Nicht nur die Nummern eins und zwei im Strommarkt, auch die "kleinen" Energieriesen Vattenfall und EnBW hatten sich so in den letzten Jahren in immer mehr Gebieten direkten Zugang zu den Endkunden verschafft. Die "Big Four" besitzen inzwischen Anteile an 40 Prozent der Stadtwerke. Dies können sie nun nicht weiter ausbauen.

Der BGH stellt der Politik damit ein miserables Zeugnis aus. Denn nicht erst gestern, sondern bereits vor einem Jahrzehnt hat der Bund die Gebietsmonopole im Stromsektor aufgelöst. Wettbewerb statt überhöhte Gewinne, so lautete das Ziel. Die freie Wahl des Versorgers und die Chance des Marktzutritts für neue Anbieter sollten die Preise purzeln lassen. Doch was beim Telefon klappte, wurde beim Strom ein Rohrkrepierer. Er wurde erst etwas billiger, dann sogar noch teurer als vorher.

Der Grund: Der Bund hatte - aufgrund des Drucks der Konzerne - nur halbherzig liberalisiert. Kraftwerke und Stromnetze blieben in einer Hand. Die Wechselbereitschaft der Stromkunden wuchs nur langsam. Die Oligopol-Schelte des BGH ändert für den Verbraucher wenig. Das Kartellamt sagte voraus: "Es wird nicht zu kurzfristigen Strompreissenkungen kommen", da der Wettbewerb auf dem Strommarkt an vielen weiteren Punkten kranke.

Eon hingegen befand, die Situation habe sich ja "schon deutlich geändert". Tatsächlich hat der Konzern den Verkauf des Höchstspannungsnetzes und von Kraftwerken angekündigt - allerdings erst auf Druck der EU.
 

Frankfurter Rundschau, 12.11.2008

 
RWE-Strommasten:
Bleihaltiges Mittel belastet den Boden

Dortmund/Münsterland - Ein bleihaltiges Rostschutzmittel hat offenbar den Boden rund um einzelne Strommasten des Energieversorgers RWE belastet. Das haben das Unternehmen in Dortmund und das nordrhein-westfälische Umweltministerium am Dienstag gemeldet. Wie viele Strommasten zurzeit betroffen sind, ist noch unklar, auch, wo von den Masten Blei in den Boden eingedrungen ist, blieb auf Anfrage offen.

 Die RWE-Gesellschaft Transportnetz Strom, die bundesweit 20.000 Masten betreibt, hatte 210 von Gutachtern stichprobenartig untersuchen lassen. Die Experten sind laut Landesregierung zu dem Ergebnis gekommen, dass in NRW „teilweise mit Schadstoffanreicherungen der Böden im engen Umkreis von mehreren Metern um ältere Höchstspannungsmasten zu rechnen ist“. Das Schwermetall gelange über Regenwasser oder bei Renovierungsarbeiten in den Boden. Eine akute Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung bestehe aber nicht.

 RWE nimmt nach Angaben seines Sprechers Marian Rappl bundesweit etwa 20 Standorte genauer unter die Lupe, die in Privatgärten oder der Nähe von Kinderspielplätzen stehen. „Wenn da jemand Salatköpfe anbaut oder Kinder schaukeln“, wolle der Versorger sofort Kontakt aufnehmen und erste Maßnahmen ergreifen, kündigte Rappl an. Das könnte ein Bodenaustausch, ein Zaun oder eine Hecke sein. Ein Abriss stehe nicht zur Debatte. „Das wäre zu viel des Guten“, meinte Rappl. Für Industriegebiete oder Wälder sieht RWE keine Probleme. Dort seien die kritischen Grenzwerte höher.

Nach Rappls Worten hat das Unternehmen so genannte Bleimennige bis 1960 flächendeckend und ausschließlich eingesetzt, seit 1992 habe der Energieversorger nur noch bleifreie Korrosionsschutzmittel benutzt. Ob Masten im Münsterland betroffen sind, vermochte Rappl nicht zu sagen. In NRW stehen 8500, bei rund der Hälfte sei eine Bleibeschichtung möglich. Laien könnten nicht erkennen, ob Masten in ihrer Nähe Blei absondern. Dafür müsse eine Bodenprobe entnommen werden.

Der Energieversorger hatte ähnliche Berichte aus der Schweiz zum Anlass genommen, sein eigenes Netz genauer zu überprüfen.

 
VON STEFAN WERDING, MÜNSTER , 24.6.08

 

Missbrauchsverfahren gegen Stromriesen eingeleitet

Hamburg (dpa) - Die Bundesnetzagentur hat ein Missbrauchsverfahren gegen die vier großen deutschen Stromkonzerne eingeleitet.
06. April 2008 09:17 Uhr
Dabei wird dem Vorwurf nachgegangen, dass E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW Möglichkeiten zum Austausch sogenannter Regelenergie nicht ausreichend genutzt und dadurch überhöhte Stromrechnungen ausgestellt hätten, wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in seiner neuen Ausgabe berichtet und RWE am Samstag bestätigte. RWE weist die Vorwürfe, die von Wettbewerbern stammen, zurück. Auch das von den Konkurrenten genannte Volumen der möglicherweise überhöhten Rechnungen von 800 Millionen Euro in den Jahren 2006 und 2007 sei «um ein vielfaches zu hoch», sagte ein RWE-Sprecher der dpa.
Die Regelenergie dient zum Ausgleich möglicher Spannungs-Schwankungen zum Beispiel durch die wetterabhängige Windstromproduktion oder den Ausfall von Kraftwerken. Das Energiewirtschaftsgesetz schreibt den Netzbetreibern vor, zusammenzuarbeiten, um den Aufwand an dieser Ausgleichsenergie möglichst niedrig zu halten.
Das Verfahren geht auf eine Beschwerde des Ökostromanbieters Lichtblick und des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter zurück, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. Lichtblick und der Verband Neuer Energieanbieter beziehen sich auf ein Gutachten, demzufolge die Möglichkeiten, Regelenergie zwischen den Netzen auszutauschen, nicht ausgeschöpft wurden. Dies sei in Verbrauchsprotokollen festgehalten. So habe zum Beispiel E.ON in einem Versorgungsgebiet teure Ausgleichsenergie produziert, während im benachbarten Vattenfall- oder RWE-Netz zeitgleich ein erheblich Überschuss an Strom bestanden habe, heißt es. Den Vorwürfen zufolge sollen den Stromkunden in Deutschland 2006 rund 314 Millionen und 2007 etwa 494 Millionen Euro zu viel für Regel- und Ausgleichsstrom berechnet worden sein.
Der RWE-Sprecher machte geltend, dass das europäische Stromnetz in 29 Regelzonen unterteilt sein, die autonom betrieben werden sollen, um bei Ausfällen nicht die Stabilität der gesamten Stromversorgung zu gefährden. Entsprechend solle zwischen ihnen auch keine Regelenergie ausgetauscht werden. In Deutschland gebe es vier solcher «Sicherheitszellen». Die Vorwürfe aus dem Gutachten seien haltlos, und basierten auf falschen Fakten, sagte der Sprecher. E.ON verwies laut «Spiegel» darauf, dass Regelenergie zentral auf einer Internet- Plattform nach detaillierten Vorgaben der Bundesnetzagentur beschafft werde.
Quelle: dpa-info.com GmbH
 

 

Angebliche "Stromlücke"
Stromriesen am Pranger
VON JOACHIM WILLE
 

Langsam wird es ungemütlich für die deutschen Stromriesen. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten, Energieforschern und Umweltschützern hat die Konzerne wegen ihrer Warnung vor einer vermeintlichen "Stromlücke" heftig angegriffen.

Eon, RWE, Vattenfall und EnBW blockierten den Umbau der Energieversorgung, heißt es in ihrem Aufruf, der der Frankfurter Rundschau vorliegt. Hinter der Warnung stehe "die Verteidigung marktbeherrschender Stellungen auf dem Strommarkt und von Eigeninteressen" - die Konzerne fordern neue Kohlekraftwerke und längere Laufzeiten für Atommeiler.

 "Keine Stromlücke, aber eine Handlungslücke"

Tatsächlich gibt es nach Ansicht der Autoren "keine Stromlücke, aber eine Handlungslücke". Ein Blackout drohe nur, wenn die von der Bundesregierung beschlossenen Schritte nicht umgesetzt würden. Das sind, mit Zieljahr 2020, Stromeinsparung um elf Prozent, Ausbau des Ökostrom-Anteils von derzeit 14 auf 30 Prozent sowie Verdoppelung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in der fossilen Stromproduktion auf 25 Prozent. Bei KWK-Anlagen wird die Abwärme nicht ungenutzt in die Umwelt gepustet, sondern zum Heizen oder in der Industrie genutzt.

Die Unterzeichner, zu denen Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) und weitere SPD-Abgeordnete, der CSU-Politiker Josef Göppel sowie die Professoren Peter Hennicke (Wuppertal-Institut), Ernst von Weizsäcker und Klaus Traube gehören, kritisieren auch die bundeseigene Deutsche Energieagentur (Dena).

Die Dena hat eine von den Energieunternehmen finanzierte Studie vorgelegt, in der sie voraussagt, dass 2020 etwa 15 konventionelle Kraftwerke fehlten. In dem Aufruf heißt es, die Agentur habe vorhandene Potenziale nicht ausreichend berücksichtigt. Allein durch die Nutzung effizienter Hausgeräte könnten in Deutschland sieben Großkraftwerke "weggespart" werden.

"Preise müssten deutlich steigen"

 
Das Öko-Institut sieht ebenfalls keine Anzeichen für einen baldigen Mangel an Elektrizität. Es hat die bis 2014 verfügbaren Handelsdaten der Strombörse EEX ausgewertet und urteilt: Es gebe dort "keine Knappheitssignale…, die mit einer absehbaren Stromlücke einher gehen müssten". Instituts-Experte Felix Matthes erläutert: "Preise für langfristige Stromlieferungen müssten deutlich steigen, da der Strom knapp würde. Das ist nicht der Fall."

Er hält es bei Umsetzung der Energiepläne der Bundesregierung für möglich, am Atomausstieg festzuhalten und bis etwa 2020 auf den Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke zu verzichten. Es sei im Zweifel sinnvoller, alte Kohlemeiler länger zu betreiben statt neue zu bauen, die dann 40 bis 50 Jahre lang viel CO2 ausstoßen, sagte Matthes der Frankfurter Rundschau.

Fachleute erwarten, dass um 2020 die CO2-Abscheide-Technologie marktreif ist, mit der die Kohle deutlich klimafreundlicher gemacht werden könne. Dies solle abgewartet werden, so Matthes.

Die Deutsche Bank erwartet, dass die Stromerzeugung in fossilen Großkraftwerken deutlich teurer wird. Ihre Energieexperten befürworten einen breiten Mix, in dem die erneuerbaren Energien "auf einem sehr steilen Expansionskurs bleiben" und die klimafreundliche Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stark zunimmt.

Die Hoffnung, die "Stromlücke" könne so verhindert werden, teilen die Deutschbanker aber nicht. Sie werde aber "verkleinert". Der Chef-Volkswirt der Bank, Norbert Walter, sagte der Frankfurter Rundschau, dass ein Szenario, in dem Deutschland aus der Atomkraft und der Kohle aussteige, sei "völlig irreal" sei.

Walter sagte aber auch: "Es ist gut, dass die Belastung der Umwelt durch den Emissionshandel einen Preis bekommt." Die Kosten für die CO2-Zertifikate, die Kraftwerksbetreiber erwerben müssen, würden "wegen der steigenden Klimagefahren in Zukunft wohl merklich steigen".

Die EU plant, die Zertifikate ab 2013 komplett an Stromerzeuger und Industriebetriebe zu versteigern. Derzeit bekommen sie die Lizenzen zu 90 Prozent kostenlos zugeteilt.

Frankfurter Rundschau, 21.4.2008

 

 

 

Jetzt ist auch die RWE der Meinung: "Freileitungen haben ausgedient"

Seit rund einem Jahrhundert sorgt RWE für die nötige Energie in der Region (Lienen) und achtet auf die zuverlässige Verteilung für den Transport von Strom und Gas.

Die Mitarbeiter kommen aus der Gegend, in der sie arbeiten und kennen daher das Netz wie ihre Westentasche. „Die Versorgungsqualität für die Einwohner der Region hat für RWE oberste Priorität“, betont Thomas Wissing, Leiter Netzbezirk Georgsmarienhütte. „Erdkabel sind auf Dauer weniger störungsanfällig“, weiß Wissing. Umstürzende Bäume und Blitze spielen damit keine Rolle mehr. Gleichzeitig können sich in Freileitungen keine Vögel mehr verfangen und verenden.
(Quelle: Westfälische Nachrichten, 9.4.2010)

 

 

Zeitung: RWE plant Teil-Verkauf von Hochspannungsnetz

Dienstag, 5. Oktober 2010, 19:13 Uhr
Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern RWE will einem Zeitungsbericht zufolge einen Teil seines Hochspannungsnetzbetreibers Amprion verkaufen.

Die "Westfälische Rundschau" berichtete in einem am Dienstag veröffentlichten Vorabbericht ohne Angabe von Quellen, knapp 75 Prozent der Anteile des Netzbetreibers sollten an einen Rentenfonds gehen. Eine Sprecherin von RWE sagte dazu: "Wir kommentieren Marktgerüchte grundsätzlich nicht. RWE betrachtet das Netzgeschäft der Amprion GmbH als wichtigen Bestandteil seiner Strategie als integrierter Versorger."

Amprion mit Sitz in Dortmund beschäftigt 850 Mitarbeiter und betreibt ein Netz von einer Länge von 11.000 Kilometern. Mit einem Verkauf würde RWE eine Kehrtwende vollziehen, hatte der Konzern in der Vergangenheit doch stets erklärt, an seinen Stromnetzen festhalten zu wollen. Allerdings steht der Versorger inzwischen wegen Belastungen aus dem Atomkompromiss erheblich unter Druck. Vor allem wegen der Brennelementesteuer rechnet RWE 2011 mit einer Belastung des für die Dividende entscheidenden nachhaltigen Nettoergebnisses von 500 Millionen Euro. Der Konzern will daher seinen Sparkurs fortsetzen. Nach der Aufsichtsratssitzung im September hatte der Konzern angekündigt, die Veräußerung von Geschäftsbereichen zu prüfen.

MILLIARDENINVESTITIONEN IN STROMNETZE NOTWENDIG

MerckFinck-Analyst Theo Kitz sagte, ein Verkauf des Hochspannungsnetzes wäre überraschend, hatte RWE doch vor nicht allzu langer Zeit noch angeboten, die Führung aller großen Stromtrassen in Deutschland zu übernehmen. Andererseits müsse der Konzern schauen, wie er die Belastungen aus dem Atomkompromiss kompensiere, ohne die Dividende zu kürzen. "Da könnte ein Verkauf von Teilen von Amprion notwendig sein."

In die deutschen Stromnetze müssen wegen des geplanten Ausbaus des Ökostroms in den kommenden Jahren Milliardensummen investiert werden. Die Netzbetreiber haben immer wieder vermeintlich geringe Renditen für Investitionen in die Leitungen beklagt, was die Bundesnetzagentur zurückgewiesen hat. Ein Sprecher der Behörde sagte am Dienstag, ihm seien keine Verkaufspläne von RWE bekannt. Dem Bundeskartellamt liegt nach eigenen Angaben keine Anmeldung für eine Übernahme vor.

Die EU-Kommission drängt die Energieriesen aus Wettbewerbsgründen seit Jahren zu einer Abgabe der großen Stromtrassen. Die RWE-Konkurrenten E.ON und Vattenfall haben ihre deutschen Hochspannungsnetze inzwischen verkauft. Unter dem Druck der EU-Kommission treibt RWE derzeit den Verkauf seines deutschen Ferngasnetzes voran. Von den Wettbewerbshütern in Brüssel war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

06.10.2010

 

RWE will Stromnetz an Rentenfonds verkaufen

Strommast in Dorsten: Netzgeschäft soll integraler Bestandteil der Strategie bleiben
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AP

Strommast in Dorsten: Netzgeschäft soll integraler Bestandteil der Strategie bleiben

Erst Vattenfall und E.on, jetzt auch RWE: Der Energiegigant will laut "FTD" die Mehrheit an seinem Stromnetz verkaufen - und zwar an einen Rentenfonds. Die Macht über die Leitungen will der Konzern aber behalten.

Dortmund - E.on und Vattenfall haben es bereits getan, nun plant auch RWE den Verkauf seines Stromnetzes. Der Energiekonzern will die Mehrheit an seiner Hochspannungsnetz-Gesellschaft Amprion abgeben, gleichzeitig aber die Führung bei dem Unternehmen behalten. Bis zu 75 Prozent der Anteile sollen an einen Rentenfonds verkauft werden, berichtet die "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Demnach wurde der Verkauf bereits im Aufsichtsrat diskutiert.

 

Die Verkaufsabsichten kommen selbst für Branchenkenner überraschend. "Es wundert mich insofern, als RWE Chart zeigen immer wieder beteuert hat, am Stromnetz festzuhalten", sagte Ver.di-Geschäftsführer Michael Bürger. Der Amprion-Betriebsrat wollte sich ebenso wenig zu den Berichten äußern wie die RWE-Zentrale in Essen. Von dort hieß es lediglich, das Netzgeschäft von Amprion bleibe wichtiger Bestandteil der RWE-Strategie: Der Konzern sieht sich als integrierten Versorger, der alle Sparten von der Energieerzeugung über den Transport bis zum Endkundengeschäft beinhaltet.

 

RWE hatte das Hochspannungsnetz auf Drängen der Brüsseler Kartellwächter erst vor rund einem Jahr in die Gesellschaft Amprion ausgegliedert. Brüssel hatte eine Entflechtung von Stromproduktion und Stromtransport verlangt - ob diese Auslagerung bereits ausreicht, ist unklar. Zumindest die Mitbewerber E.on Chart zeigen und Vattenfall Chart zeigen hatten nach Kartellauflagen ihre Netze verkauft.

Laut "FTD" will RWE die Mehrheit an seinem Stromnetz aufgrund der anstehenden hohen Investitionen verkaufen. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hatte eine Studie vorgelegt, nach der für den Transport von Windenergie im deutschen Stromnetz bis 2020 Investitionen von etwa sechs Milliarden Euro erforderlich seien. Aufgrund der neuen Brennelementesteuer muss RWE kurzfristig mit niedrigeren Konzerngewinnen rechnen, die Vorteile aus der Laufzeitverlängerung der Atommeiler werden sich erst langfristig bemerkbar machen. Zudem zählt das Hochspannungsnetz nicht gerade als großer Gewinnbringer im Konzern.

Amprion betreibt in Deutschland ein Netz mit 11.000 Kilometern Länge, über das nach Unternehmensangaben 27 Millionen Kunden versorgt werden. Durch seine zentrale Lage in Europa ist das Amprion-Übertragungsnetz eine wichtige Drehscheibe für den Stromhandel zwischen Nord und Süd sowie zwischen Ost und West.

fdi/dpa

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721648,00.html

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