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Velen pocht auf großen Abstand
 
Das Projekt betrifft auch die Gemeinde Velen. Deswegen ist ihre Meinung gefragt.

Einstimmig bei einer Enthaltung hat der Planungsausschuss während seiner jüngsten Sitzung die Stellungnahme der Kommune auf den Weg gebracht. Sie legt Wert darauf, dass die neue Stromleitung, die nordwestlich von Ramsdorf verläuft, einen möglichst großen Bogen um zukünftige Wohnsiedlungen macht. 

Im Klartext: Sie soll mindestens den Abstand der heute dort bereits vorhandenen 110-kV-Freileitung zur Wohnbaufläche einhalten sprich etwa 100 Meter. Damit seien von vornherein auch mögliche Konflikte mit der projektierten Umgehungsstraße ausgeschlossen.

Das ist geplant: Die neue Stromleitung soll überwiegend den Schutzstreifen der vorhandenen 220-kV-Trasse benutzen. Von Gemen bis etwa in Höhe von Nordvelen will die RWE die neue Hochspannungsleitung mit der vorhandenen 110-kV-Leitung Hervest-Dorsten-Stadtlohn bündeln. Der Vorteil: Durch das Zusammenlegen der beiden Hochspannungskabel auf einem Masten kann im Bereich der Feuchtwiesen am Gut Barnsfeld die dortige 110-kV-Freileitung demontiert werden. Außerdem verringere sich durch das Zusammenlegen der notwendige Schutzstreifen von etwa 110 auf rund 80 Meter Breite.

Ab Nordvelen trennen sich die Stromleitungen wieder: Die 110-kV-Trasse wird auf einem Stück in Richtung Westen neu gebaut und schließt dann wieder an die ursprüngliche Route in Richtung Stadtlohn an. Das geplante 380-kV-Kabel dagegen verläuft in der vorhandenen 220-kV-Schiene über landwirtschaftliche Flächen nach Nordosten in Richtung Gescher/Legden.

In ihrer Stellungnahme weist die Gemeinde Velen die RWE auf ihre geplante Entwicklung hin: Denn laut Flächennutzungsplan (FNP) wächst Ramsdorfs Wohnbebauung im Anschluss an das Gebiet Bogterkamp bis unmittelbar an die projektierte Nordwest-Umgehung und damit bis in die Nähe der geplanten 380-kV-Leitung. Der Abstand der Wohnbaufläche zur Trasse der dort bereits vorhandenen 220 kV- und 110 kV-Freileitung beträgt jeweils etwa 60 und 100 Meter.

Ramsdorfs künftige Siedlungsentwicklung und die Umgehungsstraße seien in den RWE-Planunterlagen aber noch nicht enthalten. Deshalb habe der Energieversorger sie noch nicht berücksichtigt, drängt die Gemeinde Velen nun auf einen möglichst großen Abstand der neuen Freileitung zur geplanten Bebauung.

Als Gründe für die Aufrüstung auf ein 380-kV-Kabel nennt die RWE vor allem den Ausbau der Windenergie im Norden und den damit verbundenen Bedarf für ein leistungsfähigeres Transportsnetz für die Energie in Richtung Süden.

(Borkener Zeitung, 21.2.2008)

  

Diskussion um Stromleitung
 
Velen (rpl). Für eine Mehrheit hat es nicht gereicht: Dennoch ist der Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, eine fraktionsübergreifende Resolution zur Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen zu verabschieden, in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses auf unterschiedliche Resonanz gestoßen: Bei drei Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen ist der grüne Vorstoß mit fünf Gegenstimmen abgelehnt worden.

Der Abstimmung lag ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen zugrunde, der Rat solle eine Resolution zur Erdverkabelung der geplanten 380-Kilovolt-Leitung von Wesel nach Diele verabschieden. Die Trasse der Leitung führt im Bereich von Ramsdorf auch über Velener Gemeindegebiet.

Mit Nachdruck gegen die beantragte Resolution sprach sich im Ausschuss Bürgermeister Ralf Groß-Holtick aus. Man dürfe sich nicht „am Sonntag über die hohen Strompreise beklagen und am Montag dafür sorgen, dass sie weiter steigen“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die mit Erdverkabelungen verbundenen zusätzlichen Kosten, die letztlich an den Verbraucher weitergegeben würden. Er halte nichts von „populistischen“ Maßnahmen, die andere bezahlen müssten.

Den Blick auf die zusätzlichen Kosten richtete auch Franz-Josef Schwers (UWG). Zudem, so der Unabhängige, hätten nach seiner Erfahrung Resolutionen in der Vergangenheit nur wenig bewirkt.

Den Schwerpunkt auf die in der Überlandverkabelung liegenden Gefahrenpotenziale legte demgegenüber Günther Hüging (CDU). Hüging wies auch nochmals auf die in Nachbargemeinden erfolgten Initiativen für eine Erdverkabelung hin.

Endgültig entschieden wird über den Antrag der Grünen in der Ratssitzung am kommenden Montag.
 
Borkener Zeitung, 11.2.2009

 

3.      Antrag Bündnis 90 / Die Grünen Ortsverein Velen-Ramsdorf zur Verabschiedung einer Resolution zur Erdverkabelung von Hochspannungsfreileitungen
SV 12/2009
 
Herr Schlüter bedankte sich für die seriöse Bearbeitung des Antrages von Bündnis 90/ Die Grünen. Er schlug vor die Mindestabstände der Leitungen zur Wohnbebauung, wie bereits von den umliegenden Kommunen vorgeschlagen, mit in die Forderung zu übernehmen und den Beschluss zum Bau der KV-Freileitung neu zu überdenken.
 
Herr Groß-Holtick gab zu bedenken, dass die Strompreise bereits jetzt sehr hoch seien und eine Verlegung der Leitung ins Erdinnere diese noch mehr erhöhen. Außerdem sei eine 380 kV-Erdverkabelung bisher in Deutschland nicht vorhanden, so dass auch hier evtl. schädliche Auswirkungen für die Umwelt nicht ausgeschlossen werden können.
 
Herr Schwers gab zu bedenken, ob man eine Erdverkabelung aus den dadurch resultierenden Strompreiserhöhungen verantworten könne, wobei eine Erdverkabelung vom Grunde her schon zu begrüßen sei.
 
Herr Schlüter erklärte, dass sich die Städte/Gemeinden Raesfeld, Borken und Gescher bereits gegen die Freileitungen ausgesprochen hätten.
 
Herr Groß-Holtick hielt dies, kurz vor der bevorstehenden Kommunalwahl, eher für Populismus. Es sei nicht nachgewiesen, dass eine Erdverkabelung weniger gesundheitsgefährdende Auswirkungen habe.
 
Herr Schulze Selting bemerkte, dass man die Umweltveränderungen nicht außer acht lassen sollte. Bereits die Photovoltaikanlagen würden sich wegen der hohen Einspeisevergütung negativ auf die Energiekosten auswirken.
 
Herr Hüging erklärte, dass z.B. im Barnsfeld die Freileitung aus naturschutzfachlicher Sicht verlegt werden soll. Nun ginge es um die menschliche Gesundheit, welcher noch mehr Priorität zugesprochen werden sollte.
 
Herr Schlüter machte deutlich, dass bei größerer Verlegung von Erdkabeln der Preis für die Verlegung sinken und damit auch die Strompreise nicht gravierend steigen würden. Je größer die Abnahme, je günstiger der Beschaffungswert.
 
Herr Schulze Selting regte an, sich vor einer Entscheidung sich von Fachleuten beraten zu lassen.
 
Bürgermeister Groß-Holtick gab zu bedenken, dass die Problematik sehr interessensgesteuert behandelt werde und insofern die Anhörung von Fachleuten wenig Sinn mache.
 
Herr Groß-Holtick erklärte weiter, dass im Rahmen des noch ausstehenden Planfeststellungsverfahrens jeder die Möglichkeit erhalte, seine Bedenken und Anregungen einzubringen.
 
Abschließend stimmte der Planungsausschuss über die von Bündnis 90/ Die Grünen beantragte Verabschiedung der Resolution ab.
 
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Gemeinde Velen beschließt die von Bündnis 90/ Die Grünen beantragte Verabschiedung einer Resolution zur Erdverkabelung der 380 kV – Stromleitung Wesel-Diele.
Beratungsergebnis: Mehrheitlich dagegen
( 3 Ja-Stimmen, 5 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen)

Aus der N i e d e r s c h r i f t über die Sitzung des Planungsausschusses der Gemeinde Velen vom 02.02.2009 

 
 
 
 

„Entscheidung höchst bedauerlich"

Velen (rpl). Mit einer Pressemitteilung hat die Bürgerinitiative „Pro Erdkabel NRW“ zur Ab­lehnung einer fraktions­übergreifenden Resoluti­on zur Erdverkabelung der geplanten 380-Kilo-volt-Leitung von Wesel nach Diele im Planungs­ausschuss Stellung ge­nommen (BZ berichtete). In der Mitteilung be­zeichnet der Sprecher der Initiative, Paul Wis­sing, die Entscheidung des Ausschusses als „höchst bedauerlich“ und kritisiert den „un­überlegten und fahrlässi­gen Umgang mit der Problematik“.
Die Kosten einer Erdver­kabelung der vier Pilot­projekttrassen, so macht der Sprecher der Initiati­ve geltend, betrügen laut einer Berechnung des Bundesumweltministeri­ums pro Haushalt nicht mehr als 80 Cent im Jahr. Darüber hinaus unter­streicht die Initiative die Risiken von Freileitun­gen und stellt ihnen die aus ihrer Sicht erhebli­chen Vorteile einer Erd­verkabelung gegenüber.
 
Borkener Zeitung, 14.2.2009
 
Antrag vom Rat abgelehnt
Keine Resolution für Erdkabel
Ramsdorf (rpl). Haarscharf die Mehrheit verfehlt hat bei der Abstimmung im Rat am Montag der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, eine fraktionsübergrei­fende Resolution zur Erd­verkabelung von Hochspan­nungsleitungen zu verab­schieden: Bei zehn Ja- und exakt ebenso vielen Nein-­Stimmen fehlte dem Antrag nur knapp die erforderliche Mehrheit.
Die bereits im Planungs­ausschuss deutlich gewor­denen unterschiedlichen Einschätzungen in dieser Frage (die BZ berichtete), traten auch bei den Erörte­rungen im Rat nochmals zutage.
Während Engelbert Volks (SPD) dafür warb, den Re­solutionsantrag nicht allein deshalb zu verwerfen, weil er von den Grünen komme, machte Günter Kremer (CDU) deutlich, dass er die Forderungen der Resolution inhaltlich zwar zumindest teilweise bejahen könne, er aber eine Resolution für ei­ne ungeeignete Maßnahme halte.
Kremer schlug vor, zur In­formation über das Thema einen unabhängigen Fach­mann in den Rat einzula­den. Zuvor hatte Franz Schlüter (Bündnis 90/Die Grünen) seinen Resoluti­onsantrag nochmals detail­liert begründet.
 
Borkener Zeitung, 19.2.2009
 
Erdkabel nicht möglich
 
 

 
Dieter Picklapp
Dieter Picklapp
(Fotos: rpl)

 

 
Ramsdorf (rpl). Keine Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen in Ramsdorf: Eine unterirdische Verlegung der geplanten 380-Kilovolt-Leitung im Gemeindegebiet von Velen ist nicht vorgesehen und - aus rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Gründen - nicht möglich. Dieses Fazit lässt sich aus einem Sachstandsbericht zum Bau der Stromtrasse Meppen-Wesel ziehen, den Dieter Picklapp, Projektleiter bei der RWE-Tochtergesellschaft „Amprion GmbH“, dem Rat auf seiner Sitzung am Montag vorgestellt hat.


Der Grund, weshalb - anders als in Raesfeld geplant (die BZ berichtete) - die Stromkabel ausschließlich als Freileitungen über den Nordwesten Ramsdorfs geführt werden sollen, bestehe darin, dass hier an keiner Stelle die Möglichkeit bestünde, ein mindestens drei Kilometer langes zusammenhängendes Teilstück unterirdisch zu verlegen, erläuterte Picklapp.
 

 Die Minimalgrenze von drei Kilometern, so der Amprion-Sprecher, sei unter anderem als Folge des gesetzlich verankerten Wirtschaftlichkeitsgebotes festgelegt worden. Zudem solle eine „Rauf-Runter-Philosophie“ bei der Leitungsführung vermieden werden. Für das geplante Freileitungs-Teilstück rechne die RWE mit Kosten von 700.000 bis 1,2 Millionen Euro - eine Erdverkabelung würde nach Aussagen Picklapps etwa das vier- bis siebenfache kosten.

Die vorgesehene 380-Kilovolt-Leitung, die im Wesentlichen dazu diene, den Strom aus den Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee nach Süden zu transportieren, werde auf der Trasse der heute bestehenden parallelen 220-Kilovolt- und 110-Kilovolt-Leitungen errichtet. Die 220-Kilovolt-Leitung werde abgebaut - die weiterhin notwendige 110-Kilovolt-Leitung werde in die neue Leitungsführung integriert.

Zu diesem Zweck, so der Referent, sollen im Bereich Velen/Ramsdorf 51 vorhandene Masten abgebaut und durch 19 neue ersetzt werden. Wegen der größeren Entfernung der neuen Masten voneinander hätten diese allerdings eine Grundhöhe von 60 Metern. Die bisherigen Masten waren zwischen 34 und 40 Metern hoch. Außerdem sei für eine Querverbindung der 110-Kilovolt-Leitung der Bau von drei weiteren, 30-Meter hohen Masten erforderlich. Entlang der 380-Kilovolt-Trasse werde in voller Länge ein insgesamt 66 Meter breiter Schutzstreifen frei bleiben.

Mögliche gesundheitliche Einflüsse, so betonte Picklapp auf Nachfrage aus dem Ratsplenum, würden durch die neue Leitung nicht erhöht. Und auch auf die lokale Wetterentwicklung habe die deutlich höhere Leitung keinen Einfluss: „Dass wir mit der Leitung Wolken aufgehalten haben, habe ich noch nicht gehört“, versicherte der Referent auf die Frage eines Ratsmitgliedes.
 

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