Das letzte von zwölf Rädern des Offshore-Windparks "alpha ventus" wurde 45 Kilometer vor Borkum in der Nordsee endlich errichtet.

Windpark

Die Luftaufnahme gibt einen Überblick über den ersten deutschen Offshore-Windpark "alpha ventus", der sich 45 Kilometer vor der ostfriesischen Insel Borkum (Kreis Leer) befindet.
Foto: dpa/DPA

Oldenburg. Der weltweit einzigartige Windpark vor der deutschen Nordseeküste steht. Am heutigen Montag ließ die Oldenburger Realisierungsgesellschaft nach sieben Monaten Bauzeit das letzte von zwölf Rädern des Windparks "alpha ventus" auf hoher See aufrichten. Im Vollbetrieb soll der Park Strom für 50.000 Haushalte liefern, teilte das Unternehmen mit.

 In dem Windpark 45 Kilometer nördlich von der Insel Borkum werden Räder mit je fünf Megawatt Leistung der deutschen Hersteller Multibrid und REpower eingesetzt. Die Realisierungsgesellschaft betonte, derzeit sei "alpha ventus" der erste Offshore-Windpark weltweit mit einem Dutzend Windkraftanlagen der Fünf-Megawatt-Klasse. Der Bau kostete etwa 250 Millionen Euro.

Sechs der zwölf Turbinen laufen bereits im Probebetrieb und haben schon rund 13 Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Bis Anfang 2010 sollen nach und nach die restlichen Windräder angeschlossen werden. Auch hier gehe das Projekt einen eher unüblichen Weg, teilte die Realisierungsgesellschaft mit. „Alpha ventus macht keine Winterpause“, sagte der Mitgeschäftsführer des Energieunternehmen EWE, Claus Burkhardt. „Wenn das Wetter es zulässt, gehen wir raus und schließen die Anlagen an, und wenn es sein muss, auch zu Weihnachten und Silvester.“

"Alpha ventus" ist ein Pilotprojekt, mit dem grundlegende Erfahrungen in Bau und Betrieb eines Offshore-Windparks gesammelt werden sollen. Für dieses Projekt gründete EWE gemeinsam mit den Energieriesen E.ON und Vattenfall 2006 die Deutsche Offshore-Testfeld- und Infrastruktur GmbH (DOTI).

Gesamtprojektleiter Wilfried Hube von EWE sagte dazu: „Die Errichtung von zwölf Windkraftanlagen der Fünf-Megawatt-Klasse in 45 Kilometer Entfernung von der Küste und bei Wassertiefen um 30 Meter ist ein echtes Stück Pionierarbeit und weltweit bislang einzigartig.“

Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie wurden inklusive "alpha ventus" bislang 25 deutsche Offshore-Projekte mit mehr als 1.650 Rädern genehmigt. 22 Windparks sollen in der Nordsee entstehen, drei in der Ostsee. Mehr als 60 Vorhaben sind in Planung.

 Bedenken für die Umwelt

 Skeptiker befürchten aber auch Gefahren für die Schifffahrt, wenn sich weitere Windparks in der dicht befahrenen Deutschen Bucht drängeln. Das nächste Projekt, Bard Offshore 1, steht mit 80 Windrädern bereits in den Startlöchern. Radarüberwachung und Sicherungsschiffe sollen auch hier das Risiko von Zusammenstößen mindern, wenn etwa ein manövrierunfähiger Öltanker in die Sperrzone treibt. In den kommenden Jahrzehnten sollen sich mehrere 1000 Windräder in der Nordsee drehen.

Naturschützer wie der regionale Wattenrat in Ostfriesland sehen zudem Gefahren für Schweinswale und Zugvögel. Ein Untersuchungsbericht von der benachbarten Forschungsplattform FINO 1 zeigt eine hohe Gefährdung beim Vogelzug in der Nacht. Ornithologen haben daher zum Schutz der Tiere und der Anlagen ein Frühwarnsystem in Kombination mit einem Beleuchtungs- und Abschaltkonzept vorgeschlagen. (AP/dpa)